Iran und USA: Wer blinzelt zuerst?
Offiziell gilt die Waffenruhe, laut Berichten fallen in der Straße von Hormus aber Schüsse. Die US-Blockade trifft derweil nicht nur Iran kritisch.
Wann wird die Islamische Republik Iran an den Verhandlungstisch zurückkehren? Erst erklärte sie, dass zuerst in Libanon ebenfalls eine Waffenruhe gelten müsse. Dort kämpft die von Iran unterstützte Miliz Hisbollah mit Israel. US-Präsident Donald Trump befahl schließlich auf seinem Netzwerk Truth Social, die Kämpfe einzustellen. Dann erklärte Iran: Man werde an den Verhandlungstisch zurückkehren, wenn die USA ihre Blockade im Golf von Oman beenden.
Dort fängt die US-Marine derzeit Schiffe ab, die aus iranischen Häfen abgelegt haben oder diese anfahren sollen. Zuletzt betraf das die „Touska“, ein unter iranischer Flagge fahrendes Containerschiff, das laut seinem automatischen Identifikationssystem von Port Klang in Malaysia abgelegt hatte.
Am Mittwoch erklärte dann Teheran, man habe zwei Schiffe abgefangen, als sie die Straße von Hormus passieren wollten. Das United Kingdom Maritime Trade Operations Centre (UKMTOC) bestätigt Angriffe auf zwei Schiffe. Über eines schreibt das UKMTOC, das Schiff sei beschossen worden und habe im Wasser gestoppt, die Crew sei in Sicherheit.
Die iranische Führungsebene ist zerrissen
Deeskalation sieht anders aus. Und die USA scheinen bislang nicht gewillt, die Blockade zu beenden. So hatte es Trump zunächst verkündet – aber zuletzt immer wieder sprunghaft neue Entscheidungen publiziert. Entgegen vorherigen Verlautbarungen verlängerte er am Dienstag überraschend die Waffenruhe mit Iran, bis dieser einen „einigenden Vorschlag“ abgebe. Die Zerrissenheit der iranischen Führungsebene ist dokumentiert.
Die US-Blockade trifft Iran kritisch: Die gesamten Ölexporte des Landes sind betroffen, die täglichen finanziellen Verluste aus der Blockade beziffern Analysten auf Hunderte Millionen US-Dollar.
Gleichzeitig wirkt sich die anhaltende iranische Blockade der Straße von Hormus auch auf die Energieexporte der arabischen Golfstaaten und damit auf die Weltwirtschaft aus. Wer blinzelt also zuerst, wem sind die Verhandlungen wichtiger: Iran – oder den USA?
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