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„Friedensplan“ für GazaDie Waffen schweigen nicht

Aus Florida verkünden Donald Trump und Benjamin Netanjahu, nun die zweite Phase des Gaza-Abkommens umsetzen zu wollen. Wie sieht es vor Ort aus?

Auf dem T-Shirt dieses israelischen Soldaten steht „Hamasjagdklub“ Foto: Ohad Zwigenberg/AP

Es war schon visuell bezeichnend, wie der israelische Premier Benjamin Netanjahu und US-Präsident Donald Trump vergangenen Montag in Florida mit gleichfarbigem blauem Anzug und karminroter Krawatte nebeneinanderstanden. Trump erklärte, dass Israel hundertprozentig seinen sogenannten Friedensplan für Gaza erfüllt habe. Netanjahu lobte Trump als „besten US-Präsidenten in der Geschichte Israels“.

Einig war man sich auch darin, dass die erste Phase des Waffenstillstands in Gaza praktisch erledigt und nun möglichst schnell zur zweiten Phase überzugehen sei. Und wenn es überhaupt einen Stolperstein bei der Umsetzung des Gazaplans gäbe, auch da war man sich einig, dann sei das die Hamas, die in der zweiten Phase so schnell wie möglich entwaffnet werden müsse. Wenn das nicht geschähe, würde sie teuer bezahlen, kündigte Trump an. Worüber die beiden Staatschefs kein Wort verloren: einen Rückzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen und eine mögliche palästinensische Selbstverwaltung. Eine solche, die den Weg zu einer palästinensischen Staatlichkeit ebnen würde, sah der ursprüngliche 20-Punkte-Plan für Gaza vor.

Aber ist die erste Phase des Waffenstillstands tatsächlich abgeschlossen? Eigentlich, so der Plan, sollten dann alle israelischen Geiseln lebendig oder tot übergeben worden sein. Das ist bis auf einen Fall geschehen. Eigentlich sollten die Waffen schweigen. Das ist definitiv nicht geschehen. Seit der Waffenstillstand im Oktober in Kraft trat, wurden von der israelischen Armee nach palästinensischen Angaben 440 Menschen, darunter 70 Kinder, getötet.

Die meisten, weil sie sich der sogenannten Gelben Linie näherten, also jener imaginären Markierung, hinter der die israelische Armee noch über die Hälfte des Gazastreifens besetzt. Auch drei israelische Soldaten wurden in dieser Zeit getötet. Laut Angaben des palästinensischen Medienbüros habe es in Gaza durch Israel fast tausend Verletzungen des Waffenstillstands gegeben. Andere Quellen dazu gibt es nicht, da dieser Waffenstillstand nicht unabhängig überwacht wird.

wochentaz

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Angst und Verwirrung

Auch eine zweite Abmachung für die erste Phase ist bisher nicht erfüllt: Der Gazastreifen sollte mit mindestens 500 bis 600 Lkws pro Tag versorgt werden. Davon ist man weit entfernt. Nicht einmal winterfeste Behausungen wurden in annähernd ausreichendem Maß hineingelassen. Zuletzt verkündete die israelische Regierung, 37 Hilfsorganisationen, darunter Ärzte ohne Grenzen, die Lizenz zur Arbeit im Gazastreifen entziehen zu wollen.

Die Menschen im Gazastreifen fühlen sich in diesem Zustand wie im falschen Film. Auf der politischen Bühne ist die Rede von Frieden und Waffenstillstand, sie aber hören noch immer täglich Explosionen und Schüsse. „Während die Führungen der Welt da draußen über den ‚Tag danach‘ und über ihre Friedenspläne diskutieren und über unser Schicksal entscheiden, verbleiben wir in den Tiefen der Unbekannten und gehen unter in der Angst und der Verwirrung, die dieser Krieg verursacht“, schreibt die palästinensische Autorin Aya al-Hattab für den britischen Guardian aus dem Gazastreifen. „Wir sind gefangen in einem unendlichen Labyrinth des Wartens: darauf, dass unser Leid aufhört, darauf, dass unser Leben wieder beginnt und dass vor allem der Tod endlich endet“, fügt sie hinzu.

Diese Realität ist weit weg von den beiden Herren in ihren blauen Anzügen und roten Krawatten. Sie wollen jetzt zur zweiten Phase des Abkommens übergehen, und das bedeutet für sie eigentlich nur eines: die Entwaffnung der Hamas. Netanjahu verknüpft damit jeden Fortschritt im sogenannten Waffenstillstand, während die Hamas erst einen vollkommenen Rückzug der israelischen Armee fordert, der ebenfalls im Abkommen festgehalten ist. Damit sie sich entwaffnen lässt, müsse es erst echte Fortschritte hin zu einer palästinensischen Staatlichkeit geben. Solange Israel palästinensisches Gebiet besetzt, habe sie das Recht auf bewaffneten Widerstand, argumentiert die Hamas.

Trump und Netanjahu planen trotzdem schon weiter. Mit den anderen regionalen Garantiestaaten und Vermittlern des Abkommens, Ägypten, der Türkei und Katar, spricht der US-Vermittler Steve Witkoff über mögliche Mitglieder einer palästinensischen Technokratenregierung, die unter der Schirmherrschaft von Trumps Friedensrat den Gazastreifen nach der Hamas verwalten soll. Doch von Israel akzeptiert und gleichzeitig unter den Palästinensern in Gaza anerkannt zu werden – das ist kaum möglich.

Die Medienkarawane zieht weiter

Unrealistisch ist auch die Idee von Trump und Netanjahu, Truppen in den Gazastreifen zu schicken, die die Hamas entwaffnen. Diese Aufgabe sollen ausgerechnet Soldaten arabischer und islamischer Länder erledigen. Zu einem robusten Mandat, mit dem diese Truppen die Hamas notfalls mit Gewalt entwaffnen, ist jedenfalls keines der Länder bereit. Ohne echte Maßnahmen hin zu einer palästinensischen Staatlichkeit, die Netanjahu strikt ablehnt, würden diese Truppen sofort als ein Teil der fortgesetzten israelischen Besatzung des Gazastreifens begriffen. Hinzu kommt, dass sich über die Truppenzusammenstellung nicht einmal Trump und Netanjahu einig sind. Der US-Präsident möchte türkische Truppen involvieren, der israelische Premier hat dagegen bisher sein Veto eingelegt.

Für viele Menschen im Gazastreifen stellt sich die derzeitige Lage fast wie eine weitere Form des Kriegs dar. Manche sprechen von der „Libanisierung“ des Gazastreifens. Auch im Libanon wurde vor über einem Jahr ein Waffenstillstand vereinbart. Die israelische Armee sollte sich vollständig zurückziehen, der libanesische Staat die Hisbollah entwaffnen. Die schießt seitdem nicht mehr nach Israel, behält aber ihre Waffen.

Und die israelische Armee hält bis heute Positionen im Südlibanon, beschießt regelmäßig Ziele im ganzen Land und fordert die Entwaffnung der Hisbollah. Netanjahu hofft, dass andere fortführen, was seine eigene Armee nicht erledigen konnte. Vielleicht ist das die Blaupause für die Zukunft des Gazastreifens? Man spricht international vom Waffenstillstand, während tatsächlich ein Zermürbungskrieg im Gange ist. Zumindest eines scheint dabei schon zu funktionieren: Der Fokus hat sich von Gaza abgewendet. Die Medienkarawane zieht weiter.

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41 Kommentare

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  • "... einen Rückzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen ..."

    In diesem Fall gehe ich davon aus, dass der 07.10.23 baldmöglichst wiederholt werden würde, da die gazanische Regierung, ihre Kämpfer und Anhänger, meinem Eindruck nach, ihre Grundhaltung nicht ausreichend überdacht haben.

    "... und eine mögliche palästinensische Selbstverwaltung."

    Nach 2005 konnten sie sich in Gaza selbst verwalten und hätten zeigen können, dass es ihnen nicht nur darum geht, Israel und jegliches jüdische Leben zu vernichten.



    Ja, "irgendwann" begann die Blockade durch Israel; dieser gingen jedoch Anschläge und Raketenangriffe aus Gaza voraus.

    Schade, dass Ägypten Gaza nicht mehr will; Ägypten scheint sich zu einem vernünftigen Nachbarn und Partner Israels entwickelt zu haben.

  • "Die Medienkarawane zieht weiter." Stimmt leider genau, bitter für Gaza. Die Medien kommen bei den täglichen Katastrophen und Eilmeldungen kaum hinterher, der Leser/Zuschauer auch.



    Trump regiert die (westliche) Welt, wie es ihm gefällt und er wird Netanjahu vollkommen freie Hand lassen.



    Die Hamas, Hisbollah & Co. haben mit Terror und Weigerung, die Waffen niederzulegen, dazu beigetragen, dass die Sympathien für einen Palästinenserstaat schwinden.



    Wenn die Hamas klug wäre, würde sie zugunsten der Gazaner auf Waffen verzichten. US Army und IDF stehen schon in den Startlöchern für die nächste Intervention, und die Hamas kann nur verlieren.

    • @chat cat:

      Die Hamas müsste nicht nur klug sein, sie müsste sich auch noch für die Belange der Palästinenser interessieren. Es gibt keinen Anlass anzunehmen, dass der Hamas die Menschen in Gaza irgendetwas bedeuten, außer dass die Menschen als menschliche Schutzschilde und Propagandainstrumente nützlich sind.

    • @chat cat:

      Zunächst hieß es ununterbrochen: „Die Hamas muss nur die Geisel freilassen, um das Sterben zu beenden".

      Jetzt sind die Geiseln befreit und das Sterben geht weiter. Nicht im selben Ausmaß, aber eben auch keine Waffenruhe.



      Israel verhindert weiterhin ausreichend Hilfslieferungen und hindert Hilfsorganisationen an der Arbeit.



      .



      Jetzt soll es also heißen: "Die Hamas muss nur die Waffen abgeben und es wird alles gut."



      .



      Ich bin nicht einmal sicher, ob die Führung der Hamas die eigenen Mitglieder dazu bringen könnte, die Waffen abzugeben, unter den gegenwärtigen Umständen.



      .



      Ohne jegliche Zugeständnisse von Israel würde sich die Organisation eher spalten. Wenn dann neue, noch radikalere Terrorzellen entstehen, nutzt Israel diese direkt wieder zur Legitimation für das eigene Vorgehen.

      • @sociajizzm:

        "Jetzt sind die Geiseln befreit und das Sterben geht weiter. Nicht im selben Ausmaß, aber eben auch keine Waffenruhe."

        Es ist tatsächlich nicht so. Die Hamas hält weiter den Körper einer letzten ermordeten Geißel

      • @sociajizzm:

        Ich glaube auch nicht, dass die Hamas-Führung in der Lage ist, alle Mitglieder zur Waffenniederlegung zu bewegen. Dass sich nach der Geiselfreigabe alles zum Guten wenden würde, ist unrealistisch. Genauso unrealistisch ist die Annahme, dass durch einen kompletten Rückzug Israels aus Gaza, der Terror durch die Hamas enden würde. Trump und Netanjahu haben - mit völkerrechtlich zweifelhaften Maßnahmen - Fakten geschaffen, an denen die Hamas nicht vorbeikommt. Netanjahu und Trump können durch ihre militärische Überlegenheit bekommen, was sie wollen, mit einer weiteren Invasion, Blutvergießen und Totalkontrolle. Mit einer wenigstens tw. Waffenniederlegung könnte die Hamas ein Zeichen guten Willens setzen, käme auch den NGOs zugute und den gemäßigteren Kräften für eine weitere Beteiligung der arabischen Welt in Gaza.



        Neue Terrorzellen werden vermutlich weiter entstehen, außerhalb Gazas, so oder so.

        • @chat cat:

          Aus der Perspektive der Hamas war ja bereits der letzte Deal ein Entgegenkommen und ein Zeichen des guten Willens.

          Ausreichend Hilfslieferungen an die Zivilbevölkerung sollten unabhängig von weiteren Zugeständnissen sein, hier MUSS es mehr internationalen Druck geben.

          Das derzeitige Elend ist der beste Nährboden für weiteren Hass.

  • Alles nachdenkenswert. Aber vergessen sollte man auch nicht, dass die Hamas den von ihr angezettelten aktuellen Krieg verloren hat und eigentlich nur eine bedingungslose Kapitulation dieser Organisation der richtige Schritt zum Frieden wäre. Doch aus irgendwelchen nicht nachvollziehbaren Gründen, verweigern viele Medienmenschen sich dieser einfachen Logik kn diesem Fall.

    • @vieldenker:

      Vielen Dank für diesen deutlichen Hinweis.



      Ich stimme Ihnen vollumfänglich zu.



      Spätestens mit dem barbarischen Überfall der Hamas wurde deutlich, dass sie keinen Frieden will. Das gepaart mit einer deutlichen militärischen Unterlegenheit lässt eigentlich nichts anderes als eine Kapitulation der Hamas zu.

    • @vieldenker:

      Nicht zum Frieden, nur zur geräuschloseren Besatzung, Entrechtung und Vertreibung. Bis zum nächsten großen Knall, vielleicht unter anderem Namen. Oder bis die ethnische Säuberung Israel-Palästinas abgeschlossen ist. Auch alles nicht viel erstrebenswerter. Der richtige Schritt zum Frieden wäre wenn Israel und seine Komplizen endlich den 70 Jahre alten Teilungsplan akzeptieren und Palästina anerkennen.

      • @Residente:

        Die Behauptung verdreht die Geschichte. Der UN-Teilungsplan von 1947 wurde von der jüdischen Führung akzeptiert, von den arabischen Staaten und der palästinensischen Führung jedoch geschlossen abgelehnt – gefolgt von einem Angriffskrieg gegen den neu gegründeten Staat Israel. Wer heute so tut, als müsse Israel „endlich“ einen Plan akzeptieren, den die Gegenseite damals verweigerte und militärisch bekämpfte, betreibt Geschichtsklitterung.

        Zudem ist der 1947er-Plan kein realistischer Friedensfahrplan mehr, sondern ein historisches Dokument aus einer völlig anderen demografischen und politischen Realität. Frieden scheiterte nicht an mangelnder israelischer Bereitschaft allein, sondern an wiederholten Zurückweisungen von Kompromissen, innerpalästinensischen Machtkämpfen und der Weigerung, Israels Existenz dauerhaft anzuerkennen. Moralische Empörung ersetzt keine tragfähige Lösung.

        • @Zippism:

          Formell akzeptiert ist nicht umgesetzt. Ihre Aufzählung woran ein Frieden und eine Teilung scheiterte ist durchaus korrekt, wenn auch sehr unvollständig und die jetzige Demographie anzuführen empfinde ich angesichts vom Jewish Colonial Trust, dem Right to "Return" und der Verhinderung einer normalen Entwicklung in Palästina etwas unanständig. Frieden scheiterte in der Geschichte an vielen Faktoren auf beiden Seiten. In der Gegenwart scheitert er an Extremisten auf beiden Seiten, vor allem aber daran, dass Israel weder die vereinbarten Gebiete an den Staat Palästina abtreten, also die völkerrechtswidrige (!) Besatzung beenden will, noch seinen Status als jüdischer Ethnostaat mit unterschiedlichen Rechten für verschiedene Gruppen aufgeben möchte.



          Dass der Teilungsplan, den die jüdische Führung so generös akzeptierte die Nakba und für Hunderttausende den Verlust ihrer Heimat bedeutete unterschlagen Sie routiniert, natürlich haben die Palästinenser den abgelehnt, kein Volk der Welt hätte anders gehandelt.

          • @Residente:

            Der Teilungsplan scheiterte nicht an fehlender „Umsetzung“, sondern daran, dass er von der arabischen Seite abgelehnt und militärisch bekämpft wurde. Wer einen Plan durch Krieg zu Fall bringt, kann ihn später nicht als unerfüllte Bringschuld der Gegenseite reklamieren. Geschichte funktioniert nicht selektiv.

            Die Nakba war eine reale und tragische Folge des Krieges von 1947/48 – sie war jedoch nicht die automatische Konsequenz der Annahme des Teilungsplans, sondern des Versuchs, dessen Umsetzung mit Gewalt zu verhindern. Das in diesem Zuge mehr Juden aus arabischen Nachbarländern als Palästinenser aus ihrer Heimat vertrieben wurden wird selbstverständlich immer unterschlagen.

            Gegenwärtig sind Besatzung, Siedlungspolitik und Rechtsungleichheit berechtigt zu kritisieren. Analytisch verkürzt wird es jedoch, wenn Israel allein als Haupthindernis markiert wird, während die fortgesetzte Weigerung maßgeblicher palästinensischer Akteure, einen jüdischen Staat dauerhaft anzuerkennen, ausgeblendet bleibt. Frieden scheitert nicht nur an Territorien, sondern auch an Anerkennung.

          • @Residente:

            Meine Güte, Sie offenbaren ja dramatische Wissenslücken.



            Nur zwei Punkte:



            Die Nakba ist die unmittelbare Folge des Überfalls der Araber auf den neu gegründeten Staat Israel. In dessen Folge im Übrigen deutlich mehr Juden aus arabischen Ländern nach Israel vertrieben wurden.



            Darüber hinaus existierte das Volk der Palästinenser in dem Sinne, wie wir es kennen und wie es sich heute definiert, zu diesem Zeitpunkt nicht. Es waren Araber, die in dem Mandatsgebiet Palästina lebten.

            Ihre Sympathie und Solidarität mit den Palästinensern in allen Ehren, aber Sie sollten bei historischen Tatsachen bleiben.

      • @Residente:

        Wer hat noch mal wen unmittelbar nach der Staatsgründung Israels überfallen?

        • @Katharina Reichenhall:

          Ich stimme Ihnen zu und habe dieses, plakativ ausgedrückt, "Der Jude ist schuld." wirklich satt.

          Die arabische Seite hätte verhandeln können, meinetwegen auch mit militärischem Nachdruck, aber es ging eben nicht um einen "palästinensischen" Staat, sondern um die Vernichtung Israels und jüdischer Menschen.

    • @vieldenker:

      Die "Medienmenschen" verweigern sich dieser "Logik" vermutlich, weil Sie wissen a, dass der NO-Konkflikt nicht am 7.10.23 begonnen hat, b, die rechtsradikale israelische Regierung kein Geheimnis daraus gemacht hat, dass sie die Palästinenser loswerden möchte, egal ob Hamas kapituliert oder nicht und c, offenkundige Kriegsverbrechen wie die Blockade von Hilfslieferungen auch nicht mit dem ewigen "aber Hamas..." gerechtfertigt werden können.

      • @O.F.:

        Warum können Sie sich nicht einfach mal dazu durchringen, dass die Hamas ihren selbstverschuldeten Kriegsgang ohne wenn und aber verloren hat? Unabhängig von allen Vorgeschichten, ungelösten Problemen und nicht gewünschten aktuellen israelischen Regierungsmitgliedern? Hätten Sie soviel Verständnis auch für deutsche Neonazikämpfer im Frühjahr 45 gehabt, oder gilt das nur für palästinensische Tunnelkrieger?

        • @vieldenker:

          Weil man so - genau wie mit der ewig-schlichten reductio ad Hitlerum – dem NO-Konflikt nicht gerecht wird: denn abgesehen davon, dass man die Besatzung und ihre Folgen für die Palästinenser nicht einfach ausblenden kann, wenn man über deren Radikalisierung spricht, hat die israelische Regierung hinreichend klar gemacht, dass es für die Menschen in den besetzen Gebieten nur zwei Möglichkeiten gibt: Vertreibung oder Bantustans. Wenn Sie das als „Frieden“ bezeichnen wollen, bitte… andere würden eher von Friedhofsruhe sprechen.

  • "Die israelische Armee sollte sich vollständig zurückziehen, der libanesische Staat die Hisbollah entwaffnen. Die schießt seitdem nicht mehr nach Israel, behält aber ihre Waffen."

    Was will der Autor uns damit sagen? Dass zwar Israel penibel alle Vereinbarungen einhalten muss, aber die Terrororganisation Hisbollah nicht? Oder stört sich der Autor etwa daran, dass Israel nicht einfach Ruhe gibt, solange die Hisbollah ihr Waffenarsenal für ihren eigenen 7. Oktober langsam wieder aufstocken kann?

    • @Fisherman:

      Kann es sein, dass sie bei dem von Ihnen zitierten Satz die grammatikalische Form missverstanden haben? "Sollte" ist hier Vergangenheitsform von "sollen", bezogen auf die entsprechenden Absprachen. Nicht "sollte" als Appell-Form.

    • @Fisherman:

      Es ist ein qualitativer Untwrschied, ob die Hisbollah ihre Waffen nicht abgibt oder ob Israel weiter schießt und bombardiert. Die Hisbollah hält Abmachungen nicht ein, aber Israel bricht den Waffenstillstand.

    • @Fisherman:

      Israel könnte die Besatzung und Zerstörung von Zivilgebäuden beenden und beim Wiederaufbau helfen oder zumindest die einseitigen Angriffe beenden, solange die Gegenseite keine unternimmt.

      Ein solches Verhalten wäre die Grundlage, um den ideologischen Nährboden für den Hass zu nehmen.

      "Verhandlungen" bestehen aus Geben und Nehmen.

    • @Fisherman:

      "Was will der Autor uns damit sagen? Dass zwar Israel penibel alle Vereinbarungen einhalten muss, aber die Terrororganisation Hisbollah nicht?"

      Ich würde sagen, Sie haben es ziemlich treffend zusammengefaßt.

      Ansonsten ist schwer zu erraten, was den Autor zufriedenstellen würde. Als Israel die Hamas zu vernichten versuchte, war es nicht recht. Dass nun die "Soldaten arabischer und islamischer Länder erledigen" das besorgen sollen auch nicht genehm. Was dann? Soll die Hamas weiter ihr Unwesen treiben? Oder wer soll denn für das Ende dieser Terrororganisation sorgen? Warten wir darauf, dass die Hamasniks zur Einsicht gelangen? Oder bis Gott interveniert? Man sollte bei der Rundum-Ablehunng von allem, entwede dazu stehen, dass die Hamas unangetastet bleiben soll oder einen Vorschlag machen, wie die Gazaner aus den Fängen der Hamas befreit weren sollen.

      • @DemianBronsky:

        Was genau bezweckt Israel denn bitte mit der Weigerung, ausreichend Hilfslieferungen in den Gazastreifen zu lassen?



        .



        Welchen Sinn ergibt es nun, auch noch Hilfsorganisationen verbieten zu wollen?

        Hier meine Vorschläge:

        Ohne weitere Bedingungen:



        1: Hilfslieferungen und Hilfe beim Wiederaufbau.



        2: Journalisten wieder in das Gebiet lassen.

        Im Gegenzug für die schrittweise Entwaffnung muss ein Rückzug aus dem besetzten Gebiet angeboten werden, und über anschließende Souveränität und die Möglichkeit zu freien Wahlen sollte es ebenso Verhandlungen geben.

        Im Anschluss kann dann noch über Gebietsansprüche bzw. Staatsgrenzen und die damit verbundene notwendige Zurückdrängung von radikalen Siedlern gesprochen werden.

        Idealerweise zahlt Israel dann noch für x Jahre annektiertes/besetztes Gebiet, zerstörtes privates Eigentum und bis dahin gerichtlich festgestellte Kriegsverbrechen Reparationen/Entschädigung.

        Für einen Frieden wäre eine echte Perspektive notwendig. Ohne diese ist es völlig sinnlos, zu diskutieren, wer das umsetzen soll.

    • @Fisherman:

      Lesen Sie doch einfach den nächsten Satz auch noch.



      "Und die israelische Armee hält bis heute Positionen im Südlibanon, beschießt regelmäßig Ziele im ganzen Land und fordert die Entwaffnung der Hisbollah."



      Also in etwa das, was den Israelis auch für Gaza vorschwebt: man hält sich selbst an nichts, weder Vereinbarungen noch Menschen/ oder Völkerrecht, ermordet Zivilisten wo man nur kann und macht über die Köpfe der Bevölkerung hinweg Deals mit Faschisten wie Trump. Das ist die Terrororganisation Likud in a nutshell.

      • @Residente:

        "Also in etwa das, was den Israelis auch für Gaza vorschwebt:"

        Was den Israelis für Gaza vorschwebt, weiß ich nicht verbindlich. Es gibt da verschiedene Vorstellungen und vermutlich auch unterschiedliche Strömungen in Israel selbst, außerdem finden im Oktober (?) Wahlen statt. Bedauerlich für Gaza ist meiner Meinung nach, dass es sich mit dem vielen Geld und den Freunden in der ganzen Welt, für Krieg und so etwas wie den 07.10.23 entschieden hat. Es wird bei mir lange dauern, bis dieser Vertrauensverlust ausgeglichen ist.

        "... man hält sich selbst an nichts, weder Vereinbarungen noch Menschen/ oder Völkerrecht, ..."

        Krieg ist scheußlich; dieser wurde nicht von Israel begonnen.

        "... ermordet Zivilisten wo man nur kann ..."

        Sehe ich anders, aber die Zeichen reichen nicht für Widerlegung.

        "... und macht über die Köpfe der Bevölkerung hinweg Deals mit Faschisten wie Trump. ..."

        Das ist nach einem Krieg die Regel, dass die unterlegene Kriegspartei, in diesem Fall sogar der Aggressor, nicht gleich nach seinen Wünschen gefragt wird. Bei dieser Gelegenheit denke ich darüber nach, was unsere Kriegsführung und die Bevölkerung sich damals, nach ihrer Niederlage, wohl gewünscht haben.

      • @Residente:

        "Der nächste Satz" konkretisiert den davor. Inhaltlich fügt er nichts hinzu. Und wenn die libanesische Armee es nicht schafft, Stellungen der Hisbollah aufzulösen, übernimmt das selbstverständlich Israel. Soll Israel etwa zusehen, wie sich die Hisbollah wieder zum nächsten Schlag aufrüstet?

        • @Fisherman:

          Aber der Libanon soll ni ht nur zusehen, wie Israel zum Schlag aufrüstet, sondern tatsächlich zuschlägt.

      • @Residente:

        Israel beschießt im Libanon nicht „Zivilisten, wo man nur kann“, sondern richtet sich primär gegen Hisbollah-Mitglieder und deren militärische Infrastruktur. Hisbollah ist eine bewaffnete Miliz, die wiederholt Raketen auf israelisches Gebiet abfeuert und selbst aus Wohngebieten operiert, was das Völkerrecht verletzt. Zivile Opfer sind tragisch und müssen kritisch aufgearbeitet werden, sind aber nicht automatisch Beweis für eine gezielte Tötung von Zivilisten. Zudem handelt Israel hier im Rahmen eines bewaffneten Konflikts und beruft sich auf Selbstverteidigung gegen einen nichtstaatlichen Akteur. Pauschale Gleichsetzungen mit Terrororganisationen oder der Gaza-Situation ignorieren diese Unterschiede und erschweren eine sachliche Auseinandersetzung.

        • @Zippism:

          "Hisbollah ist eine bewaffnete Miliz, die wiederholt Raketen auf israelisches Gebiet abfeuert und selbst aus Wohngebieten operiert,..."



          .



          Kleine Korrektur: "in der Vergangenheit abgefeuert hat".



          .



          Aktuell gab es eigentlich eine Waffenruhe, die durch Israel einseitig gebrochen wird.

          • @sociajizzm:

            "Kleine Korrektur: "in der Vergangenheit abgefeuert hat".



            "Aktuell gab es eigentlich eine Waffenruhe, die durch Israel einseitig gebrochen wird."

            Warum ist dies wohl so? Doch nur aus dem Grund, dass die israelische Armee weiterhin in Teilen von Südlibanon aktiv ist und Hisbollahterroristen die sich der Südgrenze nähren aus der Luft ausschaltet. Gleiches geschieht mit Waffendepots und Waffenlieferungen der Gruppe in den Süden.

        • @Zippism:

          Fair enough. Ich würde hinzufügen, dass der Terrorismusbegriff generell ideologisch konotiert immer für die genutzt wird, die man besonders abstoßend findet und sachliche Auseinandersetzungen erschwert. Ich denke wir können uns darauf einigen, dass sowohl Hisbollah, als auch Hamas und IDF sich terroristischer Akte gegen Zivilisten schuldig gemacht haben.



          "Zivile Opfer sind tragisch und müssen kritisch aufgearbeitet werden"



          Das werden sie aber in Israel in der Regel nicht, ebensowenig wie der illegale Einsatz von weißem Phosphor gegen Zivilisten und etliche weitere Kriegsverbrechen sowohl im Libanon als auch in Israel-Palästina.

          • @Residente:

            "Das werden sie aber in Israel in der Regel nicht, ..."

            Israel wird von so vielen Gegnern angegriffen und muss sich verteidigen, dass ich davon ausgehe, im Moment reicht die Zeit dafür einfach nicht.



            Die gazanische Regierung und ihre Kämpfer hätten damit durchaus aber schon mal anfangen können.

            "... ebensowenig wie der illegale Einsatz von weißem Phosphor gegen Zivilisten ..."

            Weißer Phosphor ist nicht grundsätzlich verboten, sondern erlaubt, um beispielsweise "Rauchvorhänge" zu ermöglichen. Ob der Einsatz illegal war oder nicht, wird zu einem späteren Zeitpunkt ggf. ein Gericht feststellen müssen. Hier traue ich mir als Nicht-Militärfachfrau keine Einschätzung zu.



            (Amnesty und HRW vertraue ich nach diversen Falschbehauptungen übrigens nicht mehr, aber für Israelkritiker und Pro-Palästinenser sind sie sicherlich immer eine hilfreiche Informationsquelle.)

            Krieg ist eine furchtbare menschengemachte Sache (ich denke oft an meine Ur-Omi die regelmäßig sagte, "alles, alles, nur keinen Krieg") und es ist bedauerlich, dass die gazanische Regierung und ihre Anhänger/Wähler keine andere Lösung sahen, als einen Krieg zu beginnen.

            • @*Sabine*:

              "Weißer Phosphor ist nicht grundsätzlich verboten"

              Und was nicht verboten ist, ist erlaubt? Einmal mehr eine ziemlich fragwürdige moralische Haltung.

          • @Residente:

            Der Terrorismusbegriff ist politisch aufgeladen, ja – aber er ist nicht beliebig. Es macht einen analytischen Unterschied, ob Gewalt systematisch auf Zivilisten zielt, um Angst zu erzeugen (Hamas, Hisbollah), oder ob zivile Opfer als Folge – auch schwerer – militärischer Entscheidungen in einem bewaffneten Konflikt entstehen. Beides kann völkerrechtswidrig sein, ist aber nicht dasselbe. Wer das eine mit dem anderen gleichsetzt, verwischt zentrale Kategorien des humanitären Völkerrechts.

            Dass zivile Opfer und mögliche Kriegsverbrechen aufgearbeitet werden müssen, ist unstrittig. Die Behauptung, dies geschehe „in der Regel nicht“ in Israel, ist jedoch faktisch zweifelhaft: Es gibt interne Ermittlungen, gerichtliche Verfahren und öffentliche Debatten – unvollkommen, ja, aber existent. Das unterscheidet Israel grundlegend von Akteuren, für die Angriffe auf Zivilisten nicht Versagen, sondern Strategie sind.

            Kritik an konkreten Einsätzen (inkl. weißem Phosphor) ist legitim. Pauschale Zuschreibungen, alle Beteiligten seien gleichermaßen „terroristisch“, ersetzen jedoch Analyse durch moralische Gleichmacherei – und bringen uns der Aufarbeitung keinen Schritt näher.

            • @Zippism:

              Mir scheint, dass Sie hier das israelische Agieren (und zwar nicht erst seit 2023) verharmlosen. Diverse Menschenrechtsorganisationen (auch israelische) dokumentieren seit Jahrzehnten systematische und kaum verfolgte Gewalt gegen palästinensische Zivilisten. Im Gazakrieg hat Israel nachweislich intentional und in großem Masse Zivilisten getötet bzw. kollektiv bestraft (unter anderem durch den Entzug von Lebensmitteln und Medikamenten) – und diverse israelische Regierungsvertreter machen auch kein Geheimnis aus ihren Absichten, die Palästinenser ganz loswerden zu wollen. Die Idealisierung Israels und seiner Besatzungspolitik durch Teile der deutschen Linken war immer moralisch und politisch fragwürdig, aber mittlerweile sollte ein Punkt erreicht sein, an dem man nicht mehr die Augen verschließen kann: eine messianisch-ethnonationalistische Regierung begeht vor den Augen der Weltöffentlichkeit einen Völkermord. Mit Ihrer Kritik an der Gleichmacherei haben Sie also recht, aber nicht so, wie von Ihnen beabsichtigt…

              • @O.F.:

                Ich verharmlosen weder ziviles Leid noch mögliche Kriegsverbrechen. Mein Punkt ist, dass Begriffe wie Terrorismus oder Völkermord analytisch und völkerrechtlich präzise verwendet werden müssen. Katastrophale Kriegsfolgen oder selbst schwere Rechtsverstöße sind nicht automatisch gleichbedeutend mit gezielten Angriffen auf Zivilisten oder mit genozidalem Vorsatz – genau darüber besteht unter Völkerrechtler:innen erheblicher Streit.

                Der Unterschied zwischen Akteuren, für die Gewalt gegen Zivilisten Strategie ist, und einem Staat, dessen Militär zumindest formal zwischen Kombattanten und Zivilisten unterscheidet, bleibt zentral – auch wenn diese Unterscheidung in der Praxis verletzt wird und aufgearbeitet werden muss. Wer alles moralisch gleichsetzt, ersetzt Analyse durch Empörung und macht Verantwortungszuweisung am Ende schwieriger, nicht leichter.

                • @Zippism:

                  Ich plädiere auch dafür, Begriffe analytisch zu benutzen; mein Kritikpunkt ist allerdings der, dass die Unterscheidung zwischen Zivilisten und Kombattanten von Israel nicht nur in der Praxis ab und an ignoriert wird: Israel wendet systematisch und intentional Gewalt gegen die palästinensische Zivilbevölkerung, mit dem erklärten Ziel, diese zu vertreiben – was sogar von israelischen Menschenrechtsorganisationen dokumentiert wird (die inzwischen auch von einem Völkermord in Gaza sprechen!) und von israelischen Regierungsmitgliedern auch nicht geheim gehalten wird. Das hat nichts mit einer „moralisierenden Gleichsetzung“ zu tun, sondern ist eine objektive Beschreibung des Agierens einer außer Kontrolle geratenen Besatzungsmacht. Wieso man diesem Staat trotzdem noch einen wie auch immer gearteten moralischen Vorsprung einräumen will, bleibt mir ein Geheimnis.

  • Netanjahu will keinen Frieden mit den Palästinensern, abgesehen von Friedhofsruhe....

  • "Zumindest eines scheint dabei schon zu funktionieren: Der Fokus hat sich von Gaza abgewendet. Die Medienkarawane zieht weiter."

    Genau so ist es. Leidtragende sind die Menschen in Gaza. Im Schatten des allgemeinen Desinteresses und unter dem Schutz von Trump betreibt Netanjahu weiterhin seine zynische Politik der Zerstörung aller Lebensgrundlagen in Gaza. Zeugen dieses Unrechts wurden zuerst diskreditiert und nun einfach ausgesperrt. Zuerst waren es die Journalisten, nun sind es die unabhängigen Hilfsorganisationen.