Femizid-Debatte um RTL+-Show : Frauenhass als Entertainment
In der Reality-TV-Show „Bad Boyfriends“ erwähnt ein Teilnehmer einen Femizid, jegliche Einordnung bleibt aus. Fans sind empört – und das ist gut so.
Foto: Martin Meissner/ap/picture alliance
D iese Frau wurde getötet“, sagt Maki. Dramatische Pause, die Kamera hält auf das Gesicht des Reality-TV-Darstellers. „Von ihrem Freund.“ Klaviermusik unterlegt die Szene, als in der Sendung „Bad Boyfriends“ unvermittelt ein Femizid thematisiert wird. Und Fans fragen sich: Hat RTL+ hier gerade wirklich tödliche Beziehungsgewalt für einen Schockermoment ausgenutzt?
Zum Kontext: In der neuen Reality-Sendung „Bad Boyfriends“ testen die Teilnehmerinnen die Treue ihrer Partner. In der aktuellen Folge stellt sich heraus, dass Teilnehmer Maki intime Bilder einer anderen Frau auf seinem Zweithandy vor seiner Freundin Michelle versteckt hat. Als er damit konfrontiert wird, sagt er, dass er in Zukunft keinen Kontakt mehr zu ihr haben werde. Schließlich sei sie jetzt tot.
Mal ganz abgesehen von der brutalen Empathielosigkeit, mit der hier ein Mann über den Mord an einer Frau redet, die er womöglich gut kannte – auch sonst hielt es offensichtlich niemand für notwendig, zumindest kurz Anteilnahme auszudrücken und Beziehungsgewalt zu verurteilen. Stattdessen dient der Femizid dem Plot. Und ironischerweise bittet die Produktion die Zuschauer*innen in einem schriftlichen Statement, mit „dem Thema“ respektvoll umzugehen.
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Bildungsauftrag, traumasensible Berichterstattung, Pietät? Das sind keine Qualitäten, die wir spontan mit Trash-TV assoziieren. Empören sollten wir uns trotzdem.
Denn die Empörung bringt etwas. Vor fünf Jahren schrieben seriöse Medien noch regelmäßig von „Familiendramen“, wenn ein Mann seine Frau und Kinder umbrachte. Erst seit 2021 steht der Begriff „Femizid“ im Duden. Durch die unermüdliche Aufklärungsarbeit von Feminist*innen ist ist das Bewusstsein für Partnerschaftsgewalt mittlerweile extrem gewachsen.
Dass manche Trash-TV-Sendungen diese Entwicklung anscheinend aussitzen – geschenkt. Die Frage ist, wie lange sie sich das noch leisten können. Denn ihr Publikum ist mehrheitlich weiblich und gebildet. Wenn RTL+ es sich nicht mit der eigenen Zielgruppe verscherzen will, muss der Sender irgendwann anfangen, Gewalt und Frauenhass einzuordnen – und dafür auf den ein oder anderen Schockermoment zu verzichten. Ob dahinter dann eine politische Überzeugung steckt oder nur der ängstliche Blick auf die Quote, kann uns Feminist*innen eigentlich egal sein.
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