Schutzfunktion in Gefahr: Deutschlands Landschaften kühlen nicht mehr gut
Ein Index zeigt, wo Landschaften noch kühlen und Klimaextreme abfedern. Die Faktoren grün, feucht und kühl wurden gemessen. Der Trend ist negativ.
Foto: Ralph Peters/imago
kna | In Deutschland verlieren Landschaften in der Klimakrise zunehmend ihre natürliche kühlende Schutzfunktion. Das ist das Ergebnis einer am Mittwoch in Stuttgart vorgestellten Studie. „Die Verwundbarkeit steigt an“, sagte der Biologe und Studienautor Pierre Ibisch mit Blick auf die Ökosysteme in allen Bundesländern.
„Viele Regionen verlieren ihre Fähigkeit, Hitze zu mildern, Wasser in der Landschaft zu halten und die Folgen der Klimakrise abzufedern“, so der Professor für Sozialökologie der Waldökosysteme an der Hochschule in Eberswalde.
Um die Entwicklung noch besser beobachten zu können, haben der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und das Econics Institute in Berlin einen „Grün-feucht-kühl-Index“ entwickelt, der am Mittwoch vorgestellt wurde. Diese auf Wetter- und Satellitendaten basierende „Fieberkarte“ zeigt jährlich bundesweit, wie leistungsfähig die Natur ist, wenn es um Kühlung von Landschaften, um Wasserrückhalt und Klimaanpassung geht.
Fazit: In Deutschland gebe es einen „großen Grad der Zerschneidung von funktionsfähigen Ökosystemen“. Nötig sei nun eine Stabilisierung der „noch grünen Bereiche“ und eine Wiederherstellung lebenswichtiger großräumiger Ökosysteme.
Der Nabu-Landesvorsitzende für Baden-Württemberg, Johannes Enssle, mahnte die Politik zum schnellen Handeln: „Was wir gerade erleben mit den Hitzewellen, sind nur die Vorwehen für das, was uns noch bevorsteht mit dem Klimawandel.“
Auch Ibisch betonte: „Die Natur arbeitet nicht für uns, sondern für sich selbst – aber wir hängen davon ab, dass das Ganze funktioniert.“ Intakte Natur sei wichtig: „Je vitaler, kühler und feuchter, desto leistungsfähiger.“ Man beobachte gerade jetzt angesichts trockener Wälder und Niedrigwasserstände, „dass wichtige Ökosystem-Leistungen wegbleiben“.
Ökosysteme seien aber nicht nur eine schöne grüne Kulisse mit ästhetischem Wert, so Ibisch. Das sei zwar eine Motivation für Naturschutz. „Aber im Moment geht es schon ein bisschen um die Existenz“, betonte der Experte. Besonders intensiv genutzte Agrarregionen, stark versiegelte Städte und ausgebaute Gewässerräume wiesen häufig Defizite auf. Der Trend sei negativ.
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