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Mark Rutte im Weißen HausTrump weiter im Zorn

Andreas Zumach

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Andreas Zumach

Trump wird die Nato und die US-Militärbasen in Deutschland nicht aufgeben. Unabhängig davon, was Nato-Generalsekretär Mark Rutte im Weißen Haus sagte.

Kein Gespräch unter Freunden: Nato-Generalsekretär Mark Rutte und US-Präsident Donald Trump Foto: Evan Vucci/ap/dpa

K einE PolitikerIn Europas verhält sich so unterwürfig, ja peinlich devot gegenüber der US-Administration wie Nato-Generalsekretär Mark Rutte. Völlig vergeblich. Seit Ruttes Amtsantritt haben die Sprüche aus Washington über die „überflüssige Nato“, die Tiraden gegen die angeblich „undankbaren“ und „unzuverlässigen“ Europäer sowie die Drohungen mit einem Austritt der USA aus der Militärallianz an Häufigkeit und Schärfe sogar zugenommen. Daran dürfte auch der Besuch Ruttes am Mittwoch im Weißen Haus kaum etwas ändern.

Von dem Treffen ist nicht viel bekannt, es fand unter Ausschluss der Presse statt. Bislang weiß man nur, dass sich US-Präsident Donald Trump nun noch verärgerter über die Nato zeigte als bislang. Weiter ist man also nicht. Zur Nato äußerte sich Trump erstmals im Präsidentschaftswahlkampf 2016 kritisch mit der Bemerkung, die Allianz sei „obsolet“. Seitdem werden alle diesbezüglichen Äußerungen aus Washington in Europa offenbar für bare Münze genommen, überbewertet und instrumentalisiert, um die miltärische Aufrüstung der EU zu propagieren. Schon 2017 sprach der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter davon, jetzt könne sich „Europa nicht mehr auf den nuklearen Schutzschirm der USA verlassen“.

Natürlich verfolgt die Trump-Administration noch stärker als all ihre Vorgänger und dank Russlands Krieg gegen die Ukraine viel erfolgreicher das Ziel, die finanziellen Lasten in der Nato umzuverteilen und die Europäer zu mehr Militärausgaben zu drängen. Doch abgesehen davon hat sich das grundlegende Interesse der USA an der Nato seit ihrer Gründung 1949 auch unter Trump nicht verändert: Die Militärallianz ist für ihre Führungsmacht das wichtigste Instrument zur Einflussnahme in und Kontrolle über Europa.

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Auch die Existenz von US-Militärbasen in Deutschland und anderen Staaten Europas sowie deren Nutzung für Washingtons Kriege und Drohneneinsätze wären ohne die Nato nicht möglich. All das wird auch Trump nicht aufgeben. Egal wie Rutte jetzt sich verhalten hat.

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Andreas Zumach
Autor
Journalist und Buchautor, Experte für internationale Beziehungen und Konflikte. Von 1988-2020 UNO- und Schweizkorrespondent der taz mit Sitz in Genf und freier Korrespondent für andere Printmedien, Rundfunk-und Fernsehanstalten in Deutschland, Schweiz,Österreich, USA und Großbritannien; zudem tätig als Vortragsreferent, Diskutant und Moderator zu zahlreichen Themen der internationalen Politik, insbesondere:UNO, Menschenrechte, Rüstung und Abrüstung, Kriege, Nahost, Ressourcenkonflikte (Energie, Wasser, Nahrung), Afghanistan... BÜCHER: Reform oder Blockade-welche Zukunft hat die UNO? (2021); Globales Chaos-Machtlose UNO-ist die Weltorganisation überflüssig geworden? (2015), Die kommenden Kriege (2005), Irak-Chronik eines gewollten Krieges (2003); Vereinte Nationen (1995) AUSZEICHNUNGEN: 2009: Göttinger Friedenspreis 2004:Kant-Weltbürgerpreis, Freiburg 1997:Goldpreis "Excellenz im Journalismus" des Verbandes der UNO-KorrespondentInnen in New York (UNCA) für DLF-Radiofeature "UNO: Reform oder Kollaps" geb. 1954 in Köln, nach zweijährigem Zivildienst in den USA 1975-1979 Studium der Sozialarbeit, Volkswirtschaft und Journalismus in Köln; 1979-81 Redakteur bei der 1978 parallel zur taz gegründeten Westberliner Zeitung "Die Neue"; 1981-87 Referent bei der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste, verantwortlich für die Organisation der Bonner Friedensdemonstrationen 1981 ff.; Sprecher des Bonner Koordinationsausschuss der bundesweiten Friedensbewegung.
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7 Kommentare

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  • "KeinE PolitikerIn Europas verhält sich so unterwürfig, ja peinlich devot gegenüber der US-Administration wie Nato-Generalsekretär Mark Rutte."

    Schon einmal etwas von einem 'Herrn Friedrich Merz' gehört. Oder die Entourage der AFD und sämtlicher anderer Fascho-Parteien Europas?

  • Auf Ramstein werden die USA kaum verzichten können, eben so wenig wie auf andere europäische Stützpunkte. Das ist so. Nur - sollte Russland die NATO an einer ihrer Grenzen angreifen, heißt das nicht, dass die Amerikaner diese mit verteidigen werden.

  • "All das wird auch Trump nicht aufgeben."



    Das Argument, dass so ein Austritt letztlich irrational und gegen amerikanische Interessen wäre, ist nun wirklich kein besonders überzeugendes, schließlich galt das ganz genauso auch schon für die 'reziproken' Zölle, das Anzetteln des Irankrieges, den Austritt aus dem Pariser Klimaschutzabkommen und diversen UN-Organisationen, ...

  • Trump wird alles machen, was ihm kurzfristigen Vorteil verspricht. Auch aus der NATO austreten. Seine Basen wird er natürlich nicht aufgeben wollen, aber eine Konsenslösung muss dafür aus seiner Sicht nicht gefunden werden. Zur Not wird er einfach argumentieren, Deutschland sei weiterhin besetzt und nicht souverän, so wie Putin das seinerseits gegenüber der Ukraine tut.

    Wenn Trump aus Polen ein anderes Angebot bekommt, zieht er den ganzen Laden aus Ramstein einfach um und lässt die Tür offen.

    Deutschland wird auch den Wegfall des Wirtschaftsfaktors der US-Streitkräfte im Land nicht einfach so verkraften.

  • Von de Gaulle stammt ja der Spruch "Nationen haben keine Freunde, sie haben nur Interessen."



    In diesem speziellen Fall muss man aber wohl zwischen den Interessen der USA und denen der US-Administration unterscheiden. Die NATO ist zweifellos im Interesse der USA, denn trotz beindruckendem Nukleararsenal und riesigem Rüstungsetat kommt nur so die kritische Masse zusammen, um unangefochtene Weltmacht zu sein. Außerdem dreut ein Krieg mit China.



    Dies interessiert Trump nur nicht, der seit seinem Aufenthalt in Moskau als Immobilienmogul plötzlich sein Interesse an Politik entdeckt hat und bereits einmal in seinem Konkurs durch einen russischen Oligarchen gerettet wurde, der zu einem aberwitzigen Preis sein Haus abgekauft hat. Man muss davon ausgehen, dass Trump auf der Gehaltsliste des Kremls steht, anders lässt sich vieles, was er tut, insbesondere die Grönlandaktion, nicht mehr erklären.



    www.zdf.de/video/d...tten-des-kreml-100



    Das bedeutet, dass wir uns an andere, insbesondere im US-Kongress, wenden müssen, wenn wir irgendetwas erreichen wollen. Mit Trump zu reden ist völlige Zeitverschwendung und zudem noch megapeinlich.

  • "All das wird auch Trump nicht aufgeben."



    – "Von wannen kommt den Herren diese Wissenschaft?" (Carl v. Ossietzky)

    Das Argument, dass Trump irgendetwas nicht tun wird, weil es schlecht für die strategischen Interessen der USA wäre, darf mittlerweile als widerlegt angesehen werden. Also worauf basiert Herr Zumachs Vorschlag an Rutte, die Schleimerei einfach mal sein zu lassen und dem Kleinkind Trump die Meinung zu sagen?

    Lass den Rutte doch schleimen. Er ist kein Staatsoberhaupt und riskiert damit nicht die Souveränität seines Landes. Er ist der Vorsitzende eines Militärbündnisses, dass durch Trumpsche Kurzschlussreaktionen durchaus dermaßen geschädigt werden kann, dass es auch von eventuellen Nachfolgern nur noch schwer repariert werden könnte. Auch aus ukrainischer Perspektive dürfte Ruttes Schleimerei erheblich gnädiger betrachtet werden.

    • @gelu:

      Aus genau dem Grunde, dass er nicht die Interessen eines einzelnen Landes vertritt, sollte er stabdfest auftreten. Die Mehrheit der NATO-Verbündeten steht dahinter. Doch diese extrem peinliche Ar....kriecherei ist genau das, worauf der Erpresser im Oval Office seine "Deals" basiert. Wer sind wir denn, dass wir uns sowas katzbuckelnd gefallen lassen????