Kommentar Trumps Pleite in Hanoi

Gipfel des Versagens

Das Treffen von Donald Trump und Kim Jong Un musste einfach scheitern, so schlecht war es vorbereitet. Alles andere sind Ausreden.

Donald Trump, Kim Jong Un und andere

Ein gemeinsames Essen am Donnerstag wurde abgesagt. Kim Jong Un und Donald Trump vor dem Gipfelhotel Foto: AP

In diesem einen Punkt mag Donald Trump ja Recht haben: Besser gar kein Deal als ein schlechter. Nur: Das Versagen hat schon vor dem Gipfel begonnen.

Dass das zweite Treffen des US-Präsidenten mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Vietnams Hauptstadt Hanoi vorzeitig abgebrochen werden musste, ist auf die miserable Vorbereitung von Trumps Stab auf den Gipfel zurückzuführen. Nicht ein Papier haben die beiden Staatschefs beim Gipfel unterzeichnet.

Vordergründig schiebt Trump das Scheitern darauf zurück, dass Kim mit dem Angebot, die umstrittene Atomanlage Yongbyon schließen zu wollen, nicht ausreicht. Trump war nicht bereit, dafür sämtliche Sanktionen fallen zu lassen, die gegen Nordkorea nach wie vor in Kraft sind. Das jedoch hatte Kim für jeden weiteren Schritt einer Annäherung zur Bedingung gemacht.

Dass sich Trump darauf nicht einlassen wollte, ist richtig. Die Befürchtung vorab war groß, Trump könnte Kims Charme erlegen und ihm allzu viele Zugeständnisse machen, ohne dass sich die atomare Bedrohung, die von Nordkorea ausgeht, substanziell verringert hat. Allzu oft schon hat sich Trump in seiner Entscheidungsfindung davon lenken lassen, ob er jemanden persönlich mag oder nicht. Und Trump scheint für den Diktator Sympathie zu hegen. Dieses Mal hat sich Trump von Kim offensichtlich nicht einlullen lassen.

Der Gipfel in Hanoi offenbart jedoch ein sehr viel größeres Problem: Außer großen Sprüchen hat Trump keinen Plan. Weder gibt es auf US-Seite eine Strategie, noch ein einheitliches Vorgehen. Die Behauptung seines Stabs, das erratische Verhalten Trumps sei Teil seiner Verhandlungsstrategie, hat sich in Hanoi einmal mehr als Farce entlarvt. Stattdessen schwafelt er unermüdlich davon, was für ein „großartiger Führer“ Kim doch sei und weckt auf diese Weise völlig falsche Hoffnungen. Seit ihrer ersten Begegnung vor acht Monaten in Singapur haben sich beide Seite nicht einmal darauf verständigen können, was sie mit „Denuklearisierung“ genau meinen.

Trumps planloses Vorgehen hat sich in Hanoi gerächt. Und die Gefahr einer atomaren Auseinandersetzung in einer der wichtigsten Wirtschaftsregionen der Welt ist nicht ein Stück geringer geworden.

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war von 2012 bis 2019 China-Korrespondent der taz in Peking. Nun arbeitet er wieder in Berlin und ist in der taz für Weltwirtschaft zuständig. 2011 ist sein erstes Buch erschienen: „Der Gewinner der Krise – was der Westen von China lernen kann“, 2014 sein zweites: "Macht und Moderne. Chinas großer Reformer Deng Xiao-ping. Eine Biographie" - beide erschienen im Rotbuch Verlag.

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