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Kühle Orte in BerlinZuflucht vor dem Hitzeschlag

Die offiziellen Karten, die kühle Orte in Berlin ausweisen, liefern dürftige Ergebnisse. Ein Berliner hat auf eigene Faust etwas Besseres programmiert.

Es ist noch nicht so lange her, da wäre den meisten ein Berlin-Plan mit „kühlen Orten“ seltsam vorgekommen. Wärmestuben für den Winter, klar, aber temperierte Räume für die Sommerhitze? Da dachte man eher an dunkle Kirchen in Süditalien, in die sich schwitzende TouristInnen vor der mediterranen Sonne flüchten. Tempi passati: Heute sind auch Niedrigtemperatur-Tipps für die deutsche Hauptstadt Gold wert.

Gleich drei digitale Rechercheangebote bietet die Berliner Verwaltung im Netz an: die „Kühle Orte“-Karte der Senatsgesundheitsverwaltung, die „Erfrischungskarte“ der Open Data Informationsstelle und das Geoportal Berlin. Die Vielfalt ist allerdings irreführend, denn alle drei verweisen auf exakt dieselben Räume – neben Trinkbrunnen, Schwimmbädern und (im Falle der „Erfrischungskarte“) jeder einzelnen Parkbank von Berlin.

Das Ergebnis sieht ziemlich schütter aus, denn es sind lediglich Nachbarschaftszentren, Seniorenfreizeitstätten oder Kirchengemeinden, die hier auftauchen. So lobenswert es ist, dass diese auch hitzeschlagbedrohten Menschen ein Refugium sind, so dürftig bleibt es in der Summe. Gibt es denn nicht mehr klimatisierte Orte in einer Metropole?

Eine erste Antwort liegt natürlich auf der Hand: Im Prinzip verfügt mittlerweile jeder Supermarkt über eine Klimaanlage, im Gegensatz etwa zu vielen Bürgerämtern und anderen öffentlichen Einrichtungen. Auch eine Fahrt mit der jüngsten S-Bahn-Generation, die auf der Ringbahn verkehrt, bringt Erleichterung, ist aber nicht immer praktikabel.

Hier kommt Matze Schmidbauer ins Spiel, ein Berliner, der ganz privat den Berliner Daten-Atlas navigator.berlin betreibt. Der zeigt etwa die Lärmbelastung von Kiezen, die Entfernung zur nächsten Schule, die Lage von Fahrradstraßen und rund 50 weitere Parameter an, alles generiert aus offenen Verwaltungsdaten und der freien Weltkarte OpenStreetMap. Schmidbauer hat auch kühle Orte im Angebot – und zwar weit mehr als die drei zuerst erwähnten Karten.

Klimatisiert durch die Mall schlendern

So verzeichnen „Erfrischungskarte“ und Co in einem Radius von rund einem Kilometer um den Gendarmenmarkt ganze zwei Zufluchtsorte: den Gropiusbau und das Stadtteilzentrum „Kreativhaus“ auf der Fischerinsel. Auf navigator.berlin sind es rund 40, denn die Karte verzeichnet nicht nur alle Museen und Bibliotheken, sondern auch Kinos und andere kommerzielle Räume wie die Mall of Berlin, durch deren klimatisierte Gänge man ja auch mal ohne Kaufwunsch schlendern kann.

Laut Schmidbauer enthält der Navigator berlinweit 473 kühle Orte, die im Sommer geöffnet sind, 281 davon verlangen keinen Eintritt. Eine Info-Spalte liefert die dazugehörigen Öffnungszeiten und gegebenenfalls den Hinweis, ob hier tatsächlich eine Klimaanlage läuft. Auch ein aus den Klimadaten des Berliner Umweltatlas errechneter Hitze-Score lässt sich anzeigen.

Allerdings fehlen hier wiederum viele der Orte, die die „offiziellen“ Karten ausweisen. Die legen beispielsweise im Kreuzberger Bergmannkiez die Passionskirche als schattigen Ort nahe, wohingegen der Navigator die Markthalle am Marheinekeplatz im Angebot hat. Für lückenlose Kühle muss also immer noch eine Meta-Recherche betrieben werden. Aber hey: Land Berlin, das geht noch besser!

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