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Krieg in NahostIsraels Bodenoffensive im Gazastreifen wächst

Der israelische Verteidigungsminister erklärt, „große Gebiete“ in Gaza erobern zu wollen. Die Gegenden, in die die Menschen noch fliehen können, schrumpfen.

Inmitten der Zerstörung: Palästinenser im Gazastreifen am 2. April 2025 Foto: Abed Rahim Khatib/dpa

Jerusalem/Berlin taz | Israel weitet seine Bodenoffensive im Gazastreifen deutlich aus: Am Mittwoch verlegte das israelische Militär eine weitere Division in den Süden Gazas. Dass sich diese auf einen Bodeneinsatz in Gaza vorbereite, hatte das Militär bereits vor etwa einem Monat angekündigt. Eine Division kann aus 10.000 bis 15.000 Soldaten bestehen, in der Regel sind ein Drittel davon Kämpfer.

Dem Ausbau der Bodenoffensive ging die umfassendste Evakuierungsanordnung seit dem Ende der temporären Waffenruhe Mitte März voraus. Darin hatte die israelische Armee am Dienstag weite Teile im Süden des Gebietes zu Kampfgebieten erklärt. Auch im Norden wurden jüngst weitere Gebiete zur Evakuierung aufgerufen.

Von den insgesamt mindestens zehn Aufrufen zur Flucht in den letzten zwei Wochen seit dem Ende der Waffenruhe sind bereits große Teile des Gaza­streifens betroffen. Eine dauerhafte Rückkehr in die betroffenen Gebiete sei aufgrund der Zerstörung kaum möglich, berichtet eine Quelle aus Gaza, auch wenn einige nochmal zurückkämen, um Hab und Gut einzusammeln. Die Zonen, in die die Menschen flüchten sollen, werden also immer kleiner und voller.

Auch die Luftangriffe halten an: In der Nacht auf Mittwoch und am Tag selbst flog das Militär mehrere Luftangriffe, dabei starben mindestens zwanzig Menschen, darunter eine schwangere Frau, wie Nachrichtenagenturen unter Berufung auf medizinische Kreise berichteten.

Leben und Tod sind für uns eines geworden

Ihab Suliman, Universitäts­professor aus Nordgaza

„Druck auf die Hamas erhöhen“

Die Offensive und die Aufforderungen zur Evakuierung haben eine neue Massenflucht aus den betroffenen Gebieten ausgelöst. Die Bevölkerung ist erschöpft: „Leben und Tod ist für uns eines geworden“, sagte der ehemalige Universitätsprofessor Ihab Suliman der Nachrichtenagentur AP bei seiner Flucht aus dem ebenfalls zur Kampfzone erklärten Dschabalija im Norden Gazas.

Ziel der Offensive sei laut Verteidigungsminister Israel Katz unter anderem die „Eroberung großer Gebiete, die zu den Pufferzonen Israels hinzugefügt werden“ sollen. Die Ausweitung der Operation solle außerdem den „Druck auf die Hamas erhöhen, die Geiseln freizulassen“, so Katz.

Das Vorgehen stößt jedoch bei humanitären Organisationen auf heftige Kritik. Auch bei den Familien der Geiseln in Israel sorgt die Offensive für Entsetzen: „Haben Sie entschieden, Geiseln für die Einnahme von Land zu opfern?“, heißt es in einem Schreiben des Forums der Geiselangehörigen.

Statt die Entführten durch ein Abkommen und ein Ende des Krieges zurückzuholen, sende die Regierung „mehr Soldaten nach Gaza, um an denselben Orten zu kämpfen, an denen sie schon mehrfach gekämpft haben“, erklärt die Gruppe.

Bäckereien bleiben geschlossen, weil kein Mehl mehr da ist

Anfang März hatte Israel den Küstenstreifen völlig abgeriegelt. Laut Hilfsorganisationen neigen sich nun die Nahrungsvorräte der mehr als zwei Millionen Bewohner dem Ende zu. Das Welternährungsprogramm (WFP) wies ungewohnt deutlich Angaben der israelischen COGAT-Behörde, es gebe in Gaza noch ausreichend Lebensmittel, als „lächerlich“ zurück. „Wir sind am Ende unserer Vorräte angelangt, die über den humanitären Weg geliefert wurden.“ So blieben nun die Bäckereien im Gazastreifen geschlossen, weil es kein bezahlbares Mehl mehr gibt. Das WFP erklärte: Man schließe Bäckereien „nicht zum Spaß“.

Am Dienstagabend landete derweil ein Flugzeug mit ­neunzehn deutschen Staatsbürgern und engen Angehörigen aus Gaza in Leipzig – Israel bezeichnete diese als „freiwillige Ausreisen“. Die Organisation Medico erklärte: In Anbetracht der Umstände sei es „zynisch, von Freiwilligkeit zu sprechen“. Eine Ausreise ist, wenn überhaupt, nur über ein langwieriges Verfahren möglich.

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30 Kommentare

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  • In den letzten anderthalb Jahren wurde der Gazastreifen großflächig zerstört; mindestens 50.000 Menschen starben. Aber weder wurde dadurch die Hamas beseitigt noch kamen die Geiseln frei. Militärische Maßnahmen, zumal solche, die die Zivilbevölkerung treffen, sind nur legitim, wenn sie verhältnismäßig und erfolgversprechend sind. Das ist hier nicht der Fall. Das Ziel ist auch offensichtlich ein anderes, und das wird von israelischen Politikern und westlichen Unterstützern kaum kaschiert: Das Leben im Gazastreifen soll den Bewohnern so schwer gemacht werden, daß sie froh sind, wenn sie das Land verlassen dürfen.

  • Nennen Sie es, wie sie wollen, das Ziel ist die Vertreibung.

    • @Deutschfranzose:

      Vielleicht wäre es jetzt Zeit für die faschistische Hamas aufzugeben?

  • "Israels Bodenoffensive im Gazastreifen wächst"



    Ohne jetzt auf den Inhalt einzugehen, aber eine Offensive, die wächst? Bei diesem Sprachbild kräuseln sich mir die Fußnägel. Ist das irgendwoher regional?

  • Menschen können nach Deutschland oder Ägypten fliehen, die Hamas Regierung in Gaza ist übrigens in der Lage sichere Gebiete zu erzeugen, dafür muss es nur erklären, dass ein Gebiet nicht militärisch genutzt wird, dies Israel mitteilen, Israel die Inspektion des Gebiets ermöglichen und auf Operationen darin verzichten.

    Das hat Hamas bisher noch kein einziges Mal getan. Warum? Weil es Hamas Strategie ist zivile Opfer zu erzeugen und menschliche Schutzschilde zu nutzen.

    Täte sie dies wären die flüchtenden Personen in Gaza sicher.

    Die Alternative, welche seit über einem Jahr auf dem Tisch liegt ist, die Geiseln sofort freizulassen, sich zu entwaffnen (Good Friday), und die Führung kann sogar ins Exil.

    Hamas tut dies nicht. Was größeren Raum erhalten hat waren übrigens auch Proteste gegen die Hamas (taz berichtet), diese wurden durch Entführung, Folter und Mord (Odai) innerhalb von Tagen durch Hamas gestoppt. Tausende zu hunderte Menschen zu keine Proteste.

    Dafür mussten sie nur an 6 Menschen öffentlich Exempel statuieren.

    Also ist mit anderen Worten Hamas Gebiet nicht sicher.

    • @AlHozo Hoto:

      'Menschen können nach Deutschland oder Ägypten fliehen...'

      Mal abgesehen davon, dass das wohl nicht so einfach ist, sind die relevanten Grenzübergange doch geschlossen, frage ich mich: was wäre denn, wenn Menschen gar nicht fliehen wollen? Irgendwie klingt das nach Trump-Sprech und sehr wolkig mit Aussicht auf Riviera....

      • @EffeJoSiebenZwo:

        Meine Familie hat mehrfach Flucht Erfahrungen, daher ist es für mich unverständlich, dass nicht die Betroffenen selbst entscheiden dürfen ob sie fliehen, sondern eine Community ihnen erzählt, dass sie dies nicht dürfen. Flucht und damit Asyl ist ein Menschenrecht.

    • @AlHozo Hoto:

      "Dafür mussten sie nur an 6 Menschen öffentlich Exempel statuieren."

      Und dagegen gibt es keine Lichterketten, Demonstrationen, Unibesetzungen, Podiumsdiskussionen, Brandbriefe o.ä.

  • Okt. 2023 IRCS: Die Aufforderung der israelischen Behörden an die Zivilbevölkerung von Gaza-Stadt, ihre Häuser sofort zu verlassen, ist in Verbindung mit der vollständigen Belagerung, bei der den Menschen ausdrücklich Nahrung, Wasser und Strom verweigert werden, nicht mit dem humanitären Völkerrecht vereinbar. Wenn Militärmächte die Zivilbevölkerung anweisen, ihre Häuser zu verlassen, müssen alle nur erdenklichen Maßnahmen ergriffen werden, um sicherzustellen, dass die Bevölkerung Zugang zu den Grundbedürfnissen wie Nahrung und Wasser hat und dass die Mitglieder einer Familie nicht getrennt werden.“ Das trifft heute immer noch zu und wo ist das nicht: eine vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für die Gruppe, die geeignet sind, ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen? Und das die Weltgemeinschaft wieder nur zusieht, Dtl. Inklusive ist einfach nur abscheulich. Die Völkermord- Konventionen dienten auch der Prävention. Etliche israelische Regierungsmitglieder posaunen seit Monaten ihre Pläne hinaus und seit Trumps Plänen sagen es noch mehr offen, man gründete sogar gleich ein Büro für „freiwillige“ Ausreise. Aber man stellt sich lieber blind und taub!

  • "Dass sich diese auf einen Bodeneinsatz in Gaza vorbereite, hatte das Militär bereits vor etwa einem Monat angekündigt."



    Ich nehme an,als Nicht-Militärfachfrau,dass sich dadurch die Zahl der zivilen Opfer reduzieren lässt und hoffe darauf,dass auch die israelische Kriegspartei nicht zu viele Opfer zu beklagen haben wird.

    "„Leben und Tod ist für uns eines geworden“,sagte der ehemalige Universitätsprofessor Ihab Suliman .."

    Als ich diesen Satz las,habe ich begonnen darüber nachzudenken,ob das bei jüdischen/israelischen Menschen nicht seit Beginn ihrer Existenz so war und bis heute auch immer noch ist.

    "Ziel der Offensive sei laut Verteidigungsminister Israel Katz unter anderem die „Eroberung großer Gebiete,die zu den Pufferzonen Israels hinzugefügt werden“ sollen."



    So bedauerlich dies für die gazanische Bevölkerung ist/sein kann,befürworte ich es,sofern keine besseren,technischen Grenzüberwachungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

    "„Haben Sie entschieden,Geiseln ..."



    Es laufen parallel Verhandlungen zu Geiselfreilassungen,aber den Druck auf die gazanische Regierung und ihre Kämpfer zu erhöhen finde ich richtig. Die u.a. UN sollte sich dem anschließen.

    • @*Sabine*:

      Es will nicht in Ihren Kopf, hmmm? Eine "Pufferzone" ist Vertreibung!

      • @Deutschfranzose:

        Eine größere Pufferzone wäre ohne den 07.10.23 nicht notwendig. Davon abgesehen würde ich es auch vorziehen, wenn es ohne Pufferzone geht und stattdessen auf HighTech-Überwachung gesetzt wird. Ich hoffe darauf, dass es bessere Möglichkeiten als die klassische Pufferzonen-Lösung gibt.

        Ob Pufferzonen im allgemeinen Sprachgebrauch dem Begriff Vertreibung entsprechen, kann ich nicht beurteilen; für mich klingt Pufferzone eher nach Neutralität und notwendiger ("gesunder"?) Distanz.

        • @*Sabine*:

          Israel neigt dazu, sein Staatsgebiet recht eigenmächtig zu definieren, so auch im Moment auf den völkerrechtlich zu Syrien gehörenden, von Israel 1981 annektierten Golanhöhen, wo verstärkt der jüdische Siedlungsbau gefördert werden soll um Tatsachen zu schaffen. Es bombardiert willkürlich Gebiete in Syrien. Netanjahu und seine Regierung aus Rechtsradikalen folgt ihrer eigenen expansiven Agenda. Mit dem 7. Oktober hat das nichts zu tun, der dient nur zur Rechtfertigung.

          • @Klabauta:

            Ich verstehe Sie und auch,dass man das so sehen kann.Was die Golanhöhen angeht,denke ich,sie sind so wichtig,weil Israel von dort aus"vernichtet (?)" werden kann und die Golanhöhen ebenso Zugriff auf die wichtigste Wasserquelle Israels ermöglichen.Hätte Israel "normale" Nachbarn,wären die Golanhöhen vermutlich nicht besetzt und es würde rechtsgültige Verträge,an die sich alle Anrainer halten,geben.Die dortige Region ist in der Hinsicht aber schon "speziell" und Juden-Israel-Hass,meiner Meinung nach,weit verbreitet;zumal sich auch der Iran dort engagiert.

            "Es bombardiert willkürlich Gebiete in Syrien."



            Ich ging bisher davon aus,dass Kampfmittelfabriken u.ä. aus der Assad-Zeit vernichtet werden,wobei die neue syrische Regierung (wenn auch nicht explizit Israel) um Mithilfe ersucht hat.



            So lange wir nicht wissen,wer mittelfristig die Macht in Syrien erhalten wird,ist es vielleicht auch für die syrischen BürgerInnen und andere Länder in der Region nicht schlecht,wenn diese Vorräte erst einmal vernichtet werden.



            Und ja,ich weiß,dass Israel nach den von anderen begonnenen Kriegen sein Staatsgebiet erweitert hat,was völk.rechtl. nicht erlaubt ist,denke jedoch,Krieg muss weh tun, sons

            • @*Sabine*:

              Das Bombardieren von Chemiewaffenfabriken kann unabsehbare Folgen haben für die Menschen, die dort leben. So war die Bitte um Hilfe -so es sie denn wirklich gab - ganz sicher nicht gemeint.

              Kampfmittel muss man anders entsorgen als auf diese Weise, aber das ahnen Sie vielleicht selbst, wenn Sie ein bisschen darüber nachdenken.

              „ die Golanhöhen ebenso Zugriff auf die wichtigste Wasserquelle Israels ermöglichen“

              Der Golan gehört eben nicht zu Israel. Und Land zu annektieren, weil man das Wasser braucht -



              Da kann ich Sie nur fragen, wie Sie Putins Annexion des Donbass und der Krim beurteilen oder die Idee Trumps, Grönland zu besetzen, weil „die USA es brauchen“

              • @Klabauta:

                "Da kann ich Sie nur fragen, wie Sie Putins Annexion des Donbass und der Krim beurteilen oder die Idee Trumps, Grönland zu besetzen, weil „die USA es brauchen“"

                Aus meiner Sicht bestehen die Unterschiede meiner Meinung nach darin, dass etwas despektierlich ausgedrückt, "kein Mensch Grönland braucht", auch nicht die USA und die USA auch nicht von Grönland aus angegriffen wurden. Ebenso denke ich, dass Russland den Donbass nicht unbedingt braucht und von dort aus nicht angegriffen wurde. In Hinsicht auf Israel sehe ich die o.g., meiner Meinung nach verständlichen, Beweggründe.

                Ich wiederhole nochmal, völkerrechtlich haben Sie sicherlich recht und vielleicht auch moralisch; ich bin aber überzeugt davon, sobald Israel die Golanhöhen freigibt, werden sich dort alle Israelkritiker und Pro-Palästinenser incl. Iran treffen, um Israel anzugreifen und ggf. zu vernichten. Für mich stellt sich in dem Fall dann durchaus die Frage, ist "man" bereit um der moralischen Überlegenheit willen, seine Existenz/sein Leben aufs Spiel zu setzen?

    • @*Sabine*:

      Über 1000 Tote davon über 300 Kinder plus über 600 verletzte Kinder, seit dem Ende des Waffenstillstands klingt für sie nach einer Reduzierung von zivilen Opfern? Das eine vollständige völkerrechtswidrige Blockade von Hilfslieferungen stattfindet und wie hier auch geschrieben wird, fast alle Reserven aufgebraucht sind, das gilt auch für die medizinische Versorgung klingt nach Reduzierung ziviler Opfer? Wer ist davon als erstes betroffen? Kinder und alte Menschen, schwangere Frauen und Menschen mit chronischen Erkrankungen! "Infectious diseases including acute watery diarrhoea and respiratory infections - now the leading causes of death – are also surging, with 46,000 cases, mostly children, being reported each week." Oxfam Report vor der Blockade. Wie wird es wohl jetzt aussehen mit einer Blockade und ohne medizinische Hilfsgüter?



      Die Einrichtung einer Pufferzone in Gaza völkerrechtswidrig. Israel kann gerne eine auf ihrem eigenen Staatsgebiet errichten. Siehe dazu: "Security Council resolution 2735 (2024) rejects any attempt at demographic or territorial change in the Gaza Strip, including any actions that reduce the territory of Gaza."



      news.un.org/en/story/2025/04/1161816

      • @Momo Bar:

        "Über 1000 Tote davon über 300 Kinder plus über 600 verletzte Kinder,seit dem Ende des Waffenstillstands klingt für sie nach einer Reduzierung von zivilen Opfern?"



        Ich weiß nicht,ob diese Zahlen stimmen,meine jedoch gelesen zu haben,dass Bodentruppen "üblicherweise" zu weniger zivilen Kriegstoten führen als Bombardements und Raketen.Waren unter den 1.000 bedauerlicherweise !!! getöteten Menschen auch Mitglieder der gazanischen Kampfeinheiten?Auch die Mitglieder der gazanischen Kampfeinheiten würde ich lieber vor Gericht oder in einem Krankenhaus als getötet sehen.



        Dass die gazanische Regierung und ihre Kämpfer nicht die verletzlichsten Menschen in ihre Schutztunnel lassen,ist nicht der gegnerischen Kriegspartei anzulasten.

        "Wer ist davon als erstes betroffen?Kinder und alte Menschen,schwangere Frauen und Menschen mit chronischen Erkrankungen!"



        S.o..Die gazanische Regierung hätte vor Kriegsbeginn entsprechende Vorräte für die Zivilbevölkerung anlegen müssen oder vielleicht doch auf den Krieg verzichten.Das ist Vergangenheit und nicht mehr zu ändern.Zu ändern ist aber immer noch,dass Gaza kapituliert,die Waffen niederlegt und die Geiseln,bedingungslos freilässt.KeinZeichen mehr

        • @*Sabine*:

          Tut mir leid aber genau dieses Kleinreden, Entschuldigen, Relativieren von massiven Völkerrechtsbrüchen und Menschenrechtsverletzungen, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit wenn sie von einer bestimmten Seite in diesem Konflikt begangen werden, sind das Problem. Das macht auch die deutsche Regierung seit Jahrzehnten. Was man damit bewirkt, ist das man:



          a) die Extremisten auf der israelischen Seite gestärkt hat, weil sie von der internationalen Gemeinschaft nie Konsequenzen für ihr Verhalten bekommen haben. Trotz völkerrechtswidriger Annexion, Besatzung, Besiedlung, Menschenrechtsverletzungen gab es 0 Konsequenzen wie man sie für zahlreiche andere Staaten getroffen hat.



          b) man hat die Extremisten auf der palästinensischen Seite gestärkt, weil die argumentieren konnten, das die UN nichts macht, Recht nicht durchsetzt, also müssen wir dafür sorgen mit Gewalt. Die Siedlergewalt ist auch nicht erst seit diesem Krieg da. Jeder der einmal im Westjordanland war, wird ihnen sagen wie brutal die Besatzung ist. Bei mir ist es 20 Jahre her, aber da war es schon schlimm. Universelle Menschenrechte heißt für alle gleich und nicht deren Verletzung bei einigen zu entschuldigen.

          • @Momo Bar:

            Was Ihren Punkt b) betrifft: Könnte man jetzt auch von "Relativieren" und "Entschuldigen" sprechen... Die "Extremisten" von PLO oder Hamas haben auch eine eigene Agenda, die nicht nur auf Handlungen Israels reagiert. Und vice versa.

            • @Kai Ayadi:

              Natürlich haben die das, trotzdem macht es die Rekrutierung von Nachwuchs wesentlich einfacher, das die Weltgemeinschaft Völkerrecht nicht umsetzt und die Brutalität der Besatzung ausblendet, die nun einmal einhergeht mit Menschenrechtsverletzungen. Wieviele habe dort erlebt, das ihr Familie vertrieben wurde, ihr Vieh getötet, ihr Haus zerstört, Olivenbäume und Farmen zerstört, Familienmitgliedern Gewalt angetan wurde, sie ohne Anklage und Verfahren inhaftiert wurden. Hinzu kommen unzählige tägliche Kontrollen, Blockierung von Straßen und Rettungsdiensten, Einschränkung der Bewegungsfreiheit ohne Ende. Mehrere Untersuchungen von israelischen Menschenrechtsorganisationen zeigten das es nur in Max. 3% der Fälle von isr, Gewalt gegenüber Palästinensern überhaupt zu Verurteilungen kommt und die Strafen sind teilweise absurd gering. Das meiste wird nicht mal untersucht. Es war schon vor 20 Jahren so, das viele Straftaten gar nicht mehr angezeigt haben entweder aus Angst vor Repressalien oder weil sie wussten das es nichts bringt. Ich wünschte nur jeder der die Besatzung klein redet oder entschuldigt, wäre tatsächlich mal dagewesen und hätte das für eine Woche gelebt!

  • Da die Weltgemeinschaft seit eineinhalb Jahren emotionslos dem Genozid zuschaut, wird das wohl auch so bleiben, bis er abgeschlossen ist. Und wir liefern noch Waffen, damit es schneller geht.

    Und palästinensische Flüchtlinge haben es in Deutschland auch noch besonders schwer - als ob Flüchtlinge in Deutschland nicht ohnehin schon schlechter als Verbrecher behandelt würden. Denn da Deutschland Palästina nicht als Staat anerkennt, haben sie den Status "staatenlos", was es bürokratisch noch schwerer macht.

    Wann haben wir uns als Gesellschaft eigentlich von Menschenrechten so völlig verabschiedet? Was ist aus uns geworden? In den 60ern/70ern sind die Menschen in Scharen auf die Straße gegangen wegen der Kriegsverbrechen der USA an der Bevölkerung in Vietnam z.B. Was ist nur los? Ich bin ehrlich fassungslos.

    • @Jalella:

      Reiseausweise für Staatenlose:



      Staatenlose können einen Reiseausweis für Ausländer oder Staatenlose („Grauer Pass“) bekommen.



      Mit diesem Pass können sie grundsätzlich ins Ausland reisen, für die meisten Länder brauchen sie allerdings ein Visum.



      Nicht alle Länder erkennen diesen Ausweis an.



      In Deutschland bekommen Asylberechtigte oder Flüchtlinge einen "Reiseausweis für Flüchtlinge" (Blauer Pass)

      Ca. 100k Menschen in Deutschland sind Staatenlose, nicht selten in Deutschland geborene. Siehe Anfrage der Linken.

    • @Jalella:

      Ich stimme vollumfänglich mit ihnen überein. Vorgestern wurde ein weiteres Massengrab in Gaza entdeckt in dem Ersthelfer und Sanitäter mit Einschüssen in Genick, Kopf und Brustbereich verscharrt wurden. Alles deutet auf ein weiteres Kriegsverbrechen des IDF hin. Fast nichts dazu in den deutschen Medien und der deutschen Außenpolitik. Es ist unfassbar und eine absolute Schande. Auch in der Taz dazu, lediglich eine Meldung "unter-ferner-liefen". Man sollte sich auch in der Taz-Redaktion einmal die Frage stellen, ob man seiner Informationspflicht noch gerecht wird, wenn beim Berichten über die Ausweitung der israelischen Militäroperationen in Gaza solche, höchst belangvollen Informationen mit soviel Zurückhaltung bedacht werden.

    • @Jalella:

      Ich bezweifle, dass der Status als Staatenlose etwas mit der Nicht-Anerkennung des Staats Palästina zu tun hat. Staatenlos wurden Palöstinenser, weil das britische Mandat 1948 endete und kein Nachfolgestaat entstand.

      • @Francesco:

        Üblicherweise nannten sich damals noch die späteren Isrselis "Palästinenser", wohingegen viele Araber diesen Begriff für sich ablehnten. Eine wie auch immer geartete "nationale" Identität war seinerzeit noch nicht besonders ausgeprägt, weshalb der Kampf gegen Israel auch Vorrang hatte vor einer Staatsgründung.

        "Palästinenser" wurde erst in den 60er Jahren als Eigenbezeichnung üblich und noch in den 70er Jahren von führenden PLO Funktionären lediglich als politischer Kampfbegriff bezeichnet.

    • @Jalella:

      Gerade weil die Welt am 7. Oktober weitgehend emotionslos zugeschaut hat so wie die 75 Jahre zuvor, stattdessen sich zu Freudenfeiern in den Metropolen zusammen fand, und niemand auch nur einen Finger krumm machen würde, um den Genozid an Israelis zu verhindern, müssen die selbst dafür sorgen, dass das nicht passiert.

      • @BrendanB:

        Danke.

        "... müssen die selbst dafür sorgen, dass das nicht passiert."

        Und das gelingt hoffentlich noch gut und so lange, bis Juden-Israel-Hass aus unserer Welt verschwunden ist. Es ist bitter, dass es nach ca. 2.000 Jahren, wie wir spätestens am 07.10.23 und danach erlebt haben, noch nicht so ist.

  • Auch bei den Familien der Geiseln in Israel sorgt die Offensive für Entsetzen: „Haben Sie entschieden, Geiseln für die Einnahme von Land zu opfern?“, heißt es in einem Schreiben des Forums der Geiselangehörigen."



    Ich meine, klares Ja. Schauerlich.

  • Bildunterschrift:



    "Inmitten der Zerstörung: Palästinenser im Gazastreifen am 2. April 2025"



    Wieder ein herausragendes "taz-Bild" mit Symbolcharakter:



    Il n'y a rien à ajouter à ça