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Flüchtlinge in SüdostasienMalaysia will Rohingya loswerden

Malaysias Premier Anwar Ibrahim brüstet sich im Wahlkampf mit einem Flüchtlingsdeal. Nach Myanmar sollen 5.000 Menschen zurück, darunter Rohingya.

Laut dem malaysischen Premierminister Anwar Ibrahim hat die Regierung Myanmars zugestimmt, 5.000 nach Malaysia geflüchtete Angehörige der muslimischen Minderheit der Rohingya zurückzunehmen. „Wir haben gute Beziehungen zu Myanmar“, sagte Anwar am Mittwoch laut Medienberichten bei einem Wahlkampfauftritt im malaysischen Staat Negeri Sembilan. Dort wird am Wochenende gewählt. Details nannte der Premier nicht, lobte aber die erfolgreiche Diplomatie seiner eigenen Regierung.

Am Donnerstag erklärte Innenminister Saifuddin Nasution vor der Presse, der Prozess zur Identifizierung der 5.000 Personen habe bereits begonnen. Klare Kriterien nannte er dafür nicht, ließ aber durchblicken, dass es nicht nur um Rohingya, sondern auch um andere Staatsbürger Myanmars gehe.

Aus Myanmars Hauptstadt Naypyidaw kam am Donnerstag ein Dementi: Es habe keine Zustimmung gegeben, Rohingya zurückzunehmen. Es ginge vielmehr um andere Flüchtlinge aus Myanmar. Den Rohingya war bereits 1982 die Staatsbürgerschaft genommen worden.

Anwars Ankündigung des Zurückschickens erfolgte nur zwei Tage nachdem die Polizei vor dem Büro des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur 109 Rohingya festgenommen hatte. Sie hatten dort Hilfe eingefordert, nachdem sie nach eigenen Angaben aus ihren bisherigen Unterkünften im Bundesstaat Penang vertrieben worden waren.

Myanmar

Im südostasiatischen Myanmar hat der Militärputsch vom 1. Februar 2021 den demokratischen Reformprozess abrupt beendet. Seitdem kämpfen pro-demokratische Oppositionsgruppen gegen die russisch unterstützte Junta.

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Die Stimmung gegenüber den Rohingya ist gekippt

Am Tag darauf kamen die Festgenommenen, darunter Frauen und Kinder, wieder frei, weil sie alle legal beim UNHCR als Geflüchtete registriert waren. Amnesty International hatte die Festnahmen als „beunruhigend“ kritisiert. Sie seien das Gegenteil von Schutz und Unterstützung.

In Malaysia leben laut letzten UNHCR-Zahlen vom Februar 2026 offiziell 126.000 geflüchtete Rohingya aus Myanmar. Malaysia hat die UN-Flüchtlingskonvention nicht unterzeichnet, im Land gibt es kein offizielles Asylverfahren. Bisher waren die Rohingya aus dem überwiegend buddhistischen Myanmar im mehrheitlich muslimischen Malaysia geduldet.

Stimmung gegen Rohingya

Aber bereits seit der Coronapandemie hat sich die Stimmung verschlechtert. Zuletzt bekam eine Petition im Internet, die Abschiebungen von Rohingya forderte, mehr als eine halbe Million Unterschriften, bevor sie von den Behörden gestoppt wurde. Zugenommen haben auch die Drohungen gegenüber Schulen der Rohingya, von denen laut der Nachrichtenagentur Reuters bereits neun geschlossen sind.

Malaysias Außenminister Mohamad Hasan warf dem UNHCR vor, Rohingya zu großzügig als Flüchtlinge zu registrieren und verlangte einen Stopp. Die Regierung bemühe sich um den Aufbau eines eigenen Systems der Registrierung.

Aus Myanmar sind mehr als eine Million Rohingya geflohen oder vertrieben worden, zuletzt flohen 2017 rund 750.000 Menschen vor Pogromen des Militärs und buddhistischer Hardliner. Es gibt viele Indizien für den Vorwurf des Genozids. In Bangladesch leben rund 1,1 Millionen Rohingya-Flüchtlinge, meist in Lagern bei der südlichen Stadt Cox's Bazar. Dort ist ihre Lage perspektivlos, weshalb viele über die Andamanensee weiter nach Malaysia oder Indonesien fliehen. Dabei kommt es immer wieder zu Katastrophen, wenn Schiffe untergehen. Zuletzt verschwanden Mitte Juli zwei Schiffe mit rund 500 Rohingya an Bord.

Die Fluchtgründe gelten weiter

Bangladesch schloss schon vor einigen Jahren ein gescheitertes Rückführungsabkommen mit der Militärregierung des Bürgerkriegslandes Myanmar. Denn die Fluchtgründe gelten weiter. Zwar hat Myanmar seit April eine neue Regierung, die aber nur aus Ex-Militärs in ziviler Kleidung besteht und dem Führer des Militärputsches von 2021 untersteht. Es gibt weder Sicherheitsgarantien noch Wiederaufbauhilfen. Vielmehr drohen neue Vertreibungen oder gar Zwangsrekrutierungen durch das Militär oder Rebellen.

Innerhalb Myanmars sind laut UN knapp 4 Millionen Menschen auf der Flucht. Ein Drittel der Bevölkerung ist auf humanitäre Hilfe angewiesen, davon leiden 12 Millionen Hunger.

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