Lufthansa streicht Inlandsflüge: Bremen sieht sich abgehängt
Die Lufthansa streicht ab Juli alle Flüge zwischen Bremen und Frankfurt. Der Senat schimpft und bangt. Dabei sollte der doch ohnehin umplanen.
K limaneutral bis 2038? Dieses Klimaziel des Bremer Senats ist kaum noch erreichbar. Nun kommt Unterstützung von unerwarteter Stelle: Die Lufthansa greift der Stadt unter die Arme. Ab Juli wird die Verbindung Frankfurt-Bremen gestrichen, ersatzlos. Bis zu fünf Flüge gibt es bisher am Tag auf dieser Linie, rund 5.000 Fluggäste in der Woche sollen sie genutzt haben.
Die Entscheidung ist Teil einer groß angelegten „Flugplanoptimierung“, bei der die Lufthansa im 100. Jahr ihres Bestehens allein bis Oktober 20.000 Flüge streicht. Der Flug von Bremen nach Frankfurt soll nicht wieder aufgenommen werden.
„Ein schwerer Schlag für Bremen und den ganzen Nordwesten“, lässt sich Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) zitieren. Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) wird forscher: „Wir erwarten, dass die Lufthansa die Entscheidung unverzüglich zurücknimmt und die Strecke Bremen-Frankfurt weiterhin angeflogen wird“, fordert sie.
Frankfurt ist als Deutschlands größter Umsteige-Hub quasi das Tor zur Welt (sorry Hamburg). Die Lufthansa verweist Bremer*innen auf den alternativen Umsteigeflughafen München, der noch viermal täglich angeflogen wird. Aber im gleichen Zuge macht ein Sprecher der Linie klar, dass auch von dort in Zukunft nicht mehr alle Ziele angeboten werden.
Angst vorm Verlust des Flughafens
Der Bremer Flughafen bewegt sich schon immer an der Grenze der Rentabilität, so richtig lohnt er sich nicht. 2,7 Millionen Fluggäste im Jahr, hieß es mal, brauche der Flughafen um sich selbst zu tragen. Für 2025 wurden knapp 2 Millionen Fluggäste gemeldet; fallen jetzt noch 260.000 Frankfurt-Reisende weg, kann das den ganzen Flughafen ins Kippeln bringen.
Und davor hat man Angst in Bremen. Denn der Flughafen steht auch für Bremen als Airbus-Standort. Laut einer Studie von 2021, die der Flughafen freilich selbst beauftragt hat, hängt eine Bruttowertschöpfung von rund 2,3 Milliarden Euro an seinem Betrieb – neun Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. Im Senat fehlt die Fantasie: Wie sollten sich ohne Flugverbindung noch internationale Topmitarbeiter*innen anlocken lassen? Und wie soll man neue Unternehmen zur Ansiedlung bewegen, als Stadt ohne Flughafen?
Wenn der Senat nun schreibt, man werde „alles dafür tun, dass die Entscheidung noch einmal überdacht wird“, dann ist damit mehr gemeint, als ein trauriger Anruf beim Lufthansa-Chef. Die Möglichkeiten, den Flughafen finanziell zu unterstützen, sind aus beihilferechtlichen Gründen beschränkt. Aber Sonderkonditionen für Fluggesellschaften kann man genehmigen, in der Vergangenheit wurde das schon getan. Es gibt ein paar Dinge, die die Lufthansa noch reizen könnten: niedrigere Flughafengebühren zum Beispiel, Vergünstigungen bei Starts und Landungen.
Eine Absage an den guten Willen
Hoffnung auf eine Umentscheidung will man bei der Lufthansa aber nicht verbreiten. Der gewählte Schritt sei „sehr schade“, aber auch „unumgänglich“ gewesen, sagt ein Sprecher. Der Einsparkurs der Fluglinie geht weit über den akuten Kerosinmangel hinaus. Vor ein paar Wochen hat die Lufthansa nach einem Streik die Tochtergesellschaft Cityline samt ihren Kleinfliegern abgeschafft; jetzt fehlt es schlicht an Flugzeugen, um alle Standorte zu bedienen.
Auch wenn Bremen Geschenke an die Lufthansa anbietet, ist es sehr fraglich, ob sich die Entscheidung damit zurückdrehen lässt. Vor allem aber: Es ist fraglich, ob man das wollen sollte. Inlandsflüge um jeden Preis erhalten, das ist eine Absage an Klimaziele – und an den guten Willen.
Kristina Vogt (Linke), Bremens Wirtschaftssenatorin
Es ist Zeit, einmal durchzuatmen, der Lufthansa doch noch mal danken und sich mit anderen Optionen anzufreunden: Die Bremer Grünen hatten vor der Bürgerschaftswahl 2023 schon mal ganz kurz mit der Idee eines reinen Werkflughafens geliebäugelt. Einen entsprechenden Prüfauftrag im Wahlprogramm zu verankern, das traute man sich dann doch nicht. Jetzt drängt sich die Gelegenheit zur Prüfung auf. Denn so, wie es immer war, geht es nicht weiter.
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