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Haushaltsentwurf für 2026 Die Staatseinnahmen reichen nicht

Hannes Koch

Kommentar von

Hannes Koch

So schlecht ist der neue Bundeshaushalt nicht. Doch solange Steuern für Vermögende nicht steigen, bleibt das Finanzloch bestehen.

E s gibt immer Aufgaben zu erledigen. Sonst würde man vor Langeweile einschlafen. Diese zugegebenermaßen schlichte Erkenntnis ignorieren diejenigen, die Lars Klingbeils Haushaltsentwurf für 2026 in Grund und Boden kritisieren. Sicherlich gähnen große Löcher in der künftigen Finanzplanung ab 2027. Aber jetzt ist erst einmal anzuerkennen, dass der SPD-Finanzminister der schwarz-roten Koalition für das kommende Jahr einen soliden und plausiblen Etat-Entwurf präsentiert.

Zentralen Herausforderungen wird dieser Finanzplan gerecht. Bisher leiden Bür­ge­r:in­nen und Unternehmen an der Unterfinanzierung der Infrastruktur. Stichwort: Verspätungen bei der Bahn. Endlich sollen nun die nötigen Investitionen kommen. Zumindest teilweise setzt die Regierung auch die richtigen Schwerpunkte. Fast die kompletten Verkehrsinvestitionen aus dem neuen Sondervermögen gehen an die Bahn, nicht an die Autobahn. Geradezu gigantische Summen soll die Bundeswehr erhalten. Einerseits schmerzlich, andererseits nötig wegen Putins Aggressionspolitik und weil sie sich von den autoritär regierten USA unabhängiger machen muss.

Finanziert werden soll das alles mit zusätzlichen Krediten. Anders wäre es zurzeit auch nicht möglich. Zum Glück ist der Spielraum vorhanden, weil die deutsche Staatsverschuldung im erträglichen Bereich liegt.

Parallel enthüllt die Finanzplanung jedoch, dass weitere grundsätzliche Änderungen anstehen. Für 2029 rechnet Klingbeil derzeit mit einem Finanzloch in Höhe von etwa 15 Prozent des Haushaltes. Trotz beträchtlicher Schulden ist der Etat langfristig unterfinanziert. Die Einnahmen liegen zu niedrig, die Ausgaben zu hoch.

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Ersteres betrifft die Steuern: Viele Privathaushalte, die es sich eigentlich leisten können, bezahlen zu wenig, etwa im Rahmen der Erbschaftsteuer. Zweitens geht es um die wachsenden Ausgaben für die Altersrenten: Die Zunahme ließe sich bremsen, indem die Lebensarbeitszeit steigt. Diese und andere Aufgaben geht die Regierung ab 2026 hoffentlich an.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Hannes Koch

Hannes Koch Freier Autor

Geboren 1961, arbeitet im JournalistInnenbüro die-korrespondenten.de in Berlin. Er schreibt über nationale und internationale Wirtschafts- und Finanzpolitik. 2020 veröffentlichte er zusammen mit KollegInnen das illustrierte Lexikon „101 x Wirtschaft. Alles was wichtig ist“. 2007 erschien sein Buch „Soziale Kapitalisten“, das sich mit der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen beschäftigt. Bis 2007 arbeitete Hannes Koch unter anderem als Parlamentskorrespondent bei der taz.
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3 Kommentare

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  • Alex_der_Wunderer

    Wäre der Bundeshaushalt anders ausgefallen, würde die CDU den Finanzminister stellen und die SPD den Kanzler ?

    • Janix

      @Alex_der_Wunderer:

      Indirekt ja. Daher wäre Rot-Schwarz unter Scholz ja interessant gewesen (Und hätte die Union wohl weiter erledigt, aber das wäre jetzt ein anderes Thema).



      Dann wäre die SPD der größere Partner - und die SPD hätte dann eine Alternative gehabt, was beides eine andere Position verschafft.

  • Janix

    Leider wahr. Ein Finanzminister m/w/d, der diesen Namen verdient, hegt Ausgaben ein, sorgt aber vor allem für eine angemessene Steuerbasis.



    Auch aus sozialen Gründen brauchen wir die Entpausierung der Vermögenssteuer, greifende Regelungen bei Erbschaft und Extrem-Einkommen - statt der jetzigen Privilegien des Kapitalfeudalismus.