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Gestoppte KI-Rechenzentren New York wehrt sich

Kommentar von

Raoul Spada

KI-Rechenzentren verschlingen irre viel Energie und pusten Dreck in die Luft. Der US-Staat New York beschließt deswegen ein Moratorium. Ein Vorbild für Europa?

W ie viel Strom, wie viel Wasser zieht ein KI-Rechenzentrum aus den Netzen? Wie viele Schadstoffe und CO2 werden dafür wieder abgegeben? Weil diese Fragen nicht leicht zu beantworten sind, hat der Bundesstaat New York am Dienstag ein Moratorium erlassen: Keine neuen „Hyperscaler“ sollen hier entstehen, also Rechenzentren mit einem Energiebedarf von über 50 Megawatt – ein Jahr lang, um die Steuerzahler:innen, die Umwelt und das Stromnetz zu schonen, wie es in einer Erklärung heißt.

Wer sich die geplanten Rechenzentren auf einer Karte anschaut, sieht ein Panorama des Booms. Zahllose neue Zentren sollen in den USA entstehen. Diese bieten reichlich Anlass für Moratorien, wenn nicht gleich für handfesten Widerstand vor Ort: An­woh­ne­r:in­nen leiden vielerorts unter der Abwärme, dem Lärm und den Emissionen der Dieselgeneratoren und Gasturbinen, mit denen viele der Zentren betrieben werden.

Was auf dem Papier zuerst nur eine Notlösung war, droht zum Dauerzustand zu werden: In Mississippi etwa pustet das Rechenzentrum Colossus 2 mit seinen Gasturbinen jährlich geschätzte 2.500 Tonnen Stickoxide, 4.000 Tonnen Kohlenstoff und 22 Tonnen Formaldehyd in die Luft, um Elon Musks xAI zu betreiben. Eine saubere Abschätzung der Umweltfolgen vor dem Bau hätte das vielleicht verhindern können.

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In Deutschland sieht es zwar weniger düster aus. Aber blindes Vertrauen ist auch hierzulande nicht angesagt. Bis 2030 will die Bundesregierung die Rechenkapazität verdoppelt haben. Statt Moratorien zu beschließen oder die Betreiber von Rechenzentren stärker in die Mangel zu nehmen, kommt sie diesen weit entgegen.

Mit einer Novelle des Energieeffizienzgesetzes verkürzt sie gerade Genehmigungsverfahren, schwächt Transparenzregeln ab und setzt wichtige Vorgaben aus. Dazu mal was Positives: Eine kleine Initiative im Maintal bei Frankfurt hat gerade das erste vollständig fossile Rechenzentrum Europas verhindert – inklusive des dazu geplanten Gaskraftwerks.

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Raoul Spada

Jahrgang 1992, ist Co-Ressortleiter und Themenchef im Online-Ressort der taz.
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9 Kommentare

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  • Wäre nur glaubhaft, wenn dann alle Menschen im US-Staat New York auch auf die Nutzung von KI verzichten müssten. Und auch nur dann würde man erfahren, wie die Menschen das tatsächlich finden würden. Andernfalls nur wirkungsloses Schauspiel.



    Ähnlich wie Atomausstieg, aber weiter Atomstrom importieren.



    Oder gegen Fracking sein, aber Fracking-Produkte importieren.



    Und Vorbild für Europa? Die Rechenzentren werden entstehen. Wenn nicht hier, dann in China mit Kohlestrom.



    Dann besser hier. Allerdings nicht in Deutschland. Wir haben als "Vorreiter" der Energiewende ja leider so mit den schmutzigsten Strom in Europa.



    Also eher Norwegen, Island oder so.



    Oder gleich im All, wie Elon Musk das plant.

  • Dann wird sich wahrscheinlich New Jersey über weitere Rechenzentren freuen können.



    Hier in Rhein/Main schiessen die Rechenzentren auch wie Pilze aus dem Boden. Ob in Offenbach, Hanau oder Dietzenbach, überall werden neue Zentren gebaut. Ich bin darüber zwiegespalten, einerseits freut es mich für die Arbeitsplätze (jetzt im Baugewerbe, danach in der IT-Industrie), andererseits wird dafür immer mehr Strom benötigt. Alleine in der Stadt Offenbach werden drei Hochspannungsumspannwerke (110 KV) erweitert oder neu gebaut, um die Stromversorgung sicher zu stellen. Und direkt auf dem Kraftwerksgelände der EVO stehen schon seit mehreren Jahren zwei große Rechenzentren, die wohl weiter ausgebaut werden. Die sitzen im doppelten Sinne an der Quelle: einerseits an der Stromquelle Kraftwerk und andererseits direkt am größten europäischen Internetknoten DE-CIX Frankfurt bzw. sind sogar ein Teil des Knotens.

  • New York probt gerade, wie man ohne zahlungskräftige Steuerzahler auskommt und ohne moderne Infrastruktur, die die Firmen brauchen.

    Ich hole schon mal einen Tee und Popcorn.

    • @Herbarius Zunichten:

      Weil es ohne Rechenzentren keinerlei Steuern und neue Infrastruktur mehr gibt? Gehts noch ein bisschen übertriebener?

  • Viele der laufenden Bauprojekte stehen still und haben noch gar nicht gestartet. Es bleibt abzuwarten, wie viele von den angekündigten KI-Rechenzentren wirklich gebaut werden und wie viele nicht. Mit anderen Worten: Wie groß ist der Hype und wie groß ist die materielle Realität dahinter. Viele KI-Geschäfte der KI-Unternehmen sind entweder "circle deals" oder nur Absichtserklärungen.

  • aha, jeder will streamen und KI nutzen (sinnvoll oder weniger , das wäre eine andre Frage) aber keiner will die Rechenzentren. Und Deutschland verbietet sie, was natürlich eine Vogel-Strauß-Politik darstellt und uns nur weiter ine Hintertreffen befördert. Hier sollte man fortschrittlich denken, wie können wir Rechenzentren ökilogisch besser aufstellen und eine Führungs- anstelel einer Verweigerungsrolle einnehmen? positive thinking, den Fortschritt annehmen und nutzen anstelle die gute Welt vor der Digitalisierung herbeizwingen zu wollen. Eigentlich ist das eine extrem konservative Einstellung.. und, es wird nicht funktionieren

  • Was für ein irrsinniger Zirkus. Man könnte nur noch lachen, wenn es nicht so tragisch wäre.

  • Es ist leider ein denkbares Szenario: KI-Filmchen und -Hirnpaten fressen den Fortschritt der Erneuerbaren Energien exponentiell auf, schlürfen das Wasser und rülpsen CO2.



    Gut, dass gemeinschaftlich die Bremse genutzt wird. Angemessen hohe Energie- und Verschmutzungspreise weltweit könnten der nächste Schritt sein, um bewusster damit umzugehen. KI könnte ja auch Sinnvolleres machen als die Hausarbeit von Lea-Sofie verfassen, den P*rno von Stefan anpassen, Megalomanen zu dienen o.ä.

    • @Janix:

      Nun, da haben Sie ja jetzt alle negativ aufgeladenen Vorurteile aufgelistet. Es gibt allerdings gute Gründe für KI. Jeder der KI aktiv und zielgerichtet für sein Arbeitsleben nutzt, kann das bestätigen. Den Versuch KI aufzuhalten ist nicht weniger als gegen Windmühlen anrennen. Man sollte sich lieber die Frage stellen, woher die Energie für die KI kommt. Man kann auch über CO2-Auflagen für KI nachdenken. Aber dieses einseitige schlechtreden führt zu nichts. Immerhin ist der KI-Zug für Deutschland schon mehr als deutlich abgefahren. Von daher ein Fragestellung auf die wir keinen Einfluss mehr haben.