Konflikt zwischen Regierung und Rebellen: Angriffsserie erschüttert Mali
Islamistische Rebellen setzen Malis Militär immer stärker unter Druck. Soldaten verlassen Militärbasen und überlassen ihre Waffen dem Feind.
Foto: ap
Von einem „schwarzen Juni“ sprechen manche Kommentatoren in Mali. Am 1. Juni überfielen Kämpfer der islamistischen Terrorgruppe JNIM (Gruppe für die Unterstützung des Islams und der Muslime), die seit vielen Jahren gegen die wechselnden Regierungen Malis kämpft, die Militärbasis Boulikessi im Zentrum des Landes nahe der Grenze zu Burkina Faso; bei blutigen Kämpfen mit der Armee gab es je nach Quelle 30 bis 100 Tote. Am 2. Juni stürmte JNIM Teile der berühmten Wüstenstadt Timbuktu im Norden des Landes.
Die islamistischen Angreifer beschossen den Flughafen, auf dem russische Kämpfer stationiert sind; sie griffen die Armeebasis am Stadtrand mit einem mit Sprengstoff gefüllten Lastwagen an, was bis zu 40 Soldaten das Leben gekostet haben soll, und verwickelten dann die Armee in Kämpfe „überall in der Stadt“, wie die Nachrichtenagentur AFP eine Militärquelle zitierte. Schließlich zogen sie sich zurück. Die Armee veröffentlichte Bilder, wie sie das Blut getöteter „Terroristen“ von den Straßen Timbuktus wäscht.
Noch während sich Timbuktu von den schwersten Kämpfen seit der mehrmonatigen Besetzung der Stadt durch islamistische Terrorgruppen im Jahr 2012 erholte, schlugen die Islamisten erneut zu. Am 4. Juni starben zwei Soldaten bei einem Anschlag auf eine malisch-russische Militäreinrichtung am Rand der Hauptstadt Bamako.
Am 5. Juni überfiel JNIM in der Region Sikasso ganz im Süden des Landes den Armeeposten Mahou an der Grenze zu Burkina Faso und tötete fünf Soldaten; die restlichen ergriffen die Flucht und überließen ihre Waffenbestände den Angreifern. Am gleichen Tag rückten die JNIM-Kämpfer erneut in Boulikessi ein, vier Tage nach dem ersten Angriff.
Regierung verhängte Ausgangssperren
Diesmal floh die Armee komplett und ließ auch da ihre Ausrüstung zurück. JNIM veröffentlichte Aufnahmen gefangengenommener Soldaten, darunter angeblich einer aus Iran. Malis Militärregierung verhängte Ausgangssperren über mehrere Landesteile und geißelte in einer Erklärung den „Wiederanstieg feiger und barbarischer Attacken auf Ortschaften, friedliche Bevölkerungen und militärische Einrichtungen“.
Wie immer, wenn Malis Armee in die Defensive gerät, nutzen bewaffnete Rebellen der Tuareg-Volksgruppe im Norden des Landes die Lage aus. Seit Ende vergangener Woche werden vermehrt Kämpfe zwischen dem russischen Afrika-Korps und der Tuareg-Rebellenarmee FLA (Azawad-Befreiungsfront) gemeldet.
Vor der Reihe von Attacken in Mali im Juni waren im Mai mehrere Städte in Burkina Faso spektakulär angegriffen worden. Es hat auch mehrere blutige Überfälle auf die Armee im Norden von Benin gegeben. Internationale Islamismusexperten konstatieren einen Aufschwung von Angriffen in der gesamten Sahel-Region. Die immer engere Zusammenarbeit der Militärregierungen der Region scheint auch die grenzüberschreitende Kooperation der bewaffneten Islamisten zu vereinfachen.
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