Merkel-Biografie und Armin Laschet: Der Wackelkandidat

Die Präsentation einer Merkel-Biografie ist für Armin Laschet eine Gratwanderung. Doch der Kanzlerkandidat macht eine überraschend gute Figur.

Armin Laschet. Im Hintergrund ein Poster mit dem Buchcover von Anela Merkel Die Kanzlerin und ihre Zeit

Der Experte für unvorteilhafte Bilder: Armin Laschet Foto: Annette Riedl/dpa

BERLIN taz | Manchmal kommen die interessantesten Fragen erst später am Abend. Ob das Erbe der Kanzlerin ein eher schweres oder doch ein leichteres sei, sollte er Angela Merkel nachfolgen, will ein Journalist im Publikum von Armin Laschet wissen. In der Frage steckt das ganze Dilemma, das der Kanzlerkandidat der Union an diesem Abend hat.

Eigentlich soll es nicht um ihn, sondern um die Kanzlerin gehen. Genauer gesagt: um die Vorstellung des Buches „Angela Merkel. Die Kanzlerin und ihre Zeit“, das der Historiker und Journalist Ralph Bollmann gerade veröffentlicht hat. „Ein ganz schöner Schinken“, wie ein Journalist aus den Niederlanden später sagen wird.

Für Laschet ist der Abend mitten im Wahlkampf und bei dramatisch schlechten Umfragewerten eine Gratwanderung. Stellt er sich zu klar in die Tradition der Kanzlerin, dürfte das bei dem merkelmüden bis -feindlichen Teil der Uni­ons­an­hän­ge­r:in­nen nicht gut ankommen. Distanziert er sich aber zu stark, könnte er auch jenen Teil ihrer Fans verlieren, die bislang noch bei ihm sind. Hinzu kommt die Gefahr, im direkten Vergleich mit der Kanzlerin als politisch zu leichtgewichtig befunden zu werden, um ihre Nachfolge anzutreten.

Laschet könnte jetzt, auf die Frage des Journalisten, über die AfD, Pegida und die sich radikalisierende Querdenker-Bewegung sprechen. Über seine ausgelaugte und zerrüttete Partei. Über den schwierigen Zusammenhalt in Europa. Das Debakel in Afghanistan. Oder darüber, dass in Sachen Klimaschutz und Digitalisierung in den vergangenen Jahren viel zu wenig viel zu langsam geschehen ist. All das gehört ja zu dem Erbe, das Merkel hinterlässt.

Die Kanzlerin unterschätzt

„Also, es ist“, setzt Laschet an und atmet hörbar aus. „Erbe, was heißt Erbe“, sagt er dann. Er muss sich sortieren. Das Erbe, Deutschland stabil gehalten und durch viele Krisen geführt zu haben, sei eine Verpflichtung für die Zukunft, sagt er dann. Hinzu komme das, was liegen geblieben sei, „eine Riesenaufgabe“. Man müsse nun den Klimawandel anpacken, aber auch an Industrieland und Sozialstaat denken. Und natürlich Europa zusammenhalten. Laschet hat die Kurve gekriegt.

Die Diskussion, zu der Laschet neben Bollmann als Gast eingeladen ist und die die ehemalige Chefredakteurin von taz und Frankfurter Rundschau, Bascha Mika, moderiert, beginnt mit dem Einstieg Merkels in die Bundespolitik, ihrer dreifachen Fremdheit als Frau, Ostdeutsche und Naturwissenschaftlerin im Bonner Betrieb und dass der damalige Bundesminister Norbert Blüm ein Kennenlerngespräch mit ihr ablehnte.

„Er hat sie unterschätzt“, sagt Laschet, wohl wissend, dass dies eine Eigenschaft ist, die auch ihm nachgesagt wird. Immer wieder schlägt er den Bogen zu seiner Person. Es ist Wahlkampf.

Doch Laschet gelingt die Gratwanderung. Er nimmt Merkel gegen die Unterstellung – aus auch den eigenen Reihen – in Schutz, sie habe sich sehr von der CDU entfernt. Natürlich sei die CDU „ihre Partei“ und natürlich werde sie mit beiden Stimmen CDU wählen. Das sei eine „alberne Frage“.

Laschet konstatiert aber auch, dass die schwarz-gelbe Koalition von 2009-2013 nicht harmonisch gewesen sei und lässt durchblicken, dass dies auch an der Kanzlerin gelegen habe. Man müsse eben dem kleineren Partner auch Punkte lassen. Das gelinge in seiner Koalition mit der FDP in Nordrhein-Westfalen gut. „Das wird in einer Dreierkonstellation noch mal wichtiger.“ Dennoch müsse man als Kanzler „schon eine Überzeugung haben und sie notfalls gegen Stimmungen durchsetzen“. Was allerdings Kri­ti­ke­r:in­nen Laschet eben genau nicht zutrauen.

Abgrenzung zu Scholz

Der Kanzlerkandidat hat das 800 Seiten starke Buch mitgebracht, es ist mit Post-its gespickt. Doch die Analyse der Kanzlerin übernimmt vor allem Bollmann. Er erklärt, wie sich Merkels Blick auf die Bedeutung ihres Frauseins als Kanzlerin veränderte, spricht vom Merkel prägenden „wirtschaftsliberalen, kulturprotestantischen Leitungsethos“. Von der These der verkappten Sozialdemokratin halte er nichts, so Bollmann. Auch habe Merkel den Deutschen misstraut.

„Eine Kanzlerin, die ihr Land nicht liebt?“, fragt die Moderatorin. Das hätte man, sagt Laschet dann durchaus zu Recht, auch über Adenauer sagen können.

Auch betont er, dass die Kanzlerin ihn im Wahlkampf ausreichend unterstütze, was manche in der CDU durchaus anders sehen. Gerade erst, sagt Laschet, habe sie ungewohnt deutlich klar gemacht, dass das, was SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz mache, „wenig mit dem zu tun hat, was sie gemacht hat“. Scholz versucht seit Monaten, sich als der legitime Erbe Merkels zu inszenieren, zuletzt im SZ-Magazin sogar mit Raute. Aber er weigert sich, eine Koalition mit der Linkspartei eindeutig auszuschließen.

Im Übrigen, so Laschet weiter, gehe es hier um das wichtigste Amt in Europa, das werde nicht vererbt. „Das muss sich der, der es will, selbst erkämpfen. Soll Angela Merkel jeden Tag neben mir auf der Bühne stehen, auf mich zeigen und sagen: Der soll es werden? Unterstützt den da? So läuft das nicht!“ Da wird Laschet ganz energisch. Wahlkampf eben.

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