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Elternzeit in NorwegenSo macht man es Vätern leicht

In Deutschland nimmt nicht einmal jeder zweite Vater Elternzeit. In Norwegen tun es fast alle. Das Land zeigt damit, was wirklich funktioniert.

Frauen in Deutschland verdienen während ihres Erwerbslebens durchschnittlich mehr als eine halbe Million Euro weniger als Männer. Sie bekommen nur etwas mehr als die Hälfte. Der Hauptgrund: Frauen übernehmen den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit und büßen damit Einkommen, Karriere und Vermögen ein. Ach, und Rente natürlich. Die liegt nämlich im Durchschnitt auch fast 40 Prozent unter der von Männern. Besonders betroffen sind Mütter. Dabei gäbe es ohne sie später weder Wirtschaftsleistung noch Rente noch Gesellschaft.

Maurice Höfgen

28, ist Autor und Ökonom. In der wochentaz überlegt er einmal monatlich, wie sich wirtschaftliche Utopien umsetzen ließen.

Spätestens mit der Geburt der eigenen Kinder werden die Weichen für das Familienleben gestellt. Dann entscheidet sich, wer nachts aufsteht, wer Arzttermine übernimmt und wer beruflich zurücksteckt und wer Karriere macht. Nun könnte man meinen, der Staat gleiche diese Heldentaten mit Sozialleistungen wie dem Elterngeld aus. Tatsächlich aber ist es so gestrickt, dass es die Ungleichheit verfestigt.

Das Elterngeld ersetzt in der Regel nur 65 Prozent des vorherigen Nettoeinkommens und nur bis zu 1.800 Euro im Monat. Und das auch nur für 14 Monate – und auch nur dann, wenn das zweite Elternteil auch 2 Monate Elternzeit nimmt – die berühmten „Vätermonate“.

Seit 2007 wurde das Elterngeld inflationsbedingt um die Hälfte entwertet

Diese Regeln bedeuten also nicht nur garantierte Einkommenseinbußen, sondern gehen an der finanziellen Lebensrealität vieler Familien komplett vorbei. Zumal das Elterngeld seit seiner Einführung 2007 um die Hälfte entwertet wurde, da Mindest- und Höchstsatz bis heute nicht an die Inflation angepasst wurden.

So wird eine Elternzeit dann besonders „teuer“, wenn das besserverdienende Elternteil zu Hause bleiben möchte. Und das ist meistens der Mann. Nur in jedem dritten Haushalt verdienen beide Partner ähnlich viel, lediglich in jedem zehnten die Frau mehr. Die Konsequenz ist offensichtlich. Häufig bleibt die Mutter länger – oder sogar ausschließlich – zu Hause. Nicht unbedingt, weil sie das so möchte, etwa um zu stillen, sondern weil sich alles andere schlicht nicht rechnen würde.

Die angekündigte Elterngeldreform der Bundesregierung macht das Ganze nun tatsächlich noch realitätsferner. Zwar steigt der Mindestsatz von 300 auf 330 Euro und der Höchstsatz von 1.800 auf 1.900 Euro, aber dafür gibt es nur noch 12 statt 14 Monate Elterngeld – unterm Strich also weniger. Und die gibt es auch nur, wenn davon der Vater mindestens drei statt zwei Monate in Anspruch nimmt. Macht er das nicht, verfällt der Anspruch und das Elterngeld schrumpft auf neun Monate zusammen. „Mehr Anreiz zu Partnerschaftlichkeit“ nennt Familienministerin Karin Prien das, was in Wahrheit eine drastische Kürzung ist. Ein Etikettenschwindel!

Was bräuchte es stattdessen? Eine höhere Lohnersatzrate. Mehr Geld, nicht weniger. Großzügigkeit statt Erbsenzählerei. Norwegen macht es vor. Dort können Eltern zwischen 59 Wochen Elternzeit mit 80 Prozent Lohnersatz oder 48 Wochen mit 100 Prozent wählen, mit einer Höchstgrenze, ab der Einkommen nicht mehr ersetzt werden.

Ein Drittel der Elternzeit ist dort exklusiv für Väter reserviert – deutlich mehr als in Deutschland. Weil das Einkommen währenddessen aber weitgehend erhalten bleibt, funktioniert das Modell auch. Rund neun von zehn Vätern in Norwegen nehmen Elternzeit. In Deutschland ist es nicht einmal jeder Zweite.

Und was lernen wir daraus? Mehr reservierte Monate für Väter werden erst dann zu einem realistischen Anreiz für Partnerschaftlichkeit, wenn die Lohnersatzrate höher ist.

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