Handys an Schulen: Drei Bundesländer verschärfen die Handyregeln
Sachsen und Bayern weiten das Handyverbot aus. Und in Rheinland-Pfalz zeigt die Neubesetzung des Bildungsministeriums Wirkung.
Foto: Christian Beutler/Keystone/imago
Im neuen Schuljahr gelten in Sachsen, Bayern und Rheinland-Pfalz strengere Regeln für Handys und Smartphones an öffentlichen Schulen. In Sachsen und Bayern galt bislang – wie in anderen Bundesländern – schon ein Verbot privater Geräte an Grundschulen. Das wird nun auf die weiterführenden Schulen ausgeweitet, bis einschließlich der siebten Klasse in Bayern. In Sachsen, wo das Schuljahr kommende Woche startet, sogar bis einschließlich der achten Klasse.
Sachsens Bildungsminister Conrad Clemens (CDU) begründet den Schritt am Montag auch mit den positiven Erfahrungen, die sein Land mit dem Handyverbot an Grundschulen gemacht habe: Viele würden jetzt erst feststellen, wie sehr die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit gelitten hätten. Auch das soziale Miteinander sei verloren gegangen. Clemens kündigte an, dass es neben dem Verbot auch weitere Maßnahmen wie den neuen „Medienpass“ für Schüler:innen gebe, um auf die Gefahren von Social Media & Co einzugehen.
Bayerns Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) stellte kürzlich gar eine „Offensive für mehr digitale Balance bei Kindern und Jugendlichen“ vor. Neben der Ausweitung des Handyverbots sollen Grundschüler:innen künftig einen „Chat-Kompass“, ältere Schüler:innen einen „Social-Media-Kompass“ machen können. Stolz versprach, die Medienbildung im Zuge der laufenden Lehrplanüberarbeitung weiter zu stärken.
In Rheinland-Pfalz soll es ab Februar 2027 ein Handyverbot für Schüler:innen bis einschließlich der zehnten Klasse geben. Bisher gelten so strenge Regeln nur in Bremen und Hessen. Die Verzögerung begründete Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig (CDU) vergangenen Donnerstag mit „Abstimmungen in der Regierungskoalition“ des Landes. Amtsvorgänger Sven Teuber (SPD), der im Mainzer Kabinett nun für Kommunen, Bauen, Wohnen und Kultur zuständig ist, hatte sich noch gegen ein generelles Verbot ausgesprochen – und damit bei den Schüler:innen gepunktet.
Schüler:innen kritisieren Verschärfungen
Ein pauschales Verbot greife zu kurz und ersetze keine pädagogischen Konzepte, sagte etwa eine Sprecherin der Landesschülerinnen- und Landesschülervertretung (LSV) auf die Pläne Eiling-Hütigs. Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Jugendlichen bundesweit gegen ein striktes Verbot ist. Auch in Sachsen gibt es Kritik an den schärferen Regeln. Aus Sicht der stellvertretenden Vorsitzenden der GEW Sachsen, Claudia Maaß, ist das „reine Profilierungspolitik“. Ungeklärt sei etwa, wer das Handyverbot im Schulalltag durchsetzen solle. Maaß verwies auf Unterrichtsausfall, Personalmangel und steigende Belastungen der Kollegien.
Im Gegensatz zu dem geplanten bundesweiten Social-Media-Verbot gibt es derzeit keine Pläne für deutschlandweit einheitliche Regeln im Umgang mit Smartphones & Co an Schulen. Hessens Bildungsminister Armin Schwarz (CDU) hatte vergangenes Jahr versucht, seine Amtskolleg:innen zu so einem Schritt zu bewegen, scheiterte aber mit seinem Vorstoß. Manche Länder wie Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen überlassen nach wie vor jeder Schule selbst, wie sie mit Handys an Schulen umgehen.
Ob und wie stark Smartphones die Schüler:innen im Unterricht ablenken, ist bislang noch nicht ausreichend erforscht. Unstrittig sind hingegen die Gefahren von Social Media und zu langen Bildschirmzeiten. Die Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“, die im Auftrag von Bundesfamilienministerin Prien im Juni insgesamt 56 Maßnahmen vorlegte, spricht sich auch für ein bundesweites Handyverbot bis einschließlich Klasse sieben aus.
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