Klimakrise im TV-Triell: Eine verbotene Debatte

Union, SPD und Grüne bieten wenig, um das 1,5-Grad-Klimaziel zu erreichen. Auch im TV-Triell mutete die Diskussion zum Klimaschutz arg vorgestrig an.

Ein Kinderwagen wird vor einem SUV über die Straße geschoben

Armin Laschet meint, dass die lauten und stinkenden Blechungetüme Städte lebendiger machen Foto: Karsten Thielker

In Deutschland ist ziemlich viel verboten. Man darf sich nicht aussuchen, mit wie vielen Menschen man verheiratet sein will, was man raucht, nicht mal in der Wahl der Außenfarbe seines Hauses ist man völlig frei. Noch förderlicher für das allgemeine Ambiente wäre natürlich die Abschaffung von Autos, rein ästhetisch gesprochen. Aber das ist Geschmackssache.

CDU-Kanzlerkandidat Armin ­Laschet beispielsweise findet, dass die lauten, oft stinkenden und potenziell radlerinnenquetschenden Blechungetüme Städte lebendiger machen. Das hat er am Sonntag im Streitgespräch mit seinen zwei Mit­be­wer­be­r:in­nen gesagt. Vielleicht hat er da recht. Zu den Merkmalen von Lebewesen gehört schließlich, dass sie wachsen und aus Fortpflanzung entstehen.

Autos in Deutschland vermehren sich definitiv, immer größer werden sie auch. Dass das die Klimakrise befeuert, thematisierte im TV-Triell nur Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock. Sie machte sich dafür stark, ab 2030 zumindest keine Neuwagen mit Verbrennungsmotor mehr zuzulassen.

Laschet und SPD-Mann Olaf Scholz hingegen beteuerten, für den Klimaschutz überhaupt gar nichts verbieten zu wollen. Dabei kam ihnen entgegen, dass niemand allzu genau nachfragte, wie sie denn die Klimakrise zu bremsen gedenken – oder warum sie es als mächtige Menschen in seit Jahren regierenden Parteien nicht längst getan haben. Denn wer hat denn zum Beispiel die von beiden Männern kritisierten bürokratischen Hürden beim Ausbau der erneuerbaren Energien zu verantworten?

Interessant wäre gewesen, was die drei dazu sagen, dass ihre Wahlprogramme nicht genügen, um einen fairen Beitrag dazu zu leisten, die Erderhitzung bei 1,5 Grad zu halten. Stattdessen drehten sich Fragen und Diskussion größtenteils um die angeblich hohen Kosten des Klimaschutzes – in dem Jahr, in dem die Steu­er­zah­le­r:in­nen wahrscheinlich 30 Milliarden Euro an Hilfsgeldern für Hochwasserschäden zahlen, die der Klimawandel begünstigt hat. Das wirkt mehr als vorgestrig. Man möchte fast sagen: verboten. Aber wenn es um Klimaschutz geht, gibt es in Deutschland ja keine Verbote.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Jahrgang 1991, ist Redakteurin im Ressort Wirtschaft + Umwelt und schreibt dort vor allem über die Klimakrise. Hat ansonsten das Online-Magazin klimareporter° mitgegründet.

Bei wieviel Prozent liegen die Parteien? Wer hat welche Wahlkreise geholt?

▶ Alle Zahlen auf einen Blick

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de