Dynamische Wasserpreise: Knappes Wasser, teures Wasser
Die Klimakrise lässt Trinkwasserreserven knapp werden. Dynamische Preise, die sich nach der Verfügbarkeit von Wasser richten, könnten zum Sparen anregen.
Foto: Patrick Pleul/dpa
Sollte Wasser teurer werden, wenn es knapp ist? Dynamische Preise, die Angebot und Nachfrage im Viertelstundentakt widerspiegeln, etablieren sich in der Stromwirtschaft immer mehr. Beim Wasser ist es zwar komplizierter, aber eine entsprechende Debatte läuft auch hier.
Lange Trockenphasen und extreme Hitze, verschärft durch die Klimakrise, setzen die Trinkwasserversorgung in Deutschland immer stärker unter Druck. Mitte Juli hat die Stadt München die Wassernutzung per Verfügung eingeschränkt, zum Beispiel dürfen die Bewohner erst ab 19 Uhr den Garten wässern. Auch in Brandenburg an der Havel und Potsdam gelten strenge Regeln für die Wasserentnahme.
Für dynamische Wasserpreise spricht sich nun etwa das niedersächsische Umweltministerium aus, denn es seien „gerade im Sommer und in Zeiten angespannter Wasserreserven weitere finanzielle Anreize zum Wassersparen wichtig“. 2025 untersuchte die wasserwirtschaftliche Beratung Mocons aus Mülheim an der Ruhr in einem Gutachten für Hessens Umweltministerium die Frage, wie die Preisgestaltung die Trinkwassernachfrage beeinflussen kann.
Grundsätzlich gebe es zwei Gründe, die Wassernachfrage vorübergehend zu senken, sagt einer der Autoren der Studie, Christoph Czichy: „Es kann einerseits um Probleme mit dem Wasserdargebot gehen, etwa wenn Brunnen drohen, trocken zu fallen.“ Andererseits könne es „stundenweise Engpässe bei den Systemkapazitäten geben, wenn zum Beispiel Pumpen und Filteranlagen überlastet sind“.
Im erstgenannten Fall bräuchte es Preise, die in einer Trockenphase über Wochen hinweg erhöht sind, um Kunden grundsätzlich zum Wassersparen anzuhalten. Im zweiten Fall bräuchte es Preise, die sich im Tagesverlauf ändern, damit Verbräuche in Stunden mit geringerer Nachfrage verschoben werden.
Unterschiedliche Regelungen für Wasserpreise
Umweltministerium Niedersachsen
Rechtlich ist das jedoch schwierig. Die Preissetzung beim Trinkwasser ist nämlich auf Landesebene durch das jeweilige Kommunalabgabengesetz (KAG) geregelt. In einigen Bundesländern heißt es im KAG immerhin: Die Wassergebühren sind so festzulegen, dass sie „dem sparsamen Umgang mit Wasser“ dienen. Daraus ließe sich die Zulässigkeit höherer Preise ableiten, wenn eine Wasserknappheit besonders sparsamen Umgang erfordert.
Rechtsanwalt Johannes Heyers aus Essen weist darauf hin, dass nach dem aktuellen Gesetz die „Preise kostenorientiert gestaltet“ werden müssen. Ein Wasserversorger, der höhere Preise in Zeiten der Verknappung erhebt, müsste also nachweisen, dass für ihn der finanzielle Aufwand gestiegen ist.
Das wäre zum Beispiel dann möglich, wenn der Zukauf in Zeiten von Engpässen bei einem Fernwasserversorger teurer ist als das Wasser aus den eigenen Quellen. Heyers stellt zudem infrage, wie groß der Effekt durch dynamische Wasserpreise wirklich wäre. Sparsamkeit schlage sich in der Stromrechnung der Verbraucher viel deutlicher nieder.
Technisch machbar wären dynamische Preise mit digitalen Zählern. Herausfordernd ist jedoch die Vielfalt der bestehenden Wasserzähler und Ableseverfahren. Dynamische Preise gehen mit häufigen Ableseterminen einher. „Stark wachsend“ sei zwar die Datenübertragung über Festnetz oder Funk, heißt es beim Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches, doch „echte“ Smart-Metering-Lösungen hätten „derzeit noch einen geringen Anteil“.
Aus der Wasserwirtschaft kommen dennoch Stimmen, die sich offen für das neue Preismodell zeigen. Berater Czichy meint: „Aus Gründen der Praktikabilität bieten sich dynamische Preise vor allem für Großkunden an.“ Ob es sinnvoll ist, das Modell auf kleinere Wasserverbraucher auszudehnen, werde sich dann zeigen.
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