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Menschenrechte in RusslandPutins Unrechtsbeauftragte

Jana Lantratowa soll die Menschenrechte in Russland wahren. Dabei ist sie wohl selbst an der Verschleppung von Kindern beteiligt.

Den Angriffskrieg unterstützen: Jana Lantratova ist Russlands neue Menschenrechtsbeauftragte Foto: Sergei Bulkin/TASS/picture alliance

Die Neubesetzung des Postens der Menschenrechtsbeauftragten der Russischen Föderation als Realsatire zu bezeichnen, ist noch deutlich untertrieben. Jana Lantratowa heißt die Auserwählte.

Die Teilnehmer an der „militärischen Spezialoperation“, wie Moskaus Angriffskrieg gegen die Ukraine offiziell genannt wird, und deren Angehörige zu unterstützen, habe für sie Priorität, sagte Lantratowa der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass nach ihrer Ernennung vor wenigen Tagen.

Diese Arbeitsplatzbeschreibung nimmt sich noch vergleichsweise harmlos aus, wie sich bei einer genaueren Betrachtung von Lantratowas Werdegang zeigt. Die 37-Jährige wird in St. Petersburg geboren. Dort absolviert sie ein Journalistikstudium an der Universität sowie ein Studium an der Akademie für öffentliche Verwaltung.

Ihre Karriere startet Lantratowa, Mutter eines Sohnes, 2009 bei der Jugendorganisation Junge Garde der Kremlpartei Einiges Russland. Ein Jahr später heuert sie zusätzlich als Assistentin des skandalumwitterten Abgeordneten des St. Petersburger Stadtparlaments, Witali Milonow, an. Der tituliert Ukrai­ne­r*in­nen und Krim­ta­ta­ri­n*­in­nen als „verrückte Arschlöcher“ und „türkische Faschist*innen“ und arbeitet sich gerne an LGBTQAI+-Menschen ab.

„Traditionelle Werte“

2021 wird Lantratowa auf dem Ticket der regierungsnahen Partei Gerechtes Russland in die Staatsduma gewählt. Dort beschäftigt sie sich vor allem mit den Bereichen Bildung, „traditionelle Werte“ und Regulierung des Internets. Berichten der Zeitung Wedomosti zufolge ist Lantratowa als Abgeordnete an mehr als 600 Gesetzentwürfen beteiligt. Darunter sind die Schaffung eines einheitlichen Registers „ausländischer Agenten“, ein Verbot der kostenlosen Bildung für Kinder von Mi­gran­t*in­nen sowie die Verschärfung von Strafen im Falle von Falschmeldungen über die russische Armee.

Weitere Verdienste erwirbt sich die Volksvertreterin, indem sie Organisationen und Personen denunziert, die sich gegen den Krieg in der Ukraine positionieren – darunter Professoren und Priester.

Um die Ukraine ist Lantratowa besonders bemüht. Nach der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim und dem Beginn des Krieges im Donbass 2014 reist sie als Mitglied einer Arbeitsgruppe des Präsidialrats für Zivilgesellschaft und Menschenrechte mehrfach nach Donezk und Luhansk. Sie spricht von einer „humanitären Katastrophe“ sowie der Notwendigkeit, die Zivilbevölkerung im Donbass zu schützen. Den ukrainischen Behörden wirft sie Menschenrechtsverletzungen im Osten des Landes vor.

Die USA und EU verhängen Sanktionen gegen sie

Wegen ihrer Unterstützung des Krieges in der Ukraine verhängen die USA, Großbritannien, Kanada und die EU-Staaten 2022 Sanktionen gegen Lantratowa. Zwei Jahre später klagt der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU Lantratova in Abwesenheit an. Sie soll an der Verschleppung von mindestens zwei Mädchen aus einem Waisenhaus in Cherson nach Russland beteiligt gewesen sein. Ein Mädchen sei später von dem Vorsitzenden der Partei Gerechtes Russland, Sergei Mironow, und dessen Frau adoptiert worden.

Lantratowa soll an der Verschleppung von mindestens zwei Mädchen aus einem Waisenhaus in Cherson nach Russland beteiligt gewesen sein

Russische Men­schen­recht­le­r*in­nen sind sich einig, dass von Lantratowa nichts Gutes zu erwarten ist. Sie werde die Rechte von Ermittlern, FSB-Offizieren, Sicherheitskräften und „Helden der Spezialoperation“ schützen, zitiert das Webportal die Aktivistin Olga Romanowa. „Genau das werden wir gemeinsam erleben.“

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1 Kommentar

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  • Die hat so einen freundlich-menschlich-warmen Gesichtsausdruck, als hätte sie mal für einen Gaskonzern gearbeitet.