Invasive Arten: Teure Besucher
Invasive Arten gefährden nicht nur die Artenvielfalt. Sie verursachen auch wirtschaftliche Kosten, und die sind weitaus höher als gedacht.
Er ist klein, grau, flauschig und echt süß – der Waschbär. Würde er nicht auch so einige Schäden verursachen, beispielsweise an Häusern und Dächern bei der Schlafplatzsuche. Einst aus den USA wegen ihres Pelzes eingeführt, büxten einige in den 1930er Jahren aus und sind heute vor allem in der Mitte Deutschlands verbreitet.
Weil die kleinen Bären hierzulande kaum natürliche Feinde haben, wurden sie selbst zur Bedrohung für heimische Tiere, etwa Jungvögel. Damit sind sie eine von weltweit 3.500 gebietsfremden invasiven Arten.
Invasive Arten breiten sich durch den Klimawandel, Tourismus und Veränderungen in der Landnutzung aus, manchmal werden sie auch ganz bewusst als neues Haustier oder Gartenpflanze mitgebracht.
Neben den Gefahren für die Artenvielfalt verursachen sie immense wirtschaftliche Kosten, indem sie zum Beispiel lokale Nutzpflanzen verdrängen oder fressen und so für Ernteausfälle sorgen. Invasive Arten können Krankheiten übertragen und auch die Infrastruktur beeinträchtigen. Wie groß die Kosten global sind, hat eine Studie in der Fachzeitschrift Nature Ecology & Science untersucht.
Die Studie
Bisherige Forschung hatte sich hauptsächlich auf Daten aus Europa und Nordamerika fokussiert. Durch eine Kostenmodellierung konnte das Studienteam nun Rückschlüsse auf andere Gebiete ziehen und zu einer globalen Einschätzung kommen.
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Das Ergebnis: Weltweit sind die Kosten rund 1.600-mal höher als in vorherigen Untersuchungen angenommen, sie liegen bei schätzungsweise 35 Milliarden US-Dollar pro Jahr in den vergangenen 60 Jahren. Ähnlich hoch also, wie die finanziellen Schäden, die durch Extremwetter- und Naturkatastrophen entstehen.
Auf Europa entfallen etwa 71 Prozent der Kosten. Da die Ergebnisse auf einer Modellrechnung beruhen und nur 162 invasive Arten berücksichtigt wurden, gelten sie als Schätzungen. Dass sie geringer sind als festgestellt, ist aber unwahrscheinlich.
Pflanzen und Insekten sind der Studie zufolge die teuersten Eindringlinge. An der Spitze steht der auch in Deutschland verbreitete Japanische Staudenknöterich. Durch sein starkes Wachstum überwuchert und verdrängt er viele heimische Pflanzen und kann mit seinen Wurzeln sogar Gemäuer durchdringen.
Was bringt’s?
Invasive Arten spielen bei 60 Prozent des weltweiten Verlusts von Biodiversität eine bedeutende Rolle. Die Forscher*innen stellen heraus, dass zwischen dem ersten Aufkommen und den höchsten Kosten circa 50 Jahre liegen. Zeit genug eigentlich, um zu handeln. Wichtig ist vor allem Prävention, da einmal angesiedelte Arten nur schlecht wieder vertrieben werden können.
Auch man selbst kann einen Beitrag leisten, indem man bei Reisen auf blinde Passagiere achtet und den Garten mit heimischen Pflanzen ausstattet.
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