Ökobilanz von Rechenzentren: Europas Rechenzentren sind klimafreundlicher als US-Pendants
Wo werden Rechenzentren mit fossilem Strom betrieben, wo mit saubererem? Eine neue Studie bringt Licht ins Dunkel.
Rechenzentren in Europa sind weniger klimaschädlich als ihre Pendants in den USA. Das ist das Ergebnis einer Studie des Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace. Demnach verursachen hiesige Rechenzentren nur etwas mehr als halb so viele Emissionen pro Kilowattstunde. In Ländern, die vor allem auf fossile Energieträger setzen, wie China und Indien, seien die Emissionen noch einmal höher.
In der Studie haben die Wissenschaftler:innen die Stromquellen von rund 6.700 Rechenzentren weltweit untersucht und die CO2-Emissionen anhand des lokalen Strommixes berechnet. Greenpeace zufolge ist es die erste Untersuchung dieser Größenordnung.
Einer im Juni veröffentlichten UN-Untersuchung zufolge werden Rechenzentren im Jahr 2030 voraussichtlich 945 Terawattstunden an Strom verbrauchen. Im vergangenen Jahr waren es rund 450 Terawattstunden, also weniger als halb so viel. Wie klimaschädlich diese Entwicklung wird, hängt nicht nur davon ab, wie viele neue Rechenzentren tatsächlich gebaut werden – sondern auch, aus welchen Energiequellen der Strombedarf gespeist wird.
„Dieser Boom beim Ausbau von Rechenzentren muss mit einem adäquaten Zubau an erneuerbaren Energien einhergehen“, sagt Mauricio Vargas von Greenpeace. Dass die USA im Vergleich zu Europa so schlecht abschneiden, hänge auch damit zusammen, dass unter Präsident Donald Trump der Bau neuer fossiler Kraftwerke so billig geworden sei. Daher entstünden hier viel neue Kapazitäten. „Und Rechenzentren werden da gebaut, wo es günstigen Strom gibt.“
Das Drumherum spielt eine Rolle
Die Autoren der Studie empfehlen sieben Maßnahmen, um die klimaschädlichen Auswirkungen im Rahmen zu halten. Als Erstes müsse geprüft werden, was tatsächlich an digitalen Anwendungen nötig sei, statt einfach grenzenlos auszubauen. Als Zweites müssten Soft- und Hardware auf möglichst geringen Energieverbrauch designt sein. Drittens sei es auch wichtig, auf die Gebäude zu achten. Neben dem eigentlichen Betrieb der Rechner braucht es zusätzliche Energie, um sie zu bauen und zu betreiben, diese Nebenverbräuche gelte es so gering wie möglich zu halten.
Mauricio Vargas, Greenpeace
Viertens müssten die Staaten auf CO2-arme Energiequellen setzen. Wer etwa als Unternehmen oder Organisation ein Rechenzentrum für seine Dienste auswählt, könne bewusst CO2-ärmere Anbieter wählen. Ein Vorteil sei es fünftens, wenn ein Rechenzentrum direkt mit einer erneuerbaren Energiequelle, zum Beispiel einem Windpark, verbunden sei. Sechstens solle die Abwärme genutzt werden. Und nicht zuletzt befürworten die Autoren eine Speicherung von erneuerbar erzeugtem Strom in Batteriespeichern, um diesen dann nachts oder bei Flauten verbrauchen zu können.
Vargas kritisiert, dass die Diskursverschiebung, die in den USA schon stattgefunden hat, auch in Europa immer stärker werde: „Der Bau neuer Rechenzentren wird als relevanter erachtet als die Klimaziele.“
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