Rassistische Krawalle in Nordirland : Damals die Bürgerrechtler, heute die Migranten
Nach einem Messerangriff durch einen Sudanesen brennen Belfaster Unionisten Häuser von Migranten nieder. Die Mentalität dahinter ist die gleiche wie 1969.
D ie Bilder der rechten Krawalle aus der nordirischen Hauptstadt Belfast erinnern an den August 1969. Damals griff eine Meute von der protestantisch-unionistischen Shankill Road die katholisch-nationalistische Bombay Street an. Sämtliche 63 Häuser gingen in Flammen auf, die Bewohner mussten fliehen. Der Stadtrat ließ eine Mauer, die sogenannte „Friedenslinie“, zwischen den Vierteln errichten – eine halbe Meile lang, sechs Meter hoch und bestehend aus einer Million Ziegelsteinen.
Diejenigen, die in der Nacht zum Mittwoch in den unionistischen Vierteln randalierten und Häuser von Migranten niederbrannten, nachdem ein Sudanese einen Schotten mit einem Messer lebensgefährlich verletzt hatte, sind zu jung, um sich an 1969 zu erinnern. Aber es steckt die gleiche Mentalität dahinter. Die unionistischen Protestanten fühlen ihre britische Identität bedroht – damals durch die Bürgerrechtsbewegung, heute durch Migranten.
Das heißt freilich nicht, dass Katholiken weniger rassistisch sind. In der überwiegend katholischen Republik Irland haben Migranten auch nichts zu lachen. Aber Nordirlands Katholiken haben eben andere Erfahrungen gemacht. Mit Religion hatten die Konflikte in Nordirland nie etwas zu tun. Es ist das Erbe der britischen Kolonialpolitik. Die englische Krone beschlagnahmte im 16. und 17. Jahrhundert irischen Grundbesitz und siedelte Protestanten aus England und Schottland an, um die Insel zu kontrollieren.
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Das ist zwar lange her, aber es prägt noch heute die Denkweise bei manchen – und zwar nicht nur bei den Randalierern auf der Straße, sondern auch bei einigen unionistischen Politikern. Carla Lockhart von der nordirischen Democratic Unionist Party und Abgeordnete im Londoner Unterhaus sagte, die britische Regierung müsse gegen die illegale Einwanderung nach Nordirland vorgehen, sonst würden die Unruhen anhalten. Außerdem müsse die offene Landgrenze zwischen der Republik Irland und Nordirland geschlossen werden. Folgt man dieser Logik und macht die Grenze dicht, dreht man die Uhr um 60 Jahre zurück.
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