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Elternbrief zum Berliner Kita-StreikMein lieber Herr Finanzsenator

Gereon Asmuth

Kommentar von

Gereon Asmuth

Kita-Er­zie­he­r:in­nen streiken am Donnerstag für mehr Personal. Finanzsenator Evers (CDU) will nicht mal darüber reden. Zeit für einen bösen Brief.

L ieber Stefan Evers,

haben Sie Kinder? Offenbar jedenfalls nicht im Vorschulalter. Anders ist Ihr etwas kindisches „Nein, Nein, Nein – diese Streikforderungen ess ich nicht“ nicht mehr zu erklären. Nun gut, Sie sind halt Finanzsenator, da müssen Sie nicht so viel Ahnung von Kindern, Erziehung und Bildung haben. Und da passt Ihr buchhalterisches Beharren auf Formalitäten wie „Tarifgemeinschaft der Länder, da kann man nicht ausscheren“ etc. zum Amt. Kreatives Denken ist da nicht so gefragt.

Aber wissen Sie was? Das nervt! Und zwar gewaltig. Vor allem uns Eltern von Kindern, die in den landeseigenen Kitabetrieben betreut werden. Am Donnerstag werden die schon wieder bestreikt. Nicht weil die Er­zie­he­r:in­nen mehr Geld haben wollen für ihre gute Arbeit. Nein, weil sie besser arbeiten wollen.

Und wer will darüber noch nicht mal reden? Sie! Also glauben Sie bloß nicht, wir Eltern wüssten nicht, wer sich hier vollkommen sinnlos zum Kaspar macht.

Denn eigentlich müssten Sie vor Freude in die Luft springen. Da haben Sie ein engagiertes Team, das sich nur noch besser um seine Kundschaft, die Kinder der Stadt Berlin kümmern will. Das vor allem mehr Personal für eine angemessenere Betreuung verlangt, um ihrer Aufgabe gerecht zu werden. Stellen Sie sich das mal in den Finanzämtern vor! Fällt schwer? Egal, wir wollen hier nicht bei billigen Vorurteilen stehen bleiben.

Langfristige Investition für einen Sparfuchs

Denn die Sache ist ja ernst. Es geht hier nicht um irgendwelchen Luxus für die Erzieher:innen. Es geht um eine Investition in die Zukunft der Stadt. Denn je intensiver die Kids in den Kitas betreut werden können, desto besser sind sie auf das Leben danach vorbereitet. Auf die Schule. Auf die deutsche Sprache, die in Berlin mehrheitlich gesprochen wird. Auf den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft. Das rechnet sich langfristig. Sogar für einen Sparfuchs wie Sie!

Also geben Sie sich einen Ruck! Gehen Sie am Donnerstag in eine der Kitas, die ja trotz Streik eine Notbetreuung anbieten (Danke!!!). Reden Sie mit den Erzieher:innen! Und dann setzen Sie sich schleunigst an einen Tisch mit der Gewerkschaft.

Weil sonst werden wir Eltern aufmüpfig wie eine Horde Vierjähriger.

Herzlichst,

Gereon Asmuth (zweifacher Kitavater)

PS: Sie sind ja ein vielfach geübter Vertreter in Betrieben, Verbänden und Vereinen. Wir suchen noch einen Ehrenvorsitzenden für unseren Kita-Förderverein in Gründung. Na?

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Gereon Asmuth

Gereon Asmuth Ressortleiter taz-Regie

Leiter des Regie-Ressorts, das die zentrale Planung der taz-Themen für Online und Print koordiniert. Seit 1995 bei der taz. 2000 bis 2005 stellvertretender Leiter der Berlin-Redaktion. 2005 bis 2011 Leiter der Berlin-Redaktion. 2012 bis 2019 Leiter der taz.eins-Redaktion, die die ersten fünf Seiten der gedruckten taz produziert. Hat in Bochum, Berlin und Barcelona Wirtschaft, Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation und ein wenig Kunst studiert. Mehr unter gereonasmuth.de. Bluesky:@gereonas.bsky.social Mastodon: @gereonas@social.anoxinon.de Foto: Anke Phoebe Peters
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7 Kommentare

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  • "Anders ist Ihr etwas kindisches „Nein, Nein, Nein – diese Streikforderungen ess ich nicht“ nicht mehr zu erklären."

    Schreibt jemand, dessen Artikel schwer nach einem kindlichen "Ich will haben! Ich, ich ich!" klingt. Genau mein Humor 🤣😂.

    Wer heute die Tarifgemeinschaft der Länder aufkündigen will, bekommt übermorgen einen Manuel Hagel*), der gleiches mit dem Länderfinanzausgleich machen will.

    Für die Nichtwissenden: Das ist der nach aktueller Erwartung nächste Ministerpräsident eines süddeutschen Dauereinzahler-Bundeslands...

    • Gereon Asmuth , Autor des Artikels, Ressortleiter taz-Regie

      @FriedrichHecker:

      Die Frage ist ja, ob man der Trafivertrag kündigen muss. Ein williger und kreativ denkender Finanzsenator würde umgehend ein Lösung finden, um seinem engagierten Personal Unterstützung zukommen zu lassen. Er sollte das auch aus eigenem Interesse tun. Denn frustrierte Mitarbeiter:innen ziehen auf Märkten mit Fachkräftemangel schnell einfach weiter dahin, wo sie etwas besseres finden als den Tod. Oder auch nur den Frust durch Dauerstress. Und dann haben die kommunalen Kitabetriebe bald nicht mehr nur keinen Nachwuchs, sondern überhaupt kein Personal. Mehr zu den Auswirkungen des Fachkräftemangels finden Sie und der zuständige Senator hier: taz.de/Faul-oder-n...ie-Frage/!6007052/

    • Gereon Asmuth , Autor des Artikels, Ressortleiter taz-Regie

      @FriedrichHecker:

      Die Frage ist ja, ob man der Trafivertrag kündigen muss. Ein williger und kreativ denkender Finanzsenator würde umgehend ein Lösung finden, um seinem engagierten Personal Unterstützung zukommen zu lassen. Er sollte das auch aus eigenem Interesse tun. Denn frustrierte Mitarbeiter:innen ziehen auf Märkten mit Fachkräftemangel schnell einfach weiter dahin, wo sie etwas besseres finden als den Tod. Oder auch nur den Frust durch Dauerstress. Und dann haben die kommunalen Kitabetriebe bald nicht mehr nur keinen Nachwuchs, sondern überhaupt kein Personal. Mehr zu den Auswirkungen des Fachkräftemangels finden Sie und der zuständige Senator hier: taz.de/Faul-oder-n...ie-Frage/!6007052/

      • @Gereon Asmuth:

        "Denn frustrierte Mitarbeiter:innen ziehen auf Märkten mit Fachkräftemangel schnell einfach weiter dahin, wo sie etwas besseres finden"

        Man könnte auch sagen: Wenn die Decke schon zu kurz ist, muss wenigstens mir warm sein...

  • 400.000 Kitaplätze fehlen bundesweit, beklagte Frau Ostermann, die Präsidentin der Familienunternehmer und schaute voller Empörung in die Kamera, da die wenigen Kitaplätze ihren Unternehmen ökonomisch schaden.



    Auf die Idee, Finanzminister Lindner zur Einrichtung eines Sondervermögens zur Beseitigung des Missstandes zu bewegen, kam sie nicht. Deutschlands Finanzminister sparen Deutschland kaputt!

  • Danke liebe taz!



    Die einzige Zeitung in der ich mich als Erzieherin in diesem wichtigen Kampf um einen Tarifvertrag für pädagogische Qualität und Entlastung unterstützt fühle.

  • Ich kann den Mist von den Investitionen in unsere Zukunft nicht mehr hören - das geht seit Jahren und Jahrzehnten so. Mit dieser Argumentation kann man nicht jede Ausgabe rechtfertigen.

    Wo ist denn die Rendite dieser sogenannten Investitionen der letzten Jahrzehnte, wenn doch die Schulden ständig wachsen?