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Kürzungen im EU-Haushalt Schräge Prioritäten

Eric Bonse

Kommentar von

Eric Bonse

Viel weniger Geld soll aus dem Bundeshaushalt an die EU fließen als an die Nato. Die Sparpläne der „Geizigen“ sind Gift für das europäische Bündnis.

B undeskanzler Friedrich Merz hat sich für den Herbst viel vorgenommen. Er will nicht nur Deutschland reformieren, sondern auch die EU neu aufstellen. Unabhängiger, wettbewerbsfähiger und sogar kriegstauglich soll die EU werden – unter deutscher Führung. Doch sein Vorstoß zum künftigen EU-Budget passt nicht zu den hochfliegenden Ambitionen.

Um mehrere hundert Milliarden Euro müsse der Vorschlag der EU-Kommission für die Jahre 2028-34 gekürzt werden, so Merz nach einem Treffen mehrerer Nettozahler in Berlin. Der „Gipfel der Geizigen“ verlangt massive Einschnitte. Überraschend kommt das nicht. Deutschland hat sich immer wieder auf die Seite der Sparsamen geschlagen. Doch wer führen will, sollte auch bereit sein, dafür zahlen. Merz hat das wohl vergessen.

Anders als bei der Nato, wo er eine Erhöhung der Rüstungsausgaben forderte, prescht der Kanzler mit Kürzungsplänen für die EU vor. Das ist absurd, wenn man die Dimensionen vergleicht: Für die Nato will Deutschland 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung zahlen, für die EU nicht einmal 1,26 Prozent! Die Prioritäten des Kanzlers sind deutlich verrutscht.

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Unmut droht ihm dafür nicht nur von Seiten der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron setzte sich für ein höheres EU-Budget ein und brachte sogar neue Schulden ins Gespräch. Davon will der Bundeskanzler wiederum nichts hören, obschon die EU erst auf sein Drängen gerade neue Schulden für die Ukraine aufgenommen hat.

Der „Gipfel der Geizigen“ könnte die EU spalten. Ein Gutes hat der Vorstoß des Kanzlers aber vielleicht doch: Die roten Linien sind klar. Das ist wichtig – denn ohne die Nettozahler oder gar gegen Deutschland wird es kein EU-Budget geben. Europa muss sich auf dauerhaft knappe Kassen einstellen. Merz hat die Grenzen des Machbaren abgesteckt – aber auch die Grenzen der Solidarität. Sie sind verdammt eng, der neue deutsche Egoismus ist nicht mehr zu übersehen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Eric Bonse

Eric Bonse EU-Korrespondent

Europäer aus dem Rheinland, EU-Experte wider Willen (es ist kompliziert...). Hat in Hamburg Politikwissenschaft studiert, ging danach als freier Journalist nach Paris und Brüssel. Eric Bonse betreibt den Blog „Lost in EUrope“ (lostineu.eu). Die besten Beiträge erscheinen auch auf seinem taz-Blog
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15 Kommentare

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  • Ta Tsu

    Die deutschen Verteidigungsausgaben der NATO zuzuschreiben, ist sicher eher Absicht denn Unwissenheit. Tatsächlich will Merz aber auch bei der EU nichts kürzen, sondern findet nur deren Wunsch von 2,0 nach zuletzt 1,1 Billionen Euro übertrieben. Ein Aufwuchs von rund 10% auf 1,2 Billionen Euro wäre wohl akzeptabel.

  • Sole Mio

    Diesmal hat Merz das schon richtig gesagt. Wir benötigen das Geld sicherlich für die Verteidigung (nicht für die NATO)

    Aus Brüssel kommt so schon genug Mist, da kann man auch etwas weniger Geld dort hin transferieren.



    Dieses Konstrukt gehört eh reformiert!

    • Perkele

      @Sole Mio:

      Die Europäische Idee ist sehr, sehr gut, ohne das stünden wir sehr erheblich schlechter da. Aus Brüssel kommt nicht nur Mist, jedoch viel zu wenig Interesse an dem Wohlergehen der Menschen. Die Kommission und viele Verantwortliche kümmern sich fast ausschließlich um Wirtschaftsprofite, so wie die extrem starke Lobby das verlangt. Menschen sind denen völlig wurscht. Die eigene Karriere und das eigene Auskommen allerdings haben höchsten Stellenwert - doch das in der EU kein Einzelfall.

      • Sole Mio

        @Perkele:

        Die europäische Grundidee befürworte ich auch.



        Verurteile dafür das Ausufern der Vorschriften, die hin und wieder an ABM-Maßnahmen erinnern.

        Was einmal gut gedacht war wird bis zum Absurden weiter verschlimmbessert.

        Erinnern wir uns beispielsweise nur daran, wie Orban die EU-Staaten am Nasenring durch die Manege geführt bis er durch faule Kompromisse seinen Willen gehabt hat

        • Perkele

          @Sole Mio:

          Das sehe ich auch so.

  • Perkele

    Merz betreibt Populismus, wie üblich.

    • MK

      @Perkele:

      Merz vertritt schlicht und ergreifend die Interessen des Landes, in dem er Bundeskanzler ist.



      Genauso wie die „Freunde der Kohäsion“ ihre Interessen vertreten, nämlich weiterhin hohe Strukturbeihilfen erhalten.



      Das ist ein normaler Prozess an dessen Ende ein Verhandlungsergebnis steht, in dem die EU mehr Gelder erhält, aber auch die „Freunde der Kohäsion“ bei den Strukturbeihilfen ihren Beitrag leisten müssen.



      Das ist auch kein Spalten der EU. Zumindest sollte es das sein. Wenn nicht müssen wir diskutieren, ob es wirklich Zusammenhalt ist, wenn es nur durch das kritiklose Abnicken der Nettezahler DE, AT und Skandinavien zusammengehalten wird.

  • metalhead86

    Eric Bonse im Land der alternativen Fakten.

    Die 3,5% BIP gehen nicht an die NATO sondern in den Verteidigungshaushalt der Bundesrepublik.



    Der hat das bitter nötig wenn ein Krieg gegen Russland oder die USA verhindert werden soll. Das würde nämlich noch viel teurer.



    Im Übrigen ist die EU auch Verteidigungsbündnis, wickelt dies aber über die NATO ab.



    Und wie viel bleibt eigentlich noch von der EU-übrig, wenn eine zentrale Nation wie Deutschland ihren Teil zur Sicherheit anderer nicht leisten würde? Die griechische Finanzkrise war schon eine Zerreißprobe. wie sähe das aus wenn Russland angreift?

  • Desti

    Wäre es nicht etwas seriöser, bei Prozentangaben die Bezugsgröße anzugeben?

    Es hätte außerdem dem Artikel nicht geschadet zu erwähnen, dass die EU Kommission eine Erhöhung um 770 Milliarden € für die Jahre 2028 - 2034 fordert.

    Das Budget des EU- Haushalts beträgt aktuell € 1.211,00 Billionen.

    • Philippo1000

      @Desti:

      Ein Wunsch nach Bezugsgrößen ist berechtigt.



      So ist auch erwähnenswert, dass die EU eine fünfjährige Haushaltsplanung macht. Der MFR erscheint auf den ersten Blick daher hoch, bei 27 Ländern und 5 Jahren relativieren sich die Zahlen allerdings deutlich.

  • Altbayer

    2024 wurde der EU-Haushalt zu 24% von Deutschland bestritten.



    Übrigens seit 2012 - mindestens!

    Der Grund warum Grün erklärte 2024, dass die unkontrollierte Zuwanderung "leider, leider" von der EU so vorgegeben worden sei.

    Weil von SPD/Grün halt auch so finanziert.

    Milchmädchenrechnung: 100% / 27 = 3,7...

    Hätte die SPD nur ein einziges Mal (!) in diesem Zeitraum klare Kante gezeigt, wäre diese Talfahrt wohl nicht so massiv ausgefallen. Oder - mit Grün!! - auch nur mal eine brauchbare Familienpolitik verantwortet...

    Ich verstehe es durchaus, dass man es kritisch sieht, wenn "wir" wieder mal die Meinungsmacher in der EU sein wollen.

    Wer zahlt schafft an, aber hat nichts mitzubestimmen?

    DIESE Augenwischerei von beiden Seiten des Plenums führt ganz massiv mit dazu, dass die Demokratie "wackelt" !

  • My Sharona

    Die EU setzt ihre unheilvolle Tradition des Unterinvestments in alle Wachstumsbranchen fort und produziert verstärkte Erpressbarkeit in der Zukunft. Die EU-Verträge und Defizitregeln sind Ausfluss eines neoliberalen Zeitgeistes und heute noch viel weniger geeignet Wohlstand und Fortschritt in der EU zu generieren als sie es zu Zeiten des Lissabon-Vertrages waren. Jetzt stehen wir als EU mit denen, die auf regelbasierten Wettbewerb scheißen (USA und China) in einer verschärften Konkurrenzbeziehung und binden uns dabei freiwillig einen Arm auf den Rücken.

  • Querbeet

    Wenn die EU ja etwas sinnvolles mit all den Milliarden machen würde...

  • Klabauta

    Ob der deutsche Egoismus so neu ist, wage ich zu bezweifeln, siehe z.B. Aufweichung des Verbrenner-Aus oder der EU-Lieferkettenrichtlinie.

  • T-Rom

    Die 3,5% für Rüstungsausgaben fließen nicht an die NATO, sondern in die nationale Verteidigung, d.h. im Wesentlichen die Bundeswehr.



    Es ist ja die Frage was die Aufgaben der EU sein sollen, und wofür die EU Budget braucht. Im Moment ist der weitaus größte Posten die Landwirtschaft, was historisch bedingt eine der Bedingungen Frankreichs war, an der EU und dem gemeinsamen Binnenmarkt teilzunehmen.