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Fußball-WM 2026Abschied von Chiapas

Unsere Autorin reist mit der WM von Mexiko nach New York City. Gerade noch war sie in Chiapas. Nach 16 Stunden Busfahrt erreicht sie Mexiko Stadt.

Zwischen Chiapas und Mexiko Stadt, 10. Juni 2026

Roadtrips machen ja nicht immer Spaß. Bald 20 Stunden in eiszeitlich klimatisierten Bussen machen zum Beispiel irgendwann nicht mehr viel Spaß. Auch bereue ich, dass ich dachte, wir werden schon irgendwann für eine Mahlzeit halten. Sieht nicht so aus, also Bananenchips. Dafür gibt es in mexikanischen Bussen eine separate Klokabine für Männer und eine für Frauen, die innen exakt gleich ist. Symbolbild Geschlechtertrennung?

Chiapas habe ich jetzt verlassen, aus spektakulär bewuchertem Hochland sind flache satte Wiesen geworden. Die Fahrt nach Norden ist ein bisschen wie die Fahrt von Süd- nach Norditalien: Die Menschen an den Bahnhöfen werden immer hellhäutiger, wohlhabender, die Häuser größer. Ich mochte Chiapas. Von denen, mit denen ich dort sprach, kann sich niemand ein WM-Ticket leisten. Ein Taxifahrer bat mich, ihm Fotos vom Eröffnungsspiel zu schicken – damit die WM ein Stück näher kommt.

San Cristóbal de las Casas, 9. Juni 2026

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San Cristóbal ist nur eine Stunde Busfahrt von Tuxtla entfernt, aber wie eine andere Welt. Auf 2.000 Metern Höhe statt tropisch schwül, bunt und spazierfreundlich statt Betonwüste, Hipster-Restaurants mit Veggie-Option statt Grillbuden für alle voller lokaler Familien. Für mich sind die beiden Städte das perfekte Yin und Yang. Wenn es den Leuten in Tuxtla zu heiß wird, fahren sie nach San Cristóbal, wo es oft 20 Grad kühler ist. Könnte es für Berliner Sommer auch geben, so eine Option. Der sintflutartige Regen heute in San Cristóbal zeigte derweil schon mal, wie es jetzt in der Regenzeit auch während des Eröffnungsspiels zugehen könnte.

Tuxtla, 8. Juni 2026

Von der Qualität mexikanischer Überlandbusse kann Deutschland nur träumen. Raumschiffflair mit Beinliege und kostenlosem Wasser. Morgen 16 Stunden hier drin? Ich fühle mich ready. Jetzt aber erst mal zum Interview nach San Cristóbal. Es geht um Solidarität, Fußball und Revolution in Chiapas.

Tuxtla, 8. Juni 2026

„Ort der vielen Kaninchen“ bedeutet meine erste Station Tuxtla auf Nahuatl, der in Mexiko am weitesten verbreiteten indigenen Sprache. Die vielen Kaninchen bleiben mir verborgen, dafür gibt es massig tropische Vögel in feuchter Schwüle. Die Stadt selbst wirkt mir eher überschaubar charmant, viel Autoverkehr, viel Neubau, und dass die mexikanischen Truppen von hier aus die Zapatisten plattmachten, gibt auch keine Charmepunkte. Mein Taxifahrer ist Fan von Club América, Real Madrid und ein bisschen dem FC Bayern. Wir exerzieren alle Fußballdebatten durch, inklusive des ewigen „Ronaldo oder Messi?“. Er sagt Ronaldo und ist deshalb bei der WM eigentlich mehr für Portugal als für Mexiko. Mit den Protesten in Mexiko-Stadt ist er unzufrieden – er sorgt sich, dass die Welt deswegen die WM in Mexiko schlecht organisiert findet.

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