Kein großer Fußball, aber WM: Fans für Südkorea, Punkte für Südafrika
Die Bafana Bafana stört die grün-rote Freundschaftsparty und ist eine Runde weiter. Am Ende gewinnt sie aber nicht nur das Spiel.
Foto: dpa/picture alliance
Ja, spielt denn hier Mexiko? Das musste man sich fragen angesichts der Massen von grün gekleideten Menschen, die ins Stadion von Monterrey strömten. Grün und Weiß waren die Mehrheitsfarben hier. Dabei hieß es im Gruppenfinale Südkorea gegen Südafrika, beide konnten noch weiterkommen.
Für viele Mexikaner:innen dürfte die Paarung vernachlässigbar gewesen sein. Sie kamen, um ihre Stadt, die parallel spielenden Mexikaner und die WM zu feiern – und ein bisschen wegen Südkorea. Denn das Land, so hatte die Gastgeberin einer Unterkunft erzählt, erfreue sich riesiger Popularität in Mexiko. Wegen Serien wie „Squid Game“, aber vor allem wegen des K-Pop-Hypes und Bands wie BTS und Blackpink. Und natürlich seien Südkoreanerinnen ein beliebtes Schönheitsideal. Viele seien daher ganz aus dem Häuschen über die zahlreich angereisten Gäste aus Südkorea.
Schon beim Gruppenspiel zwischen Mexiko und Südkorea hatte es am Stadion und in der Innenstadt von Guadalajara große Freundschaftsszenen gegeben. Man filmte sich zusammen, animierte die südkoreanischen Gäste zum Schnapstrinken und feierte sie wie Stars.
Der Ball ist rund und die taz ist ihm dicht auf den Fersen. Unsere Reporterin Alina Schwermer ist auf einem Roadtrip (meist) per Bus und berichtet in Reportagen und in ihrem Blog – manchmal auch aus den Stadien, aber noch viel öfter über alles drumherum. Alle Spiele werden von ausgeschlafenen tazler:innen für Sie hier in „Alle Spiele“ kurz zusammengefasst. Dann gibt es das ganz geheime Tagebuch von Fifa-Dingsbums Gianni Infantino. Und alles andere rund um die WM finden Sie hier.
Nun, wo es nicht gegeneinander ging, hatten sich viele Mexikaner:innen südkoreanische Flaggen ins Gesicht gemalt oder trugen rote Schals, einige hatten sich gar mit Trikots ausgestattet. Die paar Handvoll Südafrikaner:innen, die den Weg nach Monterrey gefunden hatten, sahen sich einer aussichtslosen gemeinsamen Übermacht aus Grün und Rot gegenüber. Heimspiel für Südkorea in Monterrey.
Fröhliche Kulturexportparty
So also konnte man ein Gruppenspiel dieser WM auch erzählen: Als mexikanisch-koreanische Kulturexportparty. Zum Ausverkauf des Stadions reichte dieses Versprechen allerdings nicht. Einige vor allem teure Sitze blieben leer. Und das war schon auch emblematisch für diese Vorrunde. 72 Partien, am letzten Spieltag gleich 6 Partien pro Tag. Vielleicht zu viel teurer Fußball. Und sicher nicht alle Mexikaner:innen wollten auf Mexiko im TV verzichten. Die Fifa meldete seltsamerweise dennoch Ausverkauf.
Am Fernseher wiederum hatte die Gruppenphase ein wenig von der Champions-League-Hinrunde, wo viele Fans das eigene Team plus ein paar Highlightspiele verfolgen. Natürlich, es gab die Allesgucker. Ein Freund aus Gambia berichtete vor dem letzten Spieltag, alle WM-Spiele gesehen zu haben. Doch möglich war das eigentlich nur in Ländern mit weniger Zeit- und Hochleistungsdruck als in Europa. Vier Spiele pro Tag oder Nacht inklusive langer Nachspielzeiten und Trinkpausen, mindestens sieben Stunden Fußball, das fiel schon unter Leistungsgucken.
Und trotz starker Partien gab es eben auch Gruppen wie diese: Mexiko, Südkorea, Südafrika und Tschechien. Dort wurde genau der Fußball gespielt, den viele befürchtet hatten. Die Mexikaner hatten sich schon vor dem letzten Spieltag für die nächste Runde qualifiziert, wenn auch ebenfalls nicht spielerisch überzeugend. Für die beiden Teams auf dem Rasen dagegen ging es um alles. Und tatsächlich tat das dem Spiel gut. Recht munter ging es hin und her mit Vorteilen für Südkorea, während Südafrika sich erneut schwertat, das Spiel zu gestalten, aber ein paar kluge Konter spielte.
WM-Fußball halt
Großer Fußball war das nicht, aber es war eben WM. Dann kollektiver Jubel im Stadion. Was war passiert? Na ja, Mexiko hatte im Parallelspiel getroffen. Die Mexikogesänge brachten jäh die Atmosphäre eines großen Spiels, erst recht, als Mexiko gleich wieder traf. Ein wenig seltsam war es, eine Partie zu verfolgen, bei der nie klar war, ob gerade auf dem Platz etwas Sensationelles passiert war oder bloß die Anzeigetafel wieder Mexiko zeigte. Aber dem Kick hauchte das Leben ein.
Besser zurecht damit kam Südafrika: Ein schöner, schnörkelloser Angriff und Thapelo Maseko traf in der 63. Minute zum 1:0. Das reichte, denn Südkorea versuchte zwar viel, brachte aber wenig zustande. Und angesichts des leidenschaftlichen Abwehrkampfes der Südafrikaner wechselten vielleicht gar unentschlossene Herzen die Seite.
Südafrika ist also doch noch als Gruppenzweiter weiter, Südkorea wackelt und muss hoffen. Das hatte den Vorteil, dass niemand richtig niedergeschlagen nach Hause ging. Für viele Fans in Monterrey war es indes eine der letzten Chancen, die WM live zu erleben. Ein Sechzehntelfinale noch wird es in der nordmexikanischen Stadt geben, dann ist Schluss. Viele nutzten das Spiel daher gleich als Halbtagesausflug. Große Leinwände zeigten vor der Partie auf dem Stadionareal den Sieg der Brasilianer gegen Schottland mit Schalte zu Marokko gegen Haiti. Eine Menge Fans waren dafür schon längst dort. Mexikaner:innen und Südkoreaner:innen feierten das 3:0 einhellig mit Brasil-Brasil-Chants. Auch das ist WM, ein Rundumerlebnis.
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