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Klimakrise in ÄgyptenEinstürzende Altbauten

Jedes Jahr stürzen in Alexandria 40 Gebäude ein. Der Grund dafür ist der steigende Meeresspiegel, der sie unterspült und kollabieren lässt.

Wie es ist, wenn die Klimakrise zuschlägt, nicht wie sonst ganz langsam, sondern unmittelbar, weiß der Schriftsteller Mustafa Zaki genau. Es war diesen Sommer. Es war der 13. Juli. Sein Telefon klingelte. Die Nachricht, die ihn erreichte: Dein Elternhaus ist eingestürzt. Deine Bibliothek, die Bilder deiner verstorbenen Mutter, Tausende von Briefmarken, die du mit deinem Vater gesammelt hast – es ist alles weg.

Die Geschichte von Mustafa Zaki, dem Schriftsteller, ist kein Einzelfall. Alexandria, gegründet 331 v. u. Z. von Alexander dem Großen, heute nach Kairo die zweitgrößte Stadt Ägyptens, zerbröselt. Jedes Jahr stürzen 40 Gebäude ein, im Schnitt sind das jeden Monat etwas mehr als drei Häuser. Der Grund dafür ist, dass sich aufgrund der Klimakrise das Mittelmeer erwärmt, der Meeresspiegel steigt, Salzwasser sickert so durch den sandigen Untergrund, unterspült die Gebäude und lässt sie kollabieren.

Sonderbeilage der taz Panter Stifung

25 Journalistinnen aus 16 arabischsprachigen Ländern haben sich im Projekt Green Panter der taz Panter Stiftung aufgemacht, neue Geschichten über das Klima zu schreiben. Die ägyptische Fotografin Gilan Hefny hat für diese Beilage in Alexandria die Folgen der Klimakrise dokumentiert. Eine Podcastfolge dazu gibt es im Format Freie Rede. Alle Texte, die im Rahmen dieses Projektes erschienen sind, erscheinen nach und nach hier.

Entlang der 70 Kilometer langen Küste von Alexandria sind etwa 7.000 Gebäude akut einsturzgefährdet. Alexandria ist die am stärksten von der Klimakrise gefährdete Region im Mittelmeerraum, auch extreme Wetterereignisse, wie Stürme mit bis zu 70 Stundenkilometern Windgeschwindigkeit, nehmen zu.

Die Behörde, die sich all dem entgegenstemmen soll: Nationaler Rat für Klimawandel, für die Sensibilisierung für den Klimawandel und seine Auswirkungen. Ihre bisherigen Antworten auf die Krise sind so behäbig, wie ihr Name lang ist. Unter Wasser sollen Wellenbrecher die Küste schützen, weggespülter Strand wird mit Lastwagenladungen voller Sand wieder aufgefüllt, einsturzgefährdete Häuser werden abgerissen, Betonbarrieren sollen Überflutung verhindern. Es wird nicht reichen, um weitere Einstürze zu verhindern, um anderen Menschen in Alexandria das Schicksal von Mustafa Zaki zu ersparen. Nachdem er im Juli den Anruf erhalten hatte, fuhr er sofort zu seinem Elternhaus. Es gab nichts mehr zu retten: „Ich spürte lediglich eine dichte Stille inmitten des Staubs.“

Asmaa Elsheikh, ägyptische Autorin und Journalistin, lebt und arbeitet in Kuwait

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