Irland bei der Fußball-WM: Picos großer Auftritt
Der Fußballverband von Kap Verde rekrutiert Spieler in der ganzen Welt. Auch ein Ire war beim Sensationsremis gegen Spanien auf dem Feld.
Die kleine Sackgasse im Dubliner Ortsteil Crumlin ist mit Flaggen von Kap Verde geschmückt. Am Montagabend hörte man den Jubelschrei aus dem Haus der Familie Lopes bis Atlanta, wo Kap Verde gerade dank einer grandiosen Abwehrschlacht ein Unentschieden gegen den Europameister und Turnierfavoriten Spanien erkämpft hatte
Der Ball ist rund und die taz ist ihm dicht auf den Fersen. Unsere Reporterin Alina Schwermer ist auf einem Roadtrip (meist) per Bus und berichtet in Reportagen und in ihrem Blog – manchmal auch aus den Stadien, aber noch viel öfter über alles drumherum. Alle Spiele werden von ausgeschlafenen tazler:innen für Sie hier in „Alle Spiele“ kurz zusammengefasst. Dann gibt es das ganz geheime Tagebuch von Fifa-Dingsbums Gianni Infantino. Und alles andere rund um die WM finden Sie hier.
Teil des Abwehrbollwerks war Roberto Lopes, genannt Pico. Der 33-Jährige spielt für die Shamrock Rovers, er ist der erste aktive Fußballer der irischen Liga, der bei einer WM antritt. Sicher, eine ganze Reihe von Spielern aus der irischen Liga hat es zu einer Weltmeisterschaft geschafft – aber erst, nachdem sie in bedeutendere Ligen ins Ausland gewechselt waren.
Pico ist Dubliner. Sein Vater Carlos Lopes wurde auf São Nicolau geboren, eine der zehn Inseln des Kapverdischen Archipels. Er verließ die Insel im Alter von 16 Jahren und fuhr zur See. In den 1980er Jahren lernte er die Dublinerin Judy kennen, sie ließen sich in Crumlin nieder und kauften dort ein Eckhaus neben einer kleinen Rasenfläche. Auf der lernte Pico das Fußballspielen.
Anfrage über LinkedIn
Fast hätte es aber mit der Nationalmannschaft nicht geklappt. Der kapverdische Fußballverband hat sich bei der Rekrutierung spielberechtigter Fußballer ebenso ins Zeug gelegt, wie es einst der irische Nationaltrainer Jack Charlton in den 1980er und 1990er Jahren mit seiner detektivischen Aufspürung irischer Großeltern von englischen Spielern getan hatte.
Pico wurde 2018 über LinkedIn mit der Anfrage kontaktiert, ob er sich vorstellen können, für Kap Verde zu spielen. Die Nachricht war allerdings auf Portugiesisch und da er sie für Spam hielt, löschte er sie. Neun Monate später kontaktierte ihn der damalige kapverdische Nationaltrainer Rui Águas auf Englisch. Er fragte ihn, ob er das Land seines Vaters vertreten wolle. Er wollte.
Am Montag absolvierte er nun im Auftaktspiel der WM-Gruppe H bereits sein 45. Länderspiel. Es war der schwierigste Gegner in dieser Gruppe. Die Partien gegen Saudi-Arabien und Uruguay müssten im Vergleich dazu für Pico und seine neuen Landsleute Spaziergänge werden.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert