Leipziger Buchmesse ohne Weimer : Kulturkämpfer ohne Rückgrat
Kulturstaatsminister Weimer trifft unpopuläre Entscheidungen und entzieht sich dann der öffentlichen Auseinandersetzung. Wie feige ist das denn?
Foto: Christoph Soeder/dpa
A usgeladen ist ausgeladen. Das hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer offenbar so schnell geschnallt, wie er selbst Ausladungen ausspricht. Und streicht mal flugs seinen Rundgang über die Buchmesse in Leipzig. Ausgeladen hatte ihn der frühere Leipziger Literaturprofessor Alfonso de Toro – und das ganz ohne Hilfe des Verfassungsschutzes, sondern einzig mit einem offenen Brief. De Toro findet, der „Herr Staatsminister“ passe nicht zu einer „toleranten und vielfältigen Stadt wie Leipzig“.
Wohlwollend könnte man schlussfolgern, Weimer sei gar nicht so unbelehrbar, wie manche vielleicht glauben, er hört auf einen Professor in Rente. Aber so einfach ist das natürlich nicht. Vielmehr darf man davon ausgehen, dass Weimer zu jenen Menschen gehört, die gern austeilen, aber nicht einstecken können. Auf Pfiffe hätte sich Weimer gefasst machen müssen, sobald er am Donnerstag nur einen Fuß auf das Messegelände gesetzt hätte. Zu übermäßig ist die Kritik an seinen bislang prominentesten Entscheidungen: Umgang mit der Berlinale-Chefin Tricia Tuttle, Streichung dreier linker Buchläden von der Liste des Buchhandlungspreises, sein Vielleicht-Nein zum Erweiterungsbau der Nationalbibliothek.
Offensichtlich will er sich nicht anhören, was andere dazu zu sagen haben, er ist er zu feige, sich öffentlichen Debatten zu stellen. Auf diese Rolle als Kulturstaatsminister war er vermutlich nicht vorbereitet. Allerdings sollten aktive Politiker:innen ein wenig härter im Nehmen sein, das hätte ihm mal jemand vor Amtsantritt ins Ohr flüstern sollen. Denn was Politiker:innen auch immer machen, Angriffe kommen fast immer, in der Regel härter als vermutet.
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Sich grämen dürfen sie gern heimlich. Aber als Repräsentant:innen der Politik, für die sie angetreten sind, sollten sie dafür öffentlich gerade stehen und sich den Debatten stellen, die sie angezettelt haben. Weimer ist nicht nur ein rechtskonservativer Kulturkämpfer, er ist ein rückgratloser rechtskonservativer Kulturkämpfer.
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