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Israel vor den ParlamentswahlenZwei Rechte, zwei in der Mitte

In drei Monaten wird in Israel gewählt. Zu Netanjahus aussichtsreichsten Herausforderern gehören ein General und ein Ex-Regierungschef – aber kein Linker.

AFP | In Israel wird am 27. Oktober ein neues Parlament gewählt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu tritt nach insgesamt 18 Jahren an der Regierungsspitze erneut als Spitzenkandidat seiner konservativen Likud-Partei an. Eine Mehrheit der Israelis macht den 76-Jährigen aber für das Versagen der israelischen Sicherheitskräfte bei dem Angriff der islamistischen Hamas am 7. Oktober 2023 verantwortlich. Seinen Herausforderern werden daher gute Chancen eingeräumt. Ein Überblick:

Gadi Eisenkot: der General

Der ehemalige Generalstabschef Gadi Eisenkot ist laut jüngsten Umfragen Netanjahus größter Rivale im Kampf um das Ministerpräsidentenamt. Der 66-jährige Kandidat der Mitte-Parteien genießt in der israelischen Öffentlichkeit hohes Ansehen, er gilt vielen als integer und authentisch. Sein Sohn Gal und zwei seiner Neffen starben im aktuellen Gazakrieg. Das brachte ihm in Israel viel Anteilnahme ein. Zum Vergleich: keiner der Söhne Netanjahus leistete nach dem 7. Oktober Armeedienst.

Eisenkots Eltern stammen aus Marokko. Unter den früheren Regierungschefs Ehud Barak und Ariel Scharon war Eisenkot als Militärsekretär tätig, von 2015 bis 2019 war er Armeechef. Er gilt als ausgewiesener Stratege und Hisbollah-Kenner. Erst 2022 ging Eisenkot in die Politik. Nach dem Hamas-Überfall war er kurzzeitig Teil von Netanjahus Kriegskabinett, trat aber 2024 zurück.

Eisenkot gilt als scharfer Kritiker von Netanjahus Führung. Seine erst 2025 gegründete Mitte-Partei Jaschar (Hebräisch: Geradeaus) liegt laut der jüngsten Umfrage des Senders Channel 12 knapp vor Netanjahus Likud, wäre aber wie diese auf Koalitionspartner angewiesen.

Naftali Bennett: der Ex-Regierungschef

Andere setzen ihre Hoffnungen in Naftali Bennett. Der ehemalige Vorsitzende der national-religiösen Partei „Jüdisches Heim“ gründete Ende 2018 eine neue Rechtspartei, „Die neue Rechte“. 2021 sorgte der frühere Tech-Unternehmer für Aufsehen, als er eine historische Koalition bildete, die fast das gesamte politische Spektrum Israels umfasste. Diese Regierung, der er als Ministerpräsident vorstand, hielt zwar nur ein Jahr. Nach einer Auszeit aus der Politik meldete sich der 54-Jährige nach dem Hamas-Angriff aber wieder verstärkt zu Wort.

Mit dem Oppositionspolitiker Jair Lapid, mit dem er damals koalierte, tritt Bennett nun auf der gemeinsamen Liste Bejachad (Hebräisch: Zusammen) an. In Umfragen liegt er zwar weit hinter Eisenkot. Israelischen Beobachtern zufolge könnte es dem Mitte-Rechts-Politiker aber gelingen, von Netanjahu enttäuschte rechte Wähler für sich zu gewinnen.

Im Interview mit der Times of Israel warnte Bennett im Juni vor einer weiteren Amtszeit von Netanjahus Regierung. Israel stehe an einem „existenziellen Moment“, sagte er damals. „Noch einmal vier Jahre mit dieser Regierung, und wir werden keine Wirtschaft und keine Gesellschaft mehr haben.“ Auch Israels internationales Ansehen werde weiter massiv beschädigt. Bennett prangert unter anderem Netanjahus Zugeständnisse an die Ultraorthodoxen an. Er wirft ihm zudem vor, seine beiden rechtsextremen Minister und Koalitionspartner Itamar Ben Gvir und Bezalel Smotrich nicht mehr kontrollieren zu können. Auch äußerte er scharfe Kritik an der Regierungsstrategie im Krieg gegen Iran und dessen Verbündete.

Jair Lapid: der Ex-Fernsehmoderator

Jair Lapid gehört seit mehr als 10 Jahren zu den bekanntesten Gesichtern der israelischen Politik. 2012 wechselte der beliebte TV-Moderator in die Politik und gründete die Mitte-Partei Jesch Atid. Der mittlerweile 62-Jährige etablierte sich rasch als einer der führenden Oppositionspolitiker und Netanjahu-Gegner.

Lapid war mehrfach als Minister tätig, insbesondere als Finanz- und später als Außenminister. Bereits 2022 schloss er sich mit Naftali Bennett zusammen – im Rahmen einer vereinbarten rotierenden Machtteilung übernahm er kurzzeitig das Amt des Ministerpräsidenten. Als erklärter Verfechter einer säkular-liberalen Linie stellte sich Lapid auf die Seite der Demonstranten gegen die umstrittene Justizreform der Netanjahu-Regierung. Dieser Konflikt hatte Israel vor dem Hamas-Angriff tief gespalten.

Trotz seiner Bekanntheit und politischen Erfahrung gelingt es Lapid jedoch kaum, Wähler außerhalb seiner urbanen, liberalen und säkularen Kernwählerschaft zu gewinnen. Nur wenige Beobachter sehen ihn derzeit in der Lage, genug Stimmen zusammenzubekommen, um Netanjahu aus dem Amt zu drängen. Im Bündnis mit Bennett, für den er auf seine eigene Spitzenkandidatur verzichtete, könnte Lapid allerdings erneut zum Königsmacher werden.

Avigdor Lieberman: der rechte Politikveteran

Lieberman wurde 1958 in der damaligen Sowjetrepublik Moldau geboren. Ende der 1970er Jahre wanderte er nach Israel aus und ist seitdem aus der dortigen politischen Landschaft nicht wegzudenken.

Anfangs machte er sich als einer der engsten Vertrauten Netanjahus einen Namen, unter anderem als dessen Stabschef. Doch bald verfolgte er eigene Ambitionen. Nach der Gründung der säkular-nationalistischen Partei Jisrael Beiteinu (Unser Haus Israel) 1999 stützte sich Lieberman zunächst auf die russischsprachige Wählerschaft. Später baute er seine Basis schrittweise aus und warb um Teile der israelischen Rechten. Liebermann gilt als Schwergewicht unter den israelischen Politikern: Als einer der wenigen leitete er gleich drei der wichtigsten Ministerien Israels: die Ressorts Verteidigung und Finanzen sowie das Außenamt.

Wie Eisenkot und Bennett ist auch Liebermann strikt dafür, ultraorthodoxe Männer in die israelische Armee einzuziehen. Die Ausnahmeregelungen, die ihnen bislang zugestanden werden, lehnt er ab. Ob er sich mit den anderen Netanjahu-Rivalen auf eine Koalition einlässt, ist fraglich: Er hat mehrfach signalisiert, von seinem Anspruch auf das Amt als Regierungschef nicht abzurücken.

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