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Elon MuskBillionär will ZDF an den Kragen

Ann-Kathrin Leclere

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Ann-Kathrin Leclere

Der reichste Mann der Welt fordert das ZDF auf, eine Unterlassungserklärung abzugeben. Das ist sein gutes Recht, aber trotzdem beunruhigend.

K ürzlich ist Musk der erste Billionär der Welt geworden. Mit diesem Vermögen im Rücken beginnt er nun in Trump-Manier Medien zu verklagen. Als Erstes ging es jetzt mithilfe eines deutschen Anwalts dem ZDF an den Kragen.

Auslöser war eine Sendung des öffentlich-rechtlichen Senders mit dem Titel „Ausschreitungen in Belfast – Wie Musk die Proteste befeuert“. In der Sendung wurde über Proteste und Ausschreitungen in Nordirland berichtet, bei denen teils gezielt Migrant_innen verfolgt und Wohnungen angezündet wurden. Diese Proteste hatten nach einer Messerattacke am 8. Juni durch einen sudanesischen Mann stattgefunden. Weil die Sendung den Eindruck vermittelt hatte, Musk hätte durch das Teilen von Posts eines Rechtsextremisten dazu selbst zur „Jagd auf Migranten“ aufgerufen, ging er dagegen vor.

Musk bezichtigte das ZDF, „skandalöse Lügen“ zu verbreiten, und forderte die Sendung auf, eine Unterlassungserklärung abzugeben. Am vergangenen Dienstag kam der Sender dem nach und kürzte im Archiv außerdem bereits am Samstag den Beitrag um die entsprechende Stelle. „Wir bestätigen, dass Elon Musk über eine deutsche Anwaltskanzlei eine Unterlassungserklärung zur Anfangsmoderation der Sendung ‚ZDFheute live‘ vom 12. Juni gefordert hat“, teilte das ZDF der Katholischen Nachrichten-Agentur mit. Andere Teile des ZDF-Beitrags zu Musks Rolle, der auch in Deutschland immer wieder politischen Einfluss nehmen will, blieben hingegen bestehen.

Viele sind sich nun sicher: Das ZDF sei vorzeitig eingeknickt und hätte sich einem reichen Tech-Billionär ergeben. Wo bleibt da die Pressefreiheit oder die Möglichkeit zur freien Meinungsäußerung? Ganz so eindeutig ist das aber nicht.

Das Recht, sich zu wehren

Menschen, auch Elon Musk, haben die Möglichkeit, sich zu wehren, wenn sie der Meinung sind, dass über sie falsche Tatsachen berichtet wird. Dafür gibt es im deutschen Recht mehrere Grundlagen, etwa das allgemeine Persönlichkeitsrecht oder die Landespressegesetze, die ein Recht auf Gegendarstellung einfordern.

Das ZDF hätte Musk demnach etwa fragen müssen: „Haben Sie zur Jagd auf Migranten“ aufgerufen? Oder sich dazu entscheiden können, zu berichten, was vorgefallen ist, ohne die missverständliche Einordnung. Also in etwa: Elon Musk hat auf seiner Plattform X, auf der er über 240 Millionen Follower hat, einen Post des Rechtsextremisten Tommy Robinson geteilt, in dem er gegen einen „weiteren Angriff von Eindringlingen auf unser Volk“ mobilisierte und Termine für Kundgebungen anfügte. Musk teilte den Beitrag und fügte hinzu „Nur durch wiederholte und laute Proteste wird sich etwas ändern.“ Dass das ZDF die Anmoderation des Beitrags geändert hat, ist somit alltäglicher Schritt in der Produktion von Inhalten in den Medien, wenn andere von ihren rechtlichen Mitteln Gebrauch machen.

Andererseits ist es natürlich beunruhigend zu sehen, dass ein Billionär wie Musk sein Geld und seine Macht ausnutzen kann, um gezielt demokratische Strukturen, von denen auch das ZDF Teil ist, zu schwächen. Musk hatte sich bereits zum Wahlkampf 2024 in die politische Debatte eingemischt, etwa mit Wahlaufrufen für die AfD.

Im Fall des ZDF drohte Musk bereits mit weiteren juristischen Schritten, in denen „wir genau herausfinden, welcher Idiot diese ungeheuerliche Lüge verfasst hat“. Milliarden-Dollar-Klagen, ob am Ende erfolgreich oder nicht, beschäftigen Medienhäuser natürlich. Und dass Klagen auch als Druckmittel eingesetzt werden kann man etwa bei Trump beobachten, der in mehreren Fällen, etwa gegen die New York Times oder die Washington Post, schon allein mit einer Klageandrohung versucht die Medien zu schwächen.

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Ann-Kathrin Leclere

Ann-Kathrin Leclere

Aus Kassel, lange Zeit in Erfurt gelebt und Kommunikationswissenschaft studiert. Dort hat sie ein Lokalmagazin gegründet. Danach Masterstudium Journalismus in Leipzig. Bis Oktober 2023 Volontärin bei der taz. Jetzt Redakteurin für Medien (& manchmal Witziges).
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12 Kommentare

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  • Ist es das was uns in der Zukunft erwartet? Einzel Personen oder ganze Staaten die in Manier von Gangsterbossen die Welt beeinflussen mit dem Ziel eigene Interessen durchzusetzen?



    Die Gewalt einsetzen, die in der Lage sind die gesamte Bandbreite militärischer Möglichkeiten einzusetzen für persönliche Bereicherung! Koste es was es wolle, den Akteuren ist es egal und wenn es nicht wie erwartet läuft wendet man sich einem anderen Deal zu. Diese Worte "Deal " ,ich kann es nicht mehr hören, nicht mehr ein ertragen, es ist zum Synonym für all das mutiert was eine mündige Menschenheit nicht tun sollte.

  • Medien sollen sauber recherchierte Tatsachen ordentlich berichten, dann gibt es keine Probleme. Tun sie es nicht hat jeder das Recht zur Klage und auch Schadenersatz zu verlangen, Richter werden dann eben entscheiden. Wenn das ZDF jetzt zurückrudert war der Bericht wohl doch nicht so ganz sauber.

  • Musk hatte 8 Monate vorher gerufen:

    “Whether you choose violence or not, violence is coming to you. You either fight back or you die, that’s the truth, I think.”

    www.theguardian.co...arks-break-the-law

    Was er jetzt sagt, muss im Kontext dieses Aufrufes gesehen werden.

    • @Arne Babenhauserheide:

      Möchten Sie Falschaussagen über sich hören, die damit begründet wurden, dass dies im richtigen Kontext erfolgte? Und was sagt dies über den Kontext aus?

  • "Andererseits ist es natürlich beunruhigend zu sehen, dass ein Billionär wie Musk sein Geld und seine Macht ausnutzen kann, um gezielt demokratische Strukturen, von denen auch das ZDF Teil ist, zu schwächen."



    An dieser Stelle sehe ich das Kraftwort "Idioten" und einen Billionär mit wahrscheinlich eher schlechterem Image als vorher.



    Eine Gegendarstellung wäre wahrscheinlich nicht unangemessen oder ungewöhnlich.

    Ob das hier noch oder überhaupt gilt?



    Bei spiegel.de 2008:



    "Dem Beschluss zufolge sind die Medien also nur dann zur Verbreitung einer Gegendarstellung verpflichtet, wenn sich diese auf eine eindeutige Behauptung in einem Bericht bezieht. Fühlt sich der Betroffene lediglich durch eine nicht fern liegende mögliche Interpretation des Textes nachteilig dargestellt, dann hat die Pressefreiheit nunmehr den Vorrang."



    www.spiegel.de/kul...ngen-a-530167.html



    Damals der Titel:



    "Karlsruhe stärkt Presserecht bei Gegendarstellungen



    Sieg für den SPIEGEL vor dem Bundesverfassungsgericht: Die Karlsruher Richter haben heute klargestellt, dass eine Gegendarstellung gegen mehrdeutige Äußerungen nicht zulässig ist."🤔

  • Ich hoffe doch, dass ein gericht ähnlich entscheidet wie in der Causa Diekmann damals: wer selbst ständig lügt, hat verminderten Schutz.

    Und wenn einer sich sonst als "free speech absolutist" geriert, sollte man ihm seine Heuchelei sowieso richtig um die Ohren schlagen.

  • Was für eine Marginalie !

    Wir können doch Tag für Tag beobachten wie die Reichen und Superreichen Einfluss nehmen auf die Politik, die Gesetzgebung und diverse Entscheidungen bis hinunter auf die kommunale Ebene.

    Da gehört es doch einfach zum Spiel entsprechend auch auf die Presse einzuwirken

  • Ich verstehe die ganze Aufregung nicht.

    A hat Rechte von B verletzt und verpflichtet sich nun, diese Rechtsverletzung nicht zu wiederholen. Alltag in vielen deutschen Anwaltskanzleien, manchmal geht es eben auch zu Gericht. Und spätestens das Gericht entscheidet - idealiter - entsprechend der Rechtslage und nicht danach, ob ihm A oder B sympathisch ist.

    Ich gehe außerdem davon aus, dass das ZDF medienrechtlich nicht schlechter beraten ist als Elon Musk.

    • @Jan Schubert:

      "Ich gehe außerdem davon aus, dass das ZDF medienrechtlich nicht schlechter beraten ist als Elon Musk."

      Wenn dich Elon Musk verklagt, geht es letzten Endes nicht darum, wer im Recht ist, das wird jeder auch noch so ausgebuffte Medienanwalt auch dem ZDF klargemacht haben. Und genau das ist hier das gefährliche Problem. SLAPPs sind doch genau für Typen wie den gedacht.

      • @Systemknecht:

        Wenn ich darauf verzichte, falsche Tatsachenbehauptungen zu erheben, kann mir gar nichts passieren, egal wer der Kläger ist. Das ZDF hat den Beitrag ja auch nicht gelöscht, sondern modifiziert.

        Ironischerweise hat das OLG München vorgestern Böhmermanns Missgriff gegenüber Jörg Schönbohm bestätigt. Merkwürdigerweise war darüber in der "kritischen Presse" nichts zu lesen.

        • @Jan Schubert:

          Ihr beiden Beiträge gefallen mir sehr gut, keine Fake-News verbreitet und hups- man wird auxh einfach nicht angeklagt.

          • @Leningrad:

            "... keine Fake-News verbreitet und hups- man wird auxh einfach nicht angeklagt."

            Das ist leider angesichts der Realität (SLAPP*) - nett gesagt - eine überaus naive Ansicht.

            * de.wikipedia.org/wiki/SLAPP