Kunstraum in Berlin-Charlottenburg: Formen bestimmter Negationen
In der Galerie ADAMA untersucht der Maler Velimir Ilišević, was nicht zu sehen ist. Ebenfalls auf den ersten Blick nicht zu finden: das kleine Theater im Keller.
Foto: Galerie ADAMA
In den Tiefen Charlottenburgs vergraben, zwischen Schmuckläden, Cafés und schicken Altbauwohnungen, liegt die ADAMA Galerie. Dabei ist ADAMA eher ein Kunstraum: „It’s many things“, so Mitgründerin Cecile Rossant, vor allem aber ein unabhängiger Ort jenseits des kompetitiven Marktes, an dem Kunst, Theater, Performance und Musik sich gegenseitig ergänzend ihren Platz finden.
Alles begann auf einer Berliner Parkbank: Hier trafen sich Rossant und Paul Erdmann zum ersten Mal, hier festigte sich ihre Freundschaft, und hier entstand auch die Idee für die Galerie, welche sie schließlich im Dezember 2024 eröffneten. Für die aktuelle Ausstellung stößt Maler und Autor Velimir Ilišević hinzu. Er und die Projektraumbetreiber inspirieren sich gegenseitig, als Künstler und Menschen, empfangen zur Ausstellung bei offenstehender Tür und kaltem Minztee.
Viele der Künstler:innen, die in ADAMA ausstellen, leben im Dazwischen, ohne feste Bindung an eine Nation, eine Gruppe oder eine feste Heimat. Auch Velimir Ilišević ist viel umhergezogen: von Jugoslawien über die Schweiz und nun nach Berlin.
Auch Theater findet bei ADAMA statt
Dieser fehlende Halt in seiner Kunst überträgt sich auf die Betrachtenden. Ein, zwei oder mehrere Blicke sind nötig, um die mit Pastellkreide, Öl, Aquarell oder Tusche angefertigten Werke auf sich wirken zu lassen. Ilišević malt gefühlvoll oftmals ohne konkrete Motive und in farbig expressiven Serien. Häufig tragen die Titel Formen bestimmter Negationen, etwa „Kein Tier, kein Mensch“ oder „Wolkenlos“. Sie lenken den Fokus auf das Abwesende. Die Geschichten sollen sich beim Betrachten ergeben.
Vieles von dem, was sich nicht sagen lässt, lässt sich (dafür) über Kunst transportieren, sagt Rossant und meint: Irgendwo schimmert bei den dreien die Auseinandersetzung mit der eigenen (Familien-)Geschichte durch. Eher unbeabsichtigt, aber leise sind sie immer da: der Holocaust, der Erste, der Zweite Weltkrieg. Das gilt auch für das Stück „the butcher“, das sich mit einer in der Shoah zerrissenen Familiengeschichte beschäftigt und von Erdmann und Rossant in der Vergangenheit inszeniert wurde.
Velimir Ilišević: „The longer Part of the Gaze“ Galerie ADAMA Berlin
Nächstes Konzert: 24.07, 20 Uhr. Nächste Reading Performance: 01.09.
Auch das in der Galerie: Durch eine Tür im Boden des Kunstraums kann man ab- und in einer anderen Welt wieder auftauchen. „Teatr“ steht da auf Polnisch geschrieben. Es kündigt das einen Stockwerk tiefer gelegene „smallest theatre in Berlin“ an, in dem etwa 20 Menschen Platz finden.
Und die Gäste? Wenn sie kommen, dann oft, um auch eine Weile zu bleiben. Zumindest für einen Abend und ein paar Gläser Wein. Im besten Fall regen die vielseitigen Künste zum Austausch an, führen auch mal hin zu den großen politischen Themen, aber dann auch wieder zurück zu den hier gezeigten, sehr inspirierenden Kunstformen und Konzerten.
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