Kommentar Wahl in Niedersachsen : Debakel eines Abgehalfterten
In Niedersachsen ist das Kalkül der CDU nicht aufgegangen, die SPD im Abwärtsstrudel zu treffen. Althusmann dürfte in der Versenkung verschwinden.
Foto: dpa
D ie SPD hat mit Stephan Weil in Niedersachsen einen strahlenden Sieg eingefahren. Das ist erstaunlich, denn wenige Wochen nach der Bundestagswahl hätte vieles dafür gesprochen, dass die negative Dynamik des Schulz-Effekts die Genossen in Hannover mit in den Abgrund reißt.
Aber Landtagswahlen sind und bleiben nun mal Landtagswahlen, das wurde Weil selbst in den vergangenen Wochen nicht müde zu betonen. Und Weil ist ein auf seine hemdsärmelige Art im Wortsinn populärer Landesvater, einer der zum Volk geht, zuhört, mitmacht – und das nicht nur im Wahlkampf. Er hat das Land in den vergangenen Jahren ordentlich gemanagt und strahlt die Ruhe aus, die man im Norden schätzt.
Sicher, Vergabeaffäre hier, VW-Kuschelkurs dort – aber jeder im Land weiß, dass die vorherige schwarz-gelbe Regierung an diesen Punkten exakt genauso fragwürdig agiert hat wie zuletzt die SPD
Das Kalkül der CDU ist nicht aufgegangen: Indem sie den vorzeitigen Wahltermin erzwang, der maximal dicht am damals schon absehbaren SPD-Debakel bei der Bundestagswahl lag, wollte sie die SPD im Abwärtsstrudel treffen. Aber dazu braucht man eben auch eine überzeugende Alternative. Und das ist diese Niedersachsen-CDU einfach nicht.
Schon dass sie den abgehalfterten Bernd Althusmann aus Namibia holen musste, hat überdeutlich gemacht, dass es ihr nach David McAllisters Flucht nach Brüssel an präsentablem Spitzenpersonal fehlt. Althusmann musste Wahlkampf gegen seine eigene Schulreform machen und hatte in seinem Fachgebiet Bildung auch sonst eher irrlichterne Vorschläge zu bieten. Sein Pleiten-Pech-und-Pannen-Wahlkampf macht dieses schlechteste Ergebnis seit einem halben Jahrhundert endgültig zu seinem persönlichen Debakel.
In der CDU werden schon die Messer gewetzt. Von Althusmann wird nur in Erinnerung bleiben, wie man seinen Namen richtig ausspricht. Wenn er Glück hat.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert