Kosten der Wehrpflicht: Löhne rauf – auch beim Bund
Volkswirtschaftlich gesehen ist eine Berufsarmee schlauer als die Wehrpflicht. Doch die Freiwilligen sollten endlich besser bezahlt werden.
A llmählich macht Donald Trump alle kirre. Mal will der US-Präsident den Gazastreifen übernehmen, dann ukrainische Atomkraftwerke. Die Nato mag er eher nicht, weswegen in Europa viele schlussfolgern: Die EU muss unabhängig von den USA werden, und das heißt konkret nachrüsten: mehr Waffen, mehr Soldaten, vielleicht auch Soldatinnen. Und so hat Deutschland die Debatte zurück, ob die Aussetzung der Wehrpflicht nicht doch ein Fehler war und rückgängig gemacht werden sollte.
Hier ist ein Einwurf des Münchner ifo-Instituts interessant: Die Wehrpflicht käme das Land gesamtwirtschaftlich teurer, als die Gehälter der Soldat*innen zu erhöhen. Bessere Bezahlung würde den Staat zwar mehr kosten, aber die volkswirtschaftlichen Kosten wären geringer, wenn Wehrpflichtige nicht dem Arbeitsmarkt entzogen werden. Außerdem hätten alle die höheren Personalkosten zu tragen, während bei der Wehrpflicht die Nicht-Wehrpflichtigen finanziell geschont werden. Bessere Bezahlung wäre also auch gesellschaftlich gerechter.
Damit bringt das Institut endlich etwas Realismus in die Debatte. Warum kommt die Freiwilligenwerbung bei der Bundeswehr nicht richtig vom Fleck? Warum verlassen denn viele Interessenten die Truppe wieder nach wenigen Monaten? Weil die Bundeswehr nicht attraktiv genug ist. Wer das ändern will, könnte es ja mal mit mehr Geld versuchen.
Soldatinnen und Soldaten müssen – wie alle anderen Beschäftigten auch – in Zeiten von hoher Inflation selbstverständlich besser bezahlt werden. Und zwar ganz unabhängig davon, was die einzelnen Aufträge der Bundeswehr sind, denn die hat die Politik zu verantworten. Und auch unabhängig davon, was Einzelne vom Soldatenhandwerk halten mögen (ja, in der ganz überwiegenden Zahl eine männliche Tätigkeit, was auch immer daraus jetzt zu folgern ist).
Solange der Staat laut Grundgesetz Streitkräfte zu Verteidigung aufstellt – übrigens nur dafür –, müssen diese natürlich auch ordentlich bezahlt werden. Das wäre passender, als der Versuchung nachzugeben, per Zwangsdienst vermeintlich billiges Personal zu mobilisieren.
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