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Jugendliche sollen den Inhaber des Ladens für Revolutionsbedarf mehrfach mit Reizgas besprüht haben. Dieser hatte ein Plakat vom Nova-Festival aufgehängt

Von Peter Nowak

Hans Georg Lindenau, der in Szenekreisen nur HG genannt wird, ist seit Jahren ein Symbol des rebellischen Kreuzberg, das auch in dem Stadtteil immer mehr verschwindet. Sein Gemischtwarenladen mit Revolutionsbedarf war ein Anlaufpunkt für Linke, und für Nachbar*innen. Doch jetzt hat auch HG der Nahostkonflikt eingeholt. Gleich zweimal wurde HG in seinen Laden von einer Gruppe von Jugendlichen angegriffen. Das berichtet er der taz.

Am 7. Oktober gegen 19.20 Uhr hätten 5 bis 6 Jugendliche den 67-jährigen Rollstuhlfahrer in seinem Laden mit Pfefferspray besprüht und ihn beleidigt. „Am nächsten Tag erschienen die Jugendlichen gegen 19 Uhr erneut im Laden und haben wieder mit Pfefferspray gesprüht“, sagt er. Nachdem er laut um Hilfe geschrien habe, seien die Angreifer verschwunden. Doch wenige Minuten später kehrten sie zurück und schlugen mit Feuerlöschern auf sein Gesicht ein, was eine blutende Wunde verursachte. Am Freitagabend beobachten Passant*innen, wie sich 8 Jugendliche mit E-Scootern vor dem Laden von HG versammeln und die Eingangstür beschädigten. HG verständigte die Polizei.

Den Anlass für die Überfallserie sieht HG in einen Flugblatt, das er seit Anfang Oktober vor seinen Laden geklebt hat. Unter der Überschrift „Kampf gegen Judenfeindschaft“ wird dort Solidarität mit den Opfern des Nova-Festivals ausgedrückt. Am 7. Oktober 2023 hatten Mitglieder der Hamas und ihre Verbündeten das Festival überfallen und Besucher*innen misshandelt und ermordet. Das Flugblatt zeigt zwei Fotos, auf denen die Tafel der Getöteten zu sehen ist. Daneben steht die Parole „Wir werden wieder tanzen“. Sie stammt von Überlebenden des Festivals, die damit deutlich machten, dass sie sich dem Terror nicht beugen wollen. HG hatte das Flugblatt bei den kleinen linken Verlag Oda Benario bestellt, der israelsolidarische Materialen verbreitet.

„Ich habe diese Plakate neben einer Einladung zum Tag der offenen Tür in den Berliner Moscheen am 3. Oktober geklebt, um deutlich zu machen, dass ich mich dafür einsetze, dass jüdische und muslimische Menschen friedlich zusammenleben und feiern können sollen“, begründete HG die Plakataktion.

Wenige Minuten später kehrten sie zurück und schlugen mit Feuerlöschern auf sein Gesicht ein

Unmittelbar danach begannen die Bedrohungen. „Seit dem 3. Oktober kam die Gruppe von mindestens 5 Jugendlichen täglich in meinen Laden. Sie machten deutlich, dass sie nicht in friedlicher Absicht kamen. Doch ich schrie so laut, dass sie verschwanden“, berichtet HG. Er hält es auch für keinen Zufall, dass die Jugendlichen am 7. Oktober, dem Jahrestag des Hamas-Überfalls, zuschlugen. HG vermutet, dass die Angreifer aus einem islamistischen Umfeld kommen.

Mittlerweile hat die Abteilung Politischer Staatsschutz beim LKA die Ermittlungen übernommen. HG, der bereits im letzten Jahr Opfer einer Überfallserie war, hofft aber auch auf Unterstützung von solidarischen Kund*innen. „Ich brauche Geld, um die von den Angreifern zerstörte Tür zu reparieren. Die Versicherung übernimmt die Kosten nicht“, sagt er.