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Kliniken im KlimawandelEs krankt am Hitzeschutz

Die Kliniken sind auf Rekordtemperaturen nicht vorbereitet. Überall fehlt es an Klimaanlagen und Hitzeschutzkonzepten – und natürlich fehlt auch das Geld.

Die jüngste Hitzewelle im Juni, mit tagelangen Rekordtemperaturen von über 40 Grad und tausenden hitzebedingten Todesfällen, hat offenbar werden lassen: Gerade der Gesundheitssektor ist den Herausforderungen des Klimawandels nicht gewachsen. Viele Notaufnahmen und auch der Rettungsdienst waren extrem belastet. Krankenhäuser kämpften mit extrem aufgeheizten Behandlungsräumen und Stationen, weil Klimaanlagen eher die Ausnahme als der Standard sind.

Dass jetzt fast ausschließlich über flächendeckende Innenraumkühlung gesprochen werde, sei aber kurzsichtig und eine reine Krisenreaktion, sagt Andrea Narkoinz von Verein Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit. In jedem Fall, so Narkoinz, sei es kein schlüssiges Konzept – auch, weil eine derartige Klimatisierung nicht von heute auf morgen implementierbar wäre. „Das sind Investitionen, die Milliarden kosten werden und bis zur Umsetzung viele Jahre dauern.“ Gleichzeitig würden „Gesetze beschlossen, die die ambulante und stationäre Gesundheitsversorgung einschränken. Das ist auch kommunikativ schlecht: Natürlich versteht das kein Mensch.“

Joachim Odenbach, Pressesprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft, spricht von einem erheblichen baulichen Nachholbedarf. „Allein für den Klimaschutz wären 31 Milliarden Euro dringend erforderlich, der allgemeine Investitionsbedarf liegt insgesamt bei etwa 8 Milliarden Euro jährlich. Davon wird aktuell etwa die Hälfte abgedeckt. Das bedeutet, es gibt einen jährlichen Investitionsstau von 4 Milliarden Euro.“

Was die Zukunft anbelangt, ist Odenbach nicht sehr zuversichtlich. Zwar stehe Geld aus dem Transformationsfonds und dem Sondervermögen Klimaschutz zur Verfügung, „aber es ist in der aktuellen politischen Lage gar nicht klar, welche Krankenhäuser überhaupt überleben werden“. Die Unsicherheiten der im März beschlossenen umstrittenen Klinikreform, die einen Abbau von kleineren Häusern zum Kernziel hat, wirkten sich negativ auf die Investitionsbereitschaft aus.

Hitzeschutz spielte in den 80er Jahren keine Rolle

Dass es den erheblichen Investitionsbedarf gibt, liegt auch daran, dass über Jahrzehnte beim Entwurf neuer Häuser der Hitzeschutz überhaupt keine Rolle spielte. Die Bestandskrankenhäuser aus den 80er Jahren sind kaum hitzeresistent, und der Trend, ab den 90er Jahren mit großflächigen Verglasungen zu arbeiten, erweist sich jetzt als Hypothek. Obendrein steht ein erheblicher Teil der Gebäude unter Denkmalschutz, auch das eine Hürde.

Und all diese Herausforderungen treffen auf Kliniken, die ohnehin in einer wirtschaftlich schwierigen Lage sind: „Neben den fehlenden Investitionskosten haben wir ja auch große Kürzungen bei der Finanzierung der Betriebskosten“, sagt Odenbach – also jenen Kosten, die durch Behandlungen entstehen. Besonders dramatisch sei die Lage bei den kommunalen und freigemeinnützigen Häusern, die ein Drittel aller deutschen Kliniken ausmachen.

Allein in kommunalen Kliniken, also einem Drittel aller Krankenhäuser, habe sich in den vergangenen Jahren ein Defizit von 4 bis 5 Milliarden Euro angehäuft. „Wir haben insgesamt die heikle Situation, dass sich Bund und Länder die Verantwortung bei der Finanzierung hin- und herschieben“, sagt Odenbach.

Begrünung, Verschattung, Dämmung

Diese ganzen Unsicherheiten führen dazu, dass komplexe Investitionen wie Hitzeschutz häufiger unter den Tisch fielen. Denn: „Da geht es nicht allein um Klimatisierung, sondern auch um Begrünung, Verschattung und Dämmung zum Beispiel“, erklärt Odenbach. Und Klimawandelanpassung betreffe auch nicht allein die Krankenhäuser. Die seien vielmehr „das letzte Glied in der Kette. Gesundheitsschutz muss schon in der Stadtentwicklung beginnen, mindestens aber in den Pflegeheimen“.

Wir trennen Katastrophenschutz, Gesundheitsschutz und Stadtentwicklung, aber diese Bereiche gehören zusammen

Andrea Narkoinz, Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit

Das sieht auch Narkoinz so. „Das Problem ist: Wir denken noch zu oft in Silos. Wir trennen Katastrophenschutz, Gesundheitsschutz und Stadtentwicklung, aber diese Bereiche gehören zusammen.“

Hitzeschutzpläne allein könnten die Notlage nicht ausgleichen, denn sie seien vor allem für zwei Dinge da: um Krisen zu verzögern und um Katastrophen zu verhindern. Für die Krankenhäuser heißt das: „Wir müssen den Hitzeschutz als Prozess denken und nicht als Notfallmaßnahme“, sagt Narkoinz. „Wir müssen langfristig und nachhaltig dazulernen und das bedeutet, das in den Häusern Hitzeschutz strategisch verankert werden muss.“ Konkret brauche es mehr Stellen, die für das Thema zuständig seien und Weisungsbefugnis haben. „Es gibt nicht die eine passgenaue Lösung, aber anpassungsfähige Systeme. Da müssen wir hin.“

Von der – weitgehend ausgebliebenen – Reaktion auf die Hitzewelle seitens der Bundespolitik zeigt sich Narkoinz enttäuscht. „Ich hätte nicht erwartet, dass die Bundesregierung einfach so tut, als wäre nichts.“ In seiner Regierungserklärung eine Woche nach der Hitzewelle ging Bundeskanzler Friedrich Merz über Wirtschaft, die Rentenreform und den Krieg in der Ukraine – den Kimawandel erwähnte er nicht.

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