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Extreme Regenfälle in BrasilienWen die Klimakrise trifft

Extreme Regenfälle rissen in einer brasilianischen Region Hügel und Häuser mit. Eine Studie zeigt den Einfluss der Klimakrise – und wer betroffen ist.

Es war die stärkste Regenkatastrophe in der Region seit Jahrzehnten: Im Februar fielen im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais 752 Millimeter Niederschlag. 72 Menschen starben in den vier Tagen Starkregen, mehr als 8.500 wurden wohnungslos. Brasiliens Staatspräsident Lula flog persönlich ein, besichtigte die Schäden und kritisierte den Gouverneur Romeu Zema wegen mangelnder Prävention. Nun zeigt eine Studie von Wissenschaftlern der Forschungsgruppe World Weather Attribution: Der Vorfall ist vermutlich Vorbote weiterer Katastrophen.

World Weather Attribution analysiert regelmäßig den Einfluss von Klimaveränderungen auf Extremwettervorfälle. Im Fall des brasilianischen Bundesstaates Minas Gerais hatten die extremen Regenfälle ganze Hügel und die darauf stehenden Häuser mit sich gerissen. Nach Lulas Kritik an mangelnden Präventionsmaßnahmen, forderte die Opposition von der Regierung mehr konkrete Handlungen anstatt Ideologiestreits. Später bewilligte Lula Soforthilfen in Höhe von 266 Millionen Reais (gut 44 Millionen Euro).

World Weather Attribution untersuchte historische Wetteraufzeichnungen aus der Region und Computermodelle zur Simulation von Veränderungen im Regenverhalten seit dem Industriezeitalter. Die Forscher konnten zwar keinen zwingenden Zusammenhang der jüngsten Vorfälle mit der Klimakrise nachweisen, errechneten aber, dass bei der erwarteten weiteren Erderwärmung um 2,6 Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts ähnliche Vorfälle in der Region um zwischen 7 und 30 Prozent zunehmen werden.

Betroffene sind, so Fredi Otto, Professorin für Klimawissenschaft am Imperial College London, vor allem finanzschwache Stadtteile. Bei Starkregen seien in der am stärksten betroffenen Stadt Juiz de Fora 140.000 der insgesamt knapp 570.000 Bewohner gefährdet. Bei einem Boom von Zuzügen in den 1970er Jahren wuchsen dort vor allem an Hügeln und am Rande der Flussläufe neue Viertel. Gleichzeitig wich die dichte Vegetation zementierten Flächen, die Areale, auf denen Wasser versickern kann, wurden damit deutlich reduziert.

So erwies sich Juiz de Fora in dem aktuellen Fall als Paradebeispiel für fehlende Stadtplanung und Umweltrassismus. Obwohl die Stadt führend in Katastrophenwarnungen ist, bekamen viele Bewohner der Risiko-Gebiete diese nicht oder hatten keinen Ort, an den sie fliehen konnten. „Warnungen müssen mit Evakuierungsplänen einhergehen“, so Otto.

Minas Gerais mit Bergen von bis zu 2.800 Metern Höhe und tiefen Tälern ist historisch bekannt für Starkregen und prädestiniert für Erdrutsche. Neben der menschlichen Katastrophe ist der Regenüberfluss auch für die Landwirtschaft verheerend: Der Staat Minas produziert den meisten Kaffee Brasiliens und war gerade dabei, sich von einer schwachen Ernte in 2025 zu erholen. Die aktuelle Regenkatastrophe ist die stärkste unter vielen, die die Region seit 1979 erlitten hat. Momentan bestehen weiterhin Regenwarnungen. Der Katastrophenetat von Minas wurde zwischen 2023 und 2025 um nahezu 96 Prozent gekürzt.

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