Konzertempfehlungen für Berlin: Töne gegen die Binarität
Das Trio Contagious bringt ein neues Album fürs Dazwischen heraus und im Radialsystem gibt es doppelt Grund, Geburtstag zu feiern
Foto: Cummi Flu
A nders als der Name suggeriert, kann man bei der am Freitag (4. September) in Lichtenberg stattfindenden Langen Nacht der Bilder nicht nur Kunst gucken, sondern auch Musik hören. So gibt es etwa in der Villa Kuriosum (aka Killa Furiosum) eine lang vermisste Gelegenheit, Cummi Flu zu lauschen. Hinter diesem Alias verbirgt sich das Analog-trifft-Elektronik-Projekt von Oliver Doerell, den man vor allem durch das Trio Dictaphone kennt.
Mit selbstgebauten Instrumenten, aber auch munterem Gummi-Geschnipse schafft er hypnotisch-krautige, psychedelische Klanglandschaften – diesmal mit dem Perkussionisten Joss Turnbull. Außerdem am Start: der hardest working Schlagzeuger Andi Haberl (von The Notwist; vergangene Woche spielte er etwa bei gleich drei Projekten mit, die beim Pop-Kultur-Festival zu erleben waren) zusammen mit Olga Reznichenko und Philipp Gropper. Die Einnahmen des Abends gehen an Menschen, die vom Krieg im Iran betroffen sind (4. 9., 20 Uhr, Scheffelstr. 21).
Noch mal umsonst und draußen den Sommer ausklingen lassen kann man am Sonntagnachmittag (6. September) auf der Freiluftbühne Weißensee, bei gleich mehreren Programmpunkten. Den Auftakt macht der Popkoro Chor, der sich auf türkische Popmusik der 1970er Jahre spezialisiert hat, für einen sicher fulminanten Abschluss ab 17.30 Uhr sorgen Onom Agemo & the Disco Jumpers mit ihrer überbordenden Mischung aus psychedelisch grundierten Jazz und schrägem Krautrock. (6. 9., ab 14 Uhr).
Foto: Sibylle Fendt
Am Mittwoch (9. September) gibt es dann den Record-Release des Trios Contagious, die elektronischer Musik ebenso wie avantgardistischen Experimenten zugeneigt sind. Andrea Neumann, Sabine Ercklentz and Mieko Suzuki zogen für ihr zweites Album „Being“ Inspiration aus der Natur, genauer gesagt von Arten, die binäre Vorstellungen von Geschlecht infrage stellen. Außerdem gibt es Klänge von Laure Boer, die Noise und Folk verbindet, und analogen Techno von Rabih Beaini, Betreiber des Labels Morphine Records (9. 9., 20 Uhr, Panke).
Happy Birthday, Radialsystem
Am Mittwoch beginnt auch die große Geburtstagssause des Radialsystems, mit Musik, Tanz, Workshops, Performances. Kaum zu glauben, dass diese „Ankerinstitution“ für die freie Szene 20 wird. Ebenfalls seinen 20. Geburtstag feiert das Andromeda Mega Express Orchestra, das verschiedenste musikalische Register zieht und dabei stets lässig klingt. Ihre Jubiläumstour beginnt am Freitag (11. 9., 20 Uhr) als Teil des Radialsystem-Geburtstags.
Den Auftakt dafür macht übrigens am Mittwoch (9. 9., 20 Uhr) Heiner Goebbels’ Neuinterpretation seines Stücks „Walden“, bei dem das Ensemble Klang auf die Streicher:innen des Solistenensemble Kaleidoskops trifft. Und wer findet, dass zu Musik unbedingt getanzt werden sollte, dem sei die Wiederaufführung der Performance „In C“ von Sasha Waltz ans Herz gelegt, bei der Terry Rileys gleichnamige Komposition unter anderem von Acid Pauli interpretiert wird. (12. 9., 20+21.30 Uhr).
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