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Elterliche AufsichtspflichtEinmal gratis Babysitten im Freibad

Es gibt zu wenig Schwimmkurse, klar. Deshalb das Überleben der Kids den Bademeistern zu überlassen, ist auch nicht richtig.

W ann immer ein Freibad in diesen Sommertagen ankündigt, Jugendliche unter 16 nur noch mit einem Bronzeabzeichen allein in den Pool zu lassen, geht ein Sturm der Entrüstung durch die sozialen Medien. „Deutschland kinderfeindlicher denn je!“, heißt es dort, und: „Muss ich jetzt auf meine alten Tage etwa noch eine Schwimmprüfung machen?“, beklagen sich Eltern in den Kommentaren. Sinnerfassendes Lesen hätte sicher weitergeholfen.

Natürlich gibt es zu wenige Schwimmkurse. Und ja, die kosten Geld. Auch Schulen könnten mehr Schwimmunterricht anbieten. Doch wer nicht will, dass der Teenager bei 35 Grad im Schatten zu Hause nervt, weil er nicht mit den Kumpels ins Freibad durfte, muss eine Lösung finden. Denn 60 Prozent der 10-Jährigen können nach der 4. Klasse nicht gut schwimmen.

Viele Eltern schauen eher aufs Handy als auf ihr gerade untergehendes Kind

Für ein Bronzeabzeichen muss man übrigens 15 Minuten schwimmen, vom Einer springen, zwei Meter tief tauchen und die Baderegeln kennen. Jeder Bademeister nimmt das ab – auch ohne Schwimmkurs. Früher nannte man das „Freischwimmer“. Damit durfte man dann allein „ins Tiefe“.

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Nun wäre es sicher auch möglich, in Old-School-Manier selbst mit Vorschulkind oder Erstklässler den Frosch-Beinschlag zu üben. Doch heute schauen viele Eltern offenbar lieber aufs Handy als auf ihr gerade untergehendes Kind. In den Schwimmbädern stehen inzwischen schon Schilder, die die Eltern an ihre Aufsichtspflicht erinnern. Der ein oder die andere würde die Verantwortung für die Knirpse allerdings doch lieber „dem Staat“ zuschieben. Der möge das doch bitte regeln. Möglichst gratis. Spoiler: Tut er nicht. Wer den Nachwuchs über die Badesaison hinaus behalten will, muss selbst mit aufpassen.

Wozu dann aber das Bäderpersonal?, so liest man in unzähligen Kommentaren. Die würden dafür schließlich bezahlt. Erst kürzlich berichtete auf rbb eine Berliner Bademeisterin, wie vier nichtschwimmende Kinder hintereinander vom Ein-Meter-Brett sprangen. Und alle vier gerettet werden mussten. Wären das andernfalls „Staatsversagen“ gewesen?

Käme man auch auf die Idee, „der Staat“ müsse dafür sorgen, dass Jugendliche gratis ihren Führerschein machen können, weil das ja so teuer ist? Und ihnen ansonsten einfach den Autoschlüssel in die Hand drücken und sagen: „Gute Fahrt“? Eben.

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Gaby Coldewey

Gaby Coldewey Redakteurin

Redakteurin in der Auslandsredaktion. Bei der taz in unterschiedlichen Positionen seit 2009. Studium der Slawistik, Politologie und Ost- und Südosteuropäischen Geschichte in Berlin, Prag und Odessa. Übersetzt aus dem Ukrainischen und Russischen. Schreibt immer mal wieder "Berliner Szenen".
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4 Kommentare

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  • Mich würde mal die Korrelation zwischen "schwimmen können" und "elterlichem Einkommen" interessieren.



    Ich habe da so eine Vermutung ...

    Ups ... Frage hat sich erübrigt.



    Spoiler: Vermutung stimmt.

    "ärmere" Kinder können seltener schwimmen:



    Quelle:



    www.zeitschrift-sp...aus-kiggs-welle-1/

  • Viele Eltern schauen eher aufs Handy als auf ihr gerade untergehendes Kind



    ----



    Das ist allemal wichtiger! ;-)



    Vor allen Dingen, wenn die o.a. merken, wie teuer die "Blagen" auf Dauer sind! :-(



    Btw. Da hat man(n), mehr Frau => 18 Jahre Stress & Kosten und soll die dann auch noch "erziehen", denen "Grundsozialisation & soziale Verhaltensmuster, uvam" beibringen!



    Wofür haben wir den Kitas Schulen, Erzieher Lehrer Bademeister, ... wenn wir auch noch selbst mit anfassen müssen!



    Ps. Scheint aber eine Lösung dafür zu geben.



    Wenn wir den Kids recht früh ein "Smartphone" in die Hand drücken, bleiben die "auf der Couch" & geben RUHE!



    Seit einiger Zeit sehr oft zu beobachten, wie Kids im Kinderwagen, auf dem Schulweg, in den Offis, usw. am Smartphone hängen.



    Das regelt dann die "Probleme" mit Schwimmen, Radfahren, rumlaufen usw. .... :-(((

  • da sollte man auch bei diesen Temperaturen cool bleiben.



    Denn was sind denn mittlerweile Soziale Medien? In der Regel doch nur noch Meckerplattform für die, welche auch sonst im leben nicht viel auf die Reihe bekommen, und halt auch in der Kindererziehung nicht. Und wenn man dann etwas nicht kann/will, wird direkt wieder nach dem Staat gerufen.



    Und es ist dabei egal, ob ich mein schwimmunfähiges Kind ins Schwimmbad lasse, oder ihm ein Smartphone im Kinderwagen gebe, damit es schon mal die Infaulenzer kennenlernt, in beiden Fälle habe ich meine absolute Erziehungsunfähigkeit unter beweis gestellt, und eigentlich kein Recht mehr darauf, Kinder zu erziehen

    • @Oleg Fedotov:

      Das Recht Kinder zu erziehen hat bitteschön jeder in diesem freien Land.



      Und das möchte ich auch niemandem abgenommen sehen.



      Was man aber gerne wieder etwas deutlicher machen dürfte wäre: das Recht auf etwas zu haben, ist nicht gleichbedeutend mit der Pflicht, dieses Recht auch wahrzunehmen. (Gilt in so vielen Bereichen noch so viel mehr als hier)