Krieg in Nahost : Israels härteste Prüfung
Israel ist in einer gefährlichen Lage – auch durch Trumps Gaza-Pläne. Jetzt braucht es verantwortungsvolle Führung und Solidarität mit den Geiseln.
Foto: Ariel Schalit/AP/dpa
U S-Präsident Donald Trumps Plan, die Palästinenser aus dem Gazastreifen zu vertreiben, hat eine sehr gefährliche Situation für Israel geschaffen. Zum ersten Mal seit dem Unabhängigkeitskrieg stellen sich alle arabischen Staaten hinter die Palästinenser und gegen die USA und Israel. In den arabischen Gesellschaften herrscht Empörung über die Kriegsverbrechen Israels. Die arabischen Führungen lehnen geschlossen Trumps Pläne für den Gazastreifen ab.
ist Politologe an der Ben-Gurion-Universität in Beer-Scheva. Er befasst sich mit der zionistischen Arbeiterbewegung und dem israelisch-palästinensischen Konflikt. Er ist Direktor des Humphrey Institute for Social Research.
Die Folge ist eine offene Konfrontation, die zu einem Kompromiss führen muss – hoffentlich früher als später und bevor zu viel Blut vergossen wird. Der Zionismus hat sich immer auf die Unterstützung des westlichen Imperialismus und seine eigene Militärmacht verlassen. Aber die zionistische Bewegung war sich auch stets der Grenzen seiner Macht bewusst. Nach 15 Monaten Krieg ist Israel geschwächt, der westliche Imperialismus ist mit Trump an seinem Tiefpunkt und Israels Feindseligkeit gegenüber den Palästinensern hat ihren Höhepunkt erreicht.
Das politische System Israels ist unfähig, die eigenen Grenzen zu erkennen und den messianischen, nach Blut dürstenden Eiferern Einhalt zu gebieten. Dies ist unsere härteste Prüfung seit der Ermordung des früheren Regierungschefs Jitzchak Rabin. Die Armee ist gespalten und den Vereinigten Staaten mangelt es an einer verantwortungsvollen Führung. Wir müssen mit aller Stärke an der Solidarität mit den Entführten im Gazastreifen und ihren Familien festhalten. Es gibt keine größere moralische Kraft, um den Krieg zu beenden.
Auch die Palästinenser befinden sich in einer schwierigen Lage. Hundert Jahre lang haben sie allein gegen ihre Vertreibung gekämpft, aber nun scheinen die arabischen Führungen auf ihrer Seite zu stehen. Wie wir brauchen die Palästinenser eine verantwortungsvolle Führung. Ein Tausch der Entführten gegen palästinensische Häftlinge könnte für beide Seiten eine Befreiung von unseren extremistischen, eifernden Eliten und das Ende des Krieges bedeuten.
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