Kommentar Kurdisch-syrische Allianzen

Putin nutzt die Gunst der Stunde

Trump hat Syriens Kurden verraten. Diese kooperieren in ihrer Not mit Russland. Das verhindert zwar einen Krieg, erfordert aber bittere Zugeständnisse.

Soldaten stehen auf einem weiten Feld in der Dämmerung

Mal wieder allein auf weiter Flur: die Kurden, hier die Kämpfer der YPG Foto: ap

Noch bevor der angekündigte Rückzug der US-Soldaten aus Syrien überhaupt richtig begonnen hat, zeigen sich bereits die Folgen. Nicht die Türkei, sondern der russische Präsident Wladimir Putin nutzt die Gunst der Stunde, um das syrische Kriegsgebiet in seinem Sinne neu zu ordnen.

Der Schlüssel dazu sind die syrischen Kurden. Politisch dominiert werden die kurdischen Gebiete in Syrien von der DYP, einer säkularen, eigentlich linken Organisation, die sich in ihren politischen Vorstellungen eng an den Gründer der verbotenen und in der Türkei als terroristisch eingestuften kurdisch-türkischen PKK, Abdullah Öcalan, anlehnt.

Dennoch haben die DYP und ihr militärischer Flügel, die YPG, gegen die Bedrohung durch den sogenannten Islamischen Staat (IS) militärisch eng mit den USA kooperiert. Die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, das amerikanische Engagement in Syrien von Knall auf Fall zu beenden, haben viele Kurden als Verrat empfunden.

Schneller als von den meisten Beobachtern vermutet, haben die Kurden Konsequenzen gezogen. Sie setzen nicht mehr auf den Westen, sondern bieten Putin ihre Zusammenarbeit an, die dieser dankbar annimmt. Für russischen Schutz gegen einen türkischen Einmarsch in ihr Gebiet müssen sie die Rückkehr der Assad-Truppen akzeptieren, was wohl zu erheblichen Einbußen bei der kurdischen Selbstverwaltung führen wird.

Auch türkische Regierung dürfte nicht zufrieden sein

Zwar verhindert Putin damit einen türkisch-kurdischen Krieg in Nordsyrien, aber die Kurden werden im Gegenzug große Zugeständnisse machen müssen. Ihr Traum von einem autonomen Gebiet, wie es die Kurden im Nord­irak genießen, geschweige denn von einem eigenen kurdischen Staat dürfte für lange Zeit ausgeträumt sein.

Letztlich werden mit der Rückkehr der Assad-Diktatur aber weder die Kurden noch die türkische Regierung zufrieden sein. Wie schon das türkisch-irakische Grenzgebiet wird auch das türkisch-syrische Grenzgebiet so lange keinen Frieden finden, bis es nicht eine politische Lösung für die Kurden in der gesamten Region gibt.

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