Krawalle in Nordirland: Mob zündet Häuser von Migranten an
Nach der brutalen Messerattacke eines sudanesischen Asylbewerbers in Belfast kommt es zu weiteren Ausschreitungen. Mehrere Häuser wurden niedergebrannt.
Foto: Peter Morrison/ap/dpa
Die Krawalle in Nordirland gehen weiter. Auch in der zweiten Nacht nach der brutalen Messerattacke eines sudanesischen Asylbewerbers gegen einen Schotten in Belfast kam es in der nordirischen Hauptstadt und in anderen nordirischen Städten zu rassistischen Ausschreitungen. Auch in Dublin, Glasgow, Edinburgh und London fanden Demonstrationen gegen die Asylpolitik der Regierungen statt.
Das Opfer, ein Mann in den Vierzigern, verlor sein linkes Auge und erlitt tiefe Schnittwunden an Kopf, Gesicht und Rücken. Seine Familie erklärte, dass sie mit der Randale nicht einverstanden sei: „Wir haben viele Migranten, die einen äußerst wertvollen Beitrag für unser Land leisten, unter anderem in unserem Gesundheitssystem und im Gastgewerbe, und wir sind auf sie angewiesen, damit unser Land funktioniert.“
Das sehen die rassistischen Gruppen freilich anders. Elon Musk und andere rechtsextreme Aufwiegler versuchten, die Tat für ihre Zwecke auszunutzen. Musk schrieb auf seiner X-Plattform: „Nur wenn wir wiederholt und laut protestieren, wird sich etwas ändern!!“ Er hatte einen Beitrag des rechtsextremen Aktivisten Tommy Robinson geteilt, in dem Dutzende Orte aufgeführt waren, an denen protestiert werden sollte.
Eine Krankenschwester mit einer „anderen Hautfarbe“, wie es ein Beobachter beschrieb, wurde von vier maskierten Männern bis ins Ulster Hospital in Belfast verfolgt. Zwei ugandische Pflegekräfte mussten von einem Pfarrer gerettet werden, der die Meute überredete, die Frauen gehen zu lassen. Ein Randalierer zündete sich selbst an, als er in Portadown versuchte, einen Molotowcocktail zu werfen. 27 Migranten, darunter ein zwei Monate altes Baby, sind obdachlos geworden, weil ihre Häuser angezündet wurden und niederbrannten.
Offene Grenze ist ein Dorn im Auge
Bei den Krawallen, die sich ausschließlich in protestantisch-unionistischen Gegenden abspielen, mischen auch die paramilitärischen loyalistischen Verbände Ulster Defence Association (UDA) und Ulster Volunteer Force (UVF) mit, weil sie sich davon erhoffen, dass die Grenze zwischen beiden Teilen Irlands geschlossen wird. Der sudanesische Attentäter war 2023 von Paris nach Dublin geflogen und dann mit dem Bus weiter nach Belfast gereist, wo seinem Asylantrag stattgegeben wurde.
Der Democratic Unionist Party (DUP), die die stellvertretende Regierungschefin in Nordirland stellt, ist die offene Grenze ebenfalls ein Dorn im Auge. Parteichef Gavin Robinson schlug vor, die „durchlässige Grenze“ dicht zu machen. Der britische Nordirland-Minister Hilary Benn sagte, er habe die irische Justizministerin Helen McEntee angerufen, „um sie über die Geschehnisse zu informieren, angesichts dessen, was wir nun darüber wissen, wie der Verdächtige nach Nordirland gelangt ist“.
Das Abkommen über den Gemeinsamen Reiseverkehr (Common Travel Area) ist mehr als 100 Jahre alt, und die offene Grenze ist im Belfaster Abkommen vom Karfreitag 1998, das der Krisenprovinz relativen Frieden bescherte, bekräftigt worden. Sollte die Grenze geschlossen werden, müsste man sich wohl auf ein Wiederaufleben des Konflikts gefasst machen.
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