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Geld für kleine VerlageHamburg öffnet die Schatulle

Weil sie zur Vielfalt von Meinungen und Perspektiven beitragen: Als erstes Bundesland fördert Hamburg die Arbeit kleiner Verlage.

Mit bis zu 700.000 Euro jährlich werden „ausgewählte Programme“ konzernunabhängiger Verlage unterstützt Foto: Chinch Gryniewicz/plainpicture

Als erstes Bundesland führt Hamburg eine Förderung für unabhängige Buchverlage ein. Mit bis zu 700.000 Euro jährlich werden „ausgewählte Programme“ konzernunabhängiger Verlage unterstützt. Diese trügen „entscheidend zur Vielfalt von Meinungen und Perspektiven im öffentlichen Diskurs bei“, sagte Kultursenator Carsten Brosda (SPD) am Dienstag. Volker Petri, Geschäftsführer des Branchenverbands Börsenverein Nord, freute sich: „Dieses Programm setzt bundesweit Maßstäbe.“

Und das „nicht, weil wir das alleine machen wollen“, so Brosda. Es zeige sich aber eine gemeinsame Lösung von Bund und Ländern, „als zäh bis nicht aussichtsreich“. Begünstigt hat den Vorstoß eine Hamburger Besonderheit: Am drittgrößten Verlagsstandort – nach Berlin und München – sind die Unternehmen Sache des Kulturressorts, überall sonst kümmert sich die Wirtschaftspolitik.

Gefördert werden „spezifische Programme“ beziehungsweise „Programmsegmente“, es entscheide keine Jury über einzelne Bücher, führte Brosda aus – man musste es als Anspielung lesen auf den jüngsten Umgang mit Jury-Entscheidungen auf dem literarischen Feld. Die Höhe der Förderung bemisst sich am Jahresumsatz und liegt zwischen 10.000 und 25.000 Euro.

Sachbuch oder Belletristik als Grundlage

Pro Förderrunde können bis zu 40 Verlage profitieren. Ihr Jahresumsatz darf maximal zwei Millionen Euro betragen, sie müssen seit mindestens drei Jahren in Hamburg ansässig sein. 75 Prozent ihrer Einnahmen müssen sie mit Sachbuch oder Belletristik erwirtschaften, mindestens drei selbstständige Publikationen pro Jahr müssen sie verantworten.

Daneben gibt es in der Richtlinie durchaus inhaltliche Kriterien: Wer ausschließlich Erotik oder auch Esoterik verlegt, ist aus dem Rennen. Ebenso „publizistische Vorhaben, die gewaltverherrlichende bzw. -verharmlosende, volksverhetzende, pornografische oder rassistische bzw. antisemitische Inhalte bzw. Begriffe zum Gegenstand haben“.

Das Instrument trifft auf eine Branche, die vor erheblichen Herausforderungen stehe, betonten Brosda und Petri. Zwei Prozent der Unternehmen machen rund zwei Drittel des Gesamtumsatzes, 79 Prozent der Verlage setzen weniger als eine Million Euro um. Es stünden keine Summen bereit, für die jemand eigens einen Verlag gründen dürfte, so Brosda. Aber sie erlaubten es, auch mal ein Risiko einzugehen.

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