IG Metall-Warnstreiks: Berliner Metallarbeiter legen die Arbeit nieder
Die IG Metall mobilisiert Berlinier Beschäftigte der Metallbranche zum Warnstreik. Eine Reaktion auf ein schäbiges Tarif-Angebot der Arbeitgeberschaft.
Foto: Malte Steinmüller
„Ich habe mal eine Frage an die Arbeitgeber“, sagt ein Mercedes-Mitarbeiter auf einer IG-Metall-Bühne vor dem Daimler-Werk in Marienfelde. „Wollt ihr uns eigentlich verarschen?“ Ungefähr 200 Beschäftigte im Ausstand jubeln ihm zu, blasen in ihre Trillerpfeifen und trommeln.
Die Gewerkschaft IG Metall mobilisiert am Montagmorgen in Berlin und bundesweit zum Warnstreik der Metall- und Elektroindustrie. Seit 9 Uhr steht die Belegschaft der Produktionshallen von Mercedes, Gilette, Schindler und Tepper in der Daimlerstraße im Ausstand.
Eine halbe Stunde später unterbricht auch die Rheinmetall-Belegschaft in Wedding die Arbeit und demonstriert vor den Toren des einstigen Autozulieferers Pierburg in der Schererstraße. Dort stellt der Rüstungskonzern seit gut einem Jahr Geschosshülsen für Artilleriemunition her. Mitarbeiter*innen von Bosch Sicherheitssysteme erscheinen ebenfalls zum Protest.
Aber die Liste der Streikenden ist noch viel länger: Auch die Belegschaften von Siemens Global Energy und Siemens Mobility legen in Berlin am Montag zwischenzeitlich die Arbeit nieder. Was ist hier los?
Angebot für Reallohnverlust
Am vergangenen Donnerstag hatte der Verband der Metall- und Elektroindustrie Berlin-Brandenburg (VME) der IG Metall ein Angebot für die laufende Lohn-Tarifrunde unterbreitet. Die Metall-Arbeitgeberschaft hat sich dafür auch einen tollen Namen ausgedacht: „Stärkung von Standort und Investitionen“, betitelt der Verband seinen Lohn-Vorschlag.
Foto: Malte Steinmüller
Was damit gemeint ist, klingt weniger toll – zumindest für die Belegschaft. Im nächsten Jahr soll sie keine Lohnerhöhung erhalten. Der Verband bietet lediglich eine freiwillige Einmalzahlung der Unternehmen an. Ab dem Juli 2028 plant die Arbeitgeberschaft zwar wieder ein Gehaltsplus. Das soll aber gerade einmal 1,3 Prozent betragen.
Mehrere Wirtschaftsinstitute erwarten in Deutschland für das nächste Jahr eine Inflation von bis zu 3 Prozent. Für 2028 prognostiziert das ifo-Institut weitere 2,3 Prozent. Das Angebot zur „Stärkung vom Standort“ bedeutet für die Belegschaft der Berliner und Brandenburger Metall- und Elektroindustrie also einen deutlichen Kaufkraftverlust in beiden Jahren.
IG Metall fordert 5 Prozent mehr Lohn
Die IG Metall gab deshalb gleich am Freitag bekannt, in den Arbeitskampf zu treten. „Enttäuschend und weltfremd“, nannte Jan Otto, IG Metall-Bezirksleiter für Berlin, Brandenburg und Sachsen, das Angebot. Die Gewerkschaft fordert 5 Prozent mehr Entgelt für 12 Monate für die laut ihren Angaben rund 96.000 Beschäftigten. Außerdem will sie Arbeitsplätze absichern und eine tarifliche Gewinnbeteiligung einfordern.
„Das Leben ist viel schwieriger geworden“, erzählen einige Rheinmetall-Lageristen. „Wir verdienen in der Abteilung so wenig, für uns sind selbst die geforderten 5 Prozent lächerlich.“ Das bedeute gerade einmal das Geld für einen großen Einkauf im Supermarkt.
„Man weiß nicht mehr, wo man noch sparen soll“, erzählt auch eine Mitarbeiterin von Mercedes. Sie habe zwei Kinder und ihr Mann verdiene deutlich weniger Geld. „Mieten, Benzin, Lebensmittel – alles steigt“, sagt sie besorgt. Doch der Lohnkampf sei nicht ihr einziger Konfliktpunkt mit Mercedes. Aktuell beträgt die Vollzeitwoche im Werk 35 Stunden, „doch der Arbeitgeber will, dass wir zukünftig bis zu 40 Stunden bei gleichem Lohn arbeiten“, sagt die Mitarbeiterin.
Die wirtschaftliche Lage der Unternehmen ist sehr unterschiedlich. Die Gewinnmarge von Mercedes hat sich im 3. Quartal halbiert auf 560 Millionen Euro. Für Rheinmetall lief es besser. Das Rüstungsunternehmen hat im Zuge der erhöhten Militärausgaben in Europa im zweiten Quartal ein „Rekordwachstum“ verzeichnet. Davon kommt im VME-Angebot aber nichts bei der Belegschaft an.
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