Nach Forderungen aus Union: Selbst Reiches Ministerium hält AKW-Reaktivierung für teuer
Unionspolitiker behaupten, die Reaktivierung deutscher AKWs koste 10 Milliarden Euro. Ausgerechnet das Wirtschaftsministerium weist diese Zahlen als unseriös zurück.
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Ausgerechnet das von Katherina Reiche (CDU) geführte Bundeswirtschaftsministerium weist Zahlen zurück, wonach die Wiederinbetriebnahme der sechs zuletzt abgeschalteten deutschen Atomkraftwerke vergleichsweise günstig wäre. Auch dem Neubau von AKWs steht das Ministerium einem Bericht an den Bundestagsausschuss für Wirtschaft und Energie zufolge skeptisch gegenüber.
Immer wieder beklagen Reiche und andere Unionspolitiker:innen den deutschen Atomausstieg. Unionsfrakionschef Jens Spahn etwa fordert ein Wiederanfahren mit der Behauptung, das sei mit Kosten von rund 10 Milliarden Euro vergleichsweise günstig. Anlass für diese Diskussion sei eine Studie der US-amerikanischen Beratungsgesellschaft Radiant Energy Group, so das Ministerium in seinem Bericht. Danach kostet eine Reaktivierung rund 11,9 Milliarden Euro. Die Studie basiere auf limitierten Annahmen zu Aspekten wie Kosten, Zeitplänen, Finanzierung, heißt es in dem Bericht. Voraussetzungen wie Genehmigungsfragen, Finanzierung und Entsorgung seien nicht nachvollziehbar berücksichtigt.
„Eine verlässliche Kostenschätzung einer nach Atomgesetz rechtlich nicht erlaubten Wiederinbetriebnahme der außer Betrieb genommenen Kernkraftwerke kann auf Basis der vorliegenden Informationen nicht vorgenommen werden“, schreibt Reiches Ministerium. Das gelte auch für die Strompreise. Der Streckbetrieb der letzten drei Atomkraftwerke von Januar bis Mitte April 2023 habe nur geringe Auswirkungen auf den Strompreise gehabt.
Sehr hohe Kostensteigerungen bei neuen Meilern
Das Ministerium bekämpfe die atomaren Phantomschmerzen bei der Union, kommentierte der grüne Bundestagsabgeordnete und früher Wirtschaftsstaatssekretär Michael Kellner den Bericht: „Frau Reiche zeigt überzeugend, warum die Atomkraftwerke nicht wieder in Betrieb genommen werden.“
Auch gegenüber neuen Meilern ist das Ministerium skeptisch. Internationale Beispiele zeigten, dass Neubauprojekte „mit teils sehr hohen Kostensteigerungen und Zeitverzögerungen“ verbunden waren, vor allem in den USA, Frankreich, Großbritannien und Finnland. Vielen Bauvorhaben fehlten Investoren. „Zudem ist zu beachten, dass auch die Kosten für den Rückbau sowie die Endlagerung nicht unberücksichtigt bleiben dürfen“, schreibt das Ministerium.
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