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Konzertempfehlungen für BerlinKlänge wie Skulpturen

Am Wochenende gibt es draußen etwas zu lauschen – etwa, wenn ein avantgardistischer Sound durchs Dragoner-Areal weht. Auch der Kiezsalon lädt ins Freie.

E ine der wirklich bedeutsamen Biennalen, die der diesbezüglich zunehmend inflationäre Kunstbetrieb hervorgebracht hat, ist die Bienal de São Paulo. Die macht nun erstmals in Deutschland Station, im Haus der Kulturen der Welt. Eröffnet wird die Berlin-Edition „Nicht alle Reisenden folgen Wegen – Humanität als Praxis“ mit einem Konzert des grenzgängerischen Afro-Jazz-Musikers Ray Lema, bei freiem Eintritt.

Ray Lema wuchs im Kongo auf. Und auch nach Jahrzehnten im Exil blitzt bei ihm die charakteristische Phrasierung des kongolesischen Rumba immer wieder durch, neben vielem anderen, was er klanglich eingesammelt hat. Genregrenzen interessieren Lema wenig, seine Ideen übersetzt er in eine zugängliche musikalische Sprache. Zudem gibt es um 18.15 Uhr – noch vor den Eröffnungsreden – bei der musikalischen Performance „Attuned in the Bantutronic“ Einblicke in ein Genre, bei dem es nicht nur um Bantusprachen, sondern um die Gründungsnarrative Afrikas geht (11. September, 20.30 Uhr, HKW).

Zum letzten Mal nach draußen

Der Herbst kündigt sich an – und so heißt es erst einmal Abschied nehmen von Konzerten, bei denen man sich neben Klängen ein laues Lüftchen um den Kopf wehen lässt.

Der Kiezsalon lädt – nachdem die Reihe am Vorabend in der Moabiter Heiliggeistkirche gastierte – am Samstag (12. September) zum letzten Mal nach draußen, auf das Gelände des Museums Europäischer Kulturen in Dahlem. Dort tritt neben der kanadischen Violinistin Jessica Moss (sonst bei der elegisch-düsteren Postrock-Band Silver Mt. Zion) und der Klangkünstlerin C. Lavender die britische Underground-Legende Richard Young auf. Young ist musikalisch so vielseitig aufgestellt, dass es ganz sicher überraschend wird (12. September, 19 Uhr, MEK).

Ortsspezifische Performance

Auch das Splitter Orchester zieht es nach draußen. Das Avantgarde-Ensemble ist bekannt für ortsspezifische Performances. Diesmal geht es um das Kreuzberger Dragoner-Areal. Das blickt zurück auf eine wechselvolle Geschichte, schaffte es aber in jüngerer Vergangenheit immerhin vom Spekulationsobjekt zum Modellprojekt. Erst vergangenen Juni wurde, nach durchaus konfliktreicher Planungsphase, der Bebauungsplan beschlossen. Dass in dem Gelände „Musik steckt“, wird an diesem Sonntagnachmittag also im doppelten Sinne wahr (13. September, 16.30 Uhr, Dragoner-Areal, Dorfplatz).

Drones und hypnotisierende Percussion

Am Mittwoch gibt es ein bemerkenswertes Albumdebüt zu feiern – mit einer sicher nicht minder bemerkenswerten Performance: Anna Lucia Nissen alias Anyx ist ausgebildete Bildhauerin und versteht sich darauf, auch ihren Körper und ihre Stimme skulptural in Szenen zu setzen. Wie sie mit tiefer Stimme zwischen Orgel- und Klavier-Sounds, Elektronik und Field Recordings performt, eingebettet in Drones und hypnotisierende Percussion, hat etwas durchaus Ritualhaftes.

Ebenfalls zu Gast sind der Harfenspieler Andy Aquarius und Kristof Hahn, der seine Lap-Steel-Gitarre auch bei der experimentellen Rockband Swans spielt (16. September, 20 Uhr, Galiäakirche).

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