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Greenpeace-Expertin über Ukraine„AKWs haben sich als sehr verwundbar erwiesen“

Greenpeace-Expertin Kolodiazhna hält neue Atomkraftwerke in der Ukraine für kaum realistisch. Erneuerbare Energien hingegen seien im Krieg widerstandsfähiger.

Bernhard Clasen

Interview von

Bernhard Clasen

taz: Frau Kolodiazhna, die Ukraine will die Atomenergie ausbauen. Wie stehen Sie dazu?

Polina Kolodiazhna: Ich halte das aktuell für kaum realistisch, vor allem im Krieg. Atomkraftwerke haben sich in dieser Situation als sehr verwundbar erwiesen. Kein Reaktor wurde dafür ausgelegt, unter Kriegsbedingungen zu funktionieren oder direkten Angriffen standzuhalten. Das hat man besonders deutlich gesehen, als das AKW Saporischschja 2022 besetzt wurde. Zentrale Energiesysteme sind in solchen Situationen extrem anfällig.

taz: Wie wollen Sie dann die Stromversorgung sichern?

Im Interview: Polina Kolodiazhna

Die 38-Jährige ist Programmleiterin im Energiebereich bei Greenpeace Ukraine. Sie ist Initiatorin des Projekts „Solarinstallateurin“, das Frauen zu Installateurinnen von Solaranlagen ausbildet.

Kolodiazhna: Wir von Greenpeace setzen auf dezentrale Energieversorgung, vor allem auf Solarenergie und andere erneuerbare Quellen. Diese Systeme sind flexibler, schneller installierbar und können Gemeinden direkt versorgen, auch unabhängig vom großen Netz. Selbst wenn einzelne Komponenten etwa bei einer Solaranlage beschädigt werden, liefern die übrigen Module weiterhin Strom. Zugleich sind sie dezentral organisiert und können direkt vor Ort installiert werden, beispielsweise auf den Dächern von Krankenhäusern oder Wohnhäusern.

taz: Unterstützt die Gesellschaft erneuerbare Energien?

Kolodiazhna: Heftige gesellschaftliche Debatten zu erneuerbarer Energie mit einer starken Polarisierung wie in manch anderen Ländern hat es in der Ukraine nie gegeben. Im Gegenteil: Allmählich setzt sich das Bewusstsein für die Bedeutung dezentraler und grüner Energie durch.

taz: Ist das eine Folge der konkreten Erfahrung, wie angreifbar zentrale Energiekonzepte sind?

Kolodiazhna: Die Menschen erkennen, dass eine dezentrale, grüne Energieversorgung ihre Sicherheit, Unabhängigkeit und Widerstandsfähigkeit gegenüber russischen Angriffen stärkt. Patienten gewinnen mehr Vertrauen, dass ein Arzt sie im Notfall behandeln kann. Eltern wissen, dass ihre Kinder auch bei Stromausfällen zur Schule und in den Kindergarten gehen und in Verbindung bleiben können.

taz: Auf welchen Ebenen werden die Entscheidungen getroffen?

Kolodiazhna: Viele Entscheidungen zu erneuerbaren Energien werden vor Ort in den Kommunen getroffen. Sie werden vor Ort in den Kommunen und in der Verantwortung der Kommunen produziert. Wenn eine Windkraftanlage oder eine Solaranlage vor Ort betrieben wird, entsteht ein Gefühl von Sicherheit und Unabhängigkeit: Die Menschen wissen, dass ihre Energieversorgung auch morgen und übermorgen gewährleistet ist. Diese Stärkung von Gemeinden ist deshalb ein zentraler Aspekt. Das fördert die aktive Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern sowie Kommunen. Die Menschen fühlen sich somit mitverantwortlich für diese Energien.

taz: Wie sehr glauben Sie, dass sich die Energiewende durchsetzt?

Kolodiazhna: Ich halte sie für umsetzbar, auch wenn es Zeit braucht. Studien zeigen, dass bereits ein sehr kleiner Teil der geeigneten Flächen ausreichen würde, um den Energiebedarf der Ukraine zu decken. Außerdem sehen wir bereits konkrete Fortschritte: Gemeinden, Krankenhäuser und Unternehmen installieren zunehmend Solaranlagen. Langfristig kann die Ukraine mit Speichersystemen und moderner Infrastruktur sogar vollständig auf erneuerbare Energien umsteigen.

taz: Und wo sind die Hindernisse?

Kolodiazhna: Die größte Herausforderung ist aktuell die enorme Nachfrage. Viele Produzenten können die Nachfrage kaum bewältigen. Hinzu kommen praktische Schwierigkeiten wie begrenzte Kapazitäten, Lieferengpässe und die komplexe Umsetzung in dicht bebauten Städten. Auch der Umbau des gesamten Energiesystems ist natürlich eine langfristige Aufgabe, die Investitionen und Planung erfordert.

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1 Kommentar

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  • Ein bisschen irritiert mich der Artikel, denn er beginnt damit, dass die Ukraine Atomenergie ausbauen will. Was ich sogar vollkommen unabhängig vom Krieg unzeitgemäß und verantwortungslos finde; wer immer noch Atomkraftwerke baut, ist Atomkraftromantiker und verweigert die Realität, da immer nochmal auf unserem gemeinsamen Kontinent kein zuverlässiges und zukünftigen Generationen ihre Sicherheit garantierendes Endlager oder irgendein Konzept von Verwahrungssystem für radioaktiven weder schwachen, noch starken Atommüll existiert, selbst!



    Wird sich schon irgendwie ergeben, gell?! Selbst wenn man die Sicherheit der AKWs 100 % garantieren könnte. Se muss nicht mal Ahsicht zum Schaden sein, menschliche Fehler reichen aus oder zunehmende Naturkatastrophen. Abgesehen von zukünftigen Dürren und sinkenden Wasserstand der Gewässer, die als Kühlwasser an ihren Ufern herhalten müssen.



    Gut.



    Und dann erweckt der Text aber den Eindruck, dass es eingehends nicht um neue Atomkraftwerke, sondern um Energiewende und den Ausbau Erneuerbarer, der gerade betrieben würde, handelt. Obwohl doch AKWs gebaut werden sollen. Klingt etwas wie Überzeugungsarbeit gegen Atomkraft gerichtet an Ukrainer in der taz