Studie zur Flutkatastrophe im Juli: Klimakrise forciert Starkregen

Die Erderhitzung hat die extremen Niederschläge im Juli wahrscheinlicher und intensiver gemacht. Das zeigt eine nun veröffentlichte Schnellstudie.

Ein rotes Kinderfahrrad schwimmt in braunem Wasser

Starkregen und Überschwemmungen werden immer häufiger: Kinderfahrrad in der Flutwelle der Ahr Foto: David Young/dpa

BERLIN taz | Ein Teil der Katastrophe war menschengemacht, das war fast von Anfang an klar. Die Warnungen vor dem Hochwasser Mitte Juli im Westen Deutschlands kamen zum Beispiel nicht bei allen Betroffenen an. Und auch die Art, wie wir generell unseren Boden nutzen, nämlich eher für undurchlässige Supermarkt-Parkplätze und Straßen als für aufnahmefähige Wiesen, hat die Lage verschärft. Rund 200 Menschen starben, die Fluten richteten zudem Sachschäden in Milliardenhöhe an.

Jetzt ist klar: Der menschliche Fingerabdruck findet sich auch im Starkregen selbst. Der extreme Niederschlag, der die Überschwemmungen ausgelöst hatte, war durch den Klimawandel wahrscheinlicher und stärker – also letztlich durch die Treibhausgasemissionen aus Kohlekraftwerken, Autos, Gas-Pipelines, Rindermägen. Das hat eine Schnellstudie der ­Forschungsinitiative World ­Weather Attribution er­geben, die am Dienstag veröffentlicht wurde.

„Durch die Überschwemmungen wurde deutlich, dass selbst Industrieländer nicht vor den schweren Auswirkungen solcher Extremwetterereignisse geschützt sind und dass sich dies mit dem weiteren Klimawandel noch verschärfen wird“, sagte die Klimaforscherin Friederike Otto von der Uni Oxford, Ko-Leiterin von World Weather Attribution. Die Wissenschaft lasse darüber seit Jahren keinen Zweifel.

Das gilt auch für die Zunahme von Starkregen, denn durch die erhöhte Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre steigt eben die Temperatur der Luft, die dadurch mehr Wasserdampf aufnehmen kann. Bei Regen kommt also auch mehr Wasser runter. Dass Stark­regen häufiger geworden ist, belegen auch schon Messdaten.

Durch Klimawandel bis zu 9 Mal wahrscheinlicher

In der aktuellen Studie haben 39 Wis­sen­schaft­le­r:in­nen von verschiedenen Instituten und Behörden nun den konkreten Fall untersucht, also den erlebten Starkregen im Juli, dessen Niederschlagsmengen die bisherigen Extremwerte in den Wetteraufzeichnungen weit überstiegen. Die Wahrscheinlichkeit für dieses Wetterereignis hat der Klimawandel demnach um das 1,2- bis 9-Fache erhöht.

Außerdem hat der Klimawandel den Regen stärker gemacht, die maximale Wassermenge an einem Tag um 3 bis 19 Prozent gesteigert. Je nach eingesetztem Klimamodell fällt der Wert anders aus, deshalb die enorme Bandbreite.

Der Trend ist aber klar: Durch den Klimawandel werden solche extremen Niederschläge häufiger und intensiver. Unter den aktuellen klimatischen Bedingungen – die Erde ist gegenüber vorindustriellen Zeiten schon um 1,2 Grad aufgeheizt – ist ein solches Ereignis in einer westeuropäischen Region alle 400 Jahre zu erwarten. In einer um 2 Grad wärmeren Welt wären es schon alle 300 Jahre. Die Regenfälle waren also so extrem, dass sie auch weiter eher die Ausnahme bleiben.

Der Wert bezieht sich allerdings auf einzelne Regionen. Regenfälle sind ja eher kleine Wetterereignisse. Das kennt eigentlich jede:r: Während eines Gewitters kann es im Nachbarort staubtrocken sein und umgekehrt. Guckt man sich ganz Westeuropa an, kommt es also wohl doch häufiger als alle paar Jahrhunderte zu solchen extremen Niederschlägen, denn die einzelnen Regionen wechseln sich dabei ab.

Dass Regenereignisse auf eher kleinen Flächen auftreten, war für die Kli­ma­wis­sen­schaft­le­r:in­nen eine Herausforderung. Das Vorgehen: Sie füttern viele verschiedene Klimamodelle mit den spezifischen Messdaten ­eines Wetterereignisses – einmal mit den Rahmenbedingungen der aktuellen Welt und einmal mit denen einer fiktiven Welt ohne menschliche Treib­hausgase. Dann wird verglichen. Ist das Wetterereignis im ersten Fall häufiger zu erwarten, kann man das auf den menschengemachten Klimawandel zurückführen.

Bei Hitzewellen, die im Normalfall großflächig auftreten, geht das zum Beispiel schon länger sehr gut. Viele Klimamodelle sind aber für flächenmäßig kleine Wetterereignisse nicht hoch genug aufgelöst. Die Forschungsgruppe beließ es deshalb nicht bei der Untersuchung der tatsächlich betroffenen kleinen Gebiete, sondern zoomte in einem zweiten Schritt auch ein Stück heraus – und analysierte Daten aus einer größeren westeuropäischen Fläche.

Um die Öffentlichkeit möglichst schnell informieren zu können, haben die Wis­sen­schaft­le­r:in­nen auf die Veröffentlichung in einem Fachmagazin und die Prüfung unabhängiger Fach­kol­le­g:in­nen verzichtet. Das gilt aber nicht für die angewandten Methoden. Die haben sehr wohl die üblichen Verfahren durchlaufen.

Hitzewellen verstärkt der Klimawandel noch deutlicher als Starkregen. Die extremen Temperaturen Anfang Juli im Westen Nordamerikas hat die Erderhitzung zum Beispiel mindestens 150 Mal wahrscheinlicher gemacht.

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