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Klima und Ableismus Nicht alle trifft die Hitze gleich

Gastkommentar von

Andrea Schöne

Bei der Debatte um Schutzmaßnahmen bleiben Menschen mit Behinderungen oft außen vor. Dabei sind gerade sie auf barrierefreie Kühlräume angewiesen.

H itzewellen wirken sich nicht auf alle behinderten Menschen gleich aus. Bei Menschen mit Multipler Sklerose kann die Wärmeregulation des Körpers gestört sein. Menschen mit Gehbehinderungen müssen im Alltag mehr Kraft aufwenden, um sich im öffentlichen Raum zu bewegen. Das erhöht das Risiko, einen Hitzschlag zu bekommen. Oder Informationen sind nicht barrierefrei verfügbar und Schutzmaßnahmen können deshalb nicht ergriffen werden.

Allgemein sind die Kenntnisse über die Lebenswelten behinderter Menschen eher dürftig. Und doch gibt es Ansätze für effektiven Hitzeschutz. In vielen Ländern werden insbesondere in Großstädten vermehrt Kühlräume angeboten. In Spanien oder Italien werden die Räume auch von kulturellen Angeboten wie einem Museumsbesuch oder Kinovorstellungen begleitet. Bologna bietet auf vorherige Nachfrage auch Assistenz vor Ort an.

Andrea Schöne

ist freie Journalistin, Moderatorin und Autorin. Sie schreibt über Geschichte, Medienkritik, Klimagerechtigkeit, Menschenrechte, Kultur und Italien.

All das bringt allerdings nur kurzfristig Abhilfe, da die Menschen spätestens abends wieder in ihre überhitzten Wohnungen zurückkehren. Die Anforderungen an Barrierefreiheit müssen hoch sein, um möglichst allen Menschen mit verschiedenen Behinderungen gerecht zu werden. Oft wird schon der Weg zum Kühlraum für Menschen mit Körperbehinderung zur Hürde. Das wirft die Frage nach Verteilungsgerechtigkeit auf: Wer muss unbedingt Kühlung in den eigenen vier Wänden erhalten?

Nicht alle Menschen mit Behinderungen haben die Möglichkeit, ihre Wohnungen zu verlassen, um einen Kühlraum aufzusuchen. Eine Klimaanlage ist hier unumgänglich. Wir müssen gemeinsam diskutieren, wie inklusive Stadtplanung mit Grünanlagen und Wasserflächen stets mit Barrierefreiheit verbunden werden kann, um ein Leben für alle zu ermöglichen.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Derartige Debatten werden überwiegend ohne Input von den Menschen geführt, die es betrifft. Sie reden nicht mit, wenn über ihre Lebenswelten entschieden wird. Dabei wäre der effektivste Schutz für sie, wenn die Menschen mit Behinderungen Teil der politischen Debatte über Hitzeschutz wären und ihre Ideen aktiv einbringen könnten.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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7 Kommentare

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  • Todesfister

    Schon interessant wie die staatlichen einnahmen,. Ausgaben und schulden steigen wie blöd aber nichts davon scheint bei der Unterschicht der unteren 90% anzukommen....

    • Zippism

      @Todesfister:

      Der Staat ist kein Geldautomat, bei dem steigende Einnahmen automatisch als höhere Kontostände bei jedem Bürger auftauchen. Die Ausgaben steigen vor allem, weil die Aufgaben des Staates wachsen: Rente, Pflege, Krankenversicherung, Infrastruktur, Krisenbewältigung.

      Natürlich kann man darüber diskutieren, ob die Prioritäten richtig gesetzt sind. Aber "der Staat nimmt immer mehr ein und die unteren 90 % sehen nichts davon" ignoriert schlicht, dass ein großer Teil dieser Ausgaben genau für diese 90 % bestimmt ist.

  • Ricky-13

    "BlackRock-Fritz" und "Gas-Kathi" sitzen auf dem Schoß der klimazerstörenden Wirtschaft und 'verheizen' mit ihrem klimaschädlichen Wirtschaftswachstumswahnsinn gerade die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder. Da wird sich diese Regierung bestimmt nicht um barrierefreie Kühlräume für Behinderte kümmern, denn Behinderte - sowie auch Rentner - bringen für das Wirtschaftswachstum ja nichts und kosten nur Geld.

    • Hans Dampf

      @Ricky-13:

      Wenn ich die Kosten für die Pflegeheime sehe und die absurd hohen Arzneikosten für alte Menschen, dann bringen Rentner der Wirtschaft Milliarden. Der Umgang unserer Gesellschaft mit Behinderten, und ich meine sowohl Regierende, wie Behörden wie viele Bürger, ist einfach nur beschämend. Wem das Leben so böse zugetragen hat, dass er mit einem Handycap (ich mag das Wort lieber wie "Behinderte") leben muss, dem sollten wir "Gesunden" auch zu mehr Unterstützung bereit sein. Und ja, diese Regierung, ich meine beide Parteien, rühmen sich nicht wenn es um Gerechtigkeit für Vok und Umwelt geht.

  • Filou

    Vor großer Hitze sind zuerst sehr kranke Menschen, Patienten im Krankenhaus und alte Menschen in Pflegeheimen zu schützen. Hier muss die Politik schnellstens Abhilfe schaffen.

    • Hans Dampf

      @Filou:

      Stimmt!

  • Philipp Lobinger

    Klimaschutz und Inklusion implizieren Menschenschutz. Der Einbau von Klimaanlagen rettet Menschen in Pflegeheimen, in Psychiatrien, in Gefängnissen und Wohnungen generell vor dem Hitzetod. Diese Erkenntnisse existieren seit Jahrzehnten und bisher haben alle Parteien das bisher nicht proaktiv in ihre Programme aufgenommen und entsprechende Visionen, Realvisionen und entsprechende Umsetzungspläne formuliert. Widersprechen solche Menschenschutzziele den Umweltschutzzielen? Nein, entsprechende Viabilitäten sind realisierbar. Notwendig hierzu ist jedoch dass "Altparteien und "Neuparteien" ideologiefrei und in klimatisierten Räumen mit kühlem Kopf konsensual herrschaftsfrei an konstruktiven Lösungen arbeiten und dann wird analog dem Gesamtkunstwerk der Rentenreform das auch gelingen und wie bekannt sind die Utopien von heute die Realitäten von morgen.