Kommentar: Dora Heyenns Abgang: Nach links geht es bergab
Der Austritt von Dora Heyenn aus der Linkspartei ist konsequent, überfällig und Schuld beider Seiten.
taz | Dieser Schritt ist konsequent, er ist überfällig. Wer als politischer Beobachter seit einem Dreivierteljahr Zeuge der zunehmenden Sprachlosigkeit zwischen der Linksfraktion in der Bürgerschaft und ihrer langjährigen Spitzenfrau Dora Heyenn werden musste, konnte sich eine friedliche Lösung des Konflikts ohnehin nicht mehr vorstellen. Zu verhärtet waren die Fronten, und daran waren, wie so oft im Leben, beide Seiten nicht unschuldig.
Dora Heyenn, die ihre Fraktion wie eine strenge Klassenlehrerin zu führen beliebte, hätte sicher mit etwas mehr Pädagogik schwelende Konflikte entschärfen können. Sie aber gefiel sich in der Rolle der starken Frau, denn als Everybody‘s Darling sei man auch Everybody‘s Depp, pflegte sie zu sagen, und das sei ihre Rolle nicht. Zu Recht.
Diejenigen indes in der linken Fraktion, die gegen Heyenn ein linkes Ding durchzogen, benahmen sich alles andere als sozialistisch-solidarisch: Der Sturz von Heyenn war hinterhältig. Wer seiner eigenen Spitzenkandidatin nach einem erfolgreichen Wahlkampf eben diesen zum Vorwurf macht, handelt aus Eigennutz, nicht zum Wohle von Partei oder WählerInnen. Insofern ist Heyenns Erkenntnis, die Linke in Hamburg stünde nicht mehr für Ehrlichkeit und Solidarität, nachzuvollziehen.
Die Linke in Hamburg ist strategisch verwirrt und programmatisch verworren. Das wird nach Heyenns Austritt nicht besser, im Gegenteil. An dieser Person konnte und musste man sich politisch reiben – aber eben diese Art der Standortbestimmung entfällt nun. Dora Heyenn muss das nicht kümmern, bei der Linkspartei ist indes niemand in Sicht, der diese Lücke füllen könnte.
Nach links geht es bergab. Selbst schuld.
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